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An der Spitze mitmischen

"uws Technologie" aus Insingen ist unbestrittene Größe bei der Heizwasseraufbereitung - 22.01.2019 12:42 Uhr

Hans-Georg Breitmoser und Sohn Steffen leiten gemeinsam das Unternehmen „uws Technologie“, das in Sachen Heizwasseraufbereitung eine führende Marktposition einnimmt und auch Kunden im benachbarten Ausland hat. © TobiPix/Scheuenstuhl


Und so lange die eigenen vier Wände immer schön warm sind, gibt es eigentlich ja auch keinen Grund, sich über das Innenleben seiner Heizanlage weiter groß Gedanken zu machen. Dafür hat man schließlich die entsprechenden Fachleute. Das Insinger Unternehmen „uws Technologie“ etwa („uws“ steht dabei für „unser Wasser sicher“) ist auf die Heizwasseraufbereitung spezialisiert. Mit seinen Produkten sorgt es dafür, die Lebensdauer der Heizanlage um ein Vielfaches zu verlängern und die Normwerte ohne den Einsatz von Chemie zu erreichen. Hierfür entwickelte man ein eigenes Mischbett-harz, also Polymergemisch, zum Ionenaustausch, das störende Bestandteile aus dem Wasser filtert, erklärt Geschäftsführer Steffen Breitmoser, der gemeinsam mit seinem Vater Hans-Georg, seines Zeichens Diplom-Ingenieur für Versorgungstechnik, das Unternehmen leitet.
Bereits ein Kalkbelag von zwei Millimetern reduziert den Wärmedurchgangskoeffizienten bei einem Glattrohrwärmetauscher um 90 Prozent und den Übertragungswirkungsgrad um etwa 60 Prozent. Das „hauseigene“ Mischbettharz  entfernt Salze aus dem Heizwasser, hält den pH-Wert des Füllwassers im geforderten Bereich und kann vorhandene Rest-härte und gelöste Salze entfernen.

Hohe Anforderungen

Für "uws Technologie" ist bei der Produktentwicklung die Richtlinie "VDI 2035" maßgeblich, die hohe Anforderungen für das Füll- und Ergänzungswasser von Heizungsanlagen festlegt. Bislang ist sie noch keine DIN-Norm, sondern rechtlich gesehen lediglich eine Empfehlung. Für die Insinger Geschäftsleitung besteht aber kein Zweifel, dass ihre Umsetzung der beste Weg zum Schutz der Heizanlage und des Trinkwassers ist. Deshalb hält man sich auch ohne gesetzlichen Zwang daran.
 Und der Erfolg gibt dem Insinger Unternehmen dabei Recht. Dessen Produkte sind nämlich nicht nur in deutschen Heizungen zu finden, sondern auch in jenen in Frankreich, Österreich, der Schweiz und den Benelux-Ländern. Den hohen Standard, den Deutschland bei der Haustechnik an den Tag legt, schätzt man dort sehr, weiß der 37-jährige technische Betriebswirt.
In den nächsten drei Jahren plant man auch auf den Märkten in Nordeuropa und – aufgepasst – dem Vereinigten Königreich präsent zu sein. Die Breitmosers zählen damit wohl zu den wenigen kontinentaleuropäischen Geschäftsführern, die zurzeit keine Albträume bekommen, wenn sie an Handelsbeziehungen mit  Großbritannien denken. Und das aus gutem Grund: Der Bedarf für ihre Produkte ist auf der Insel enorm, da dort die Wasseraufbereitung sehr chemielastig sei, so Steffen Breitmoser. Doch mittlerweile habe man auch dort erkannt, dass dies nicht „der Weisheit letzter Schluss“ und die Zeit „reif für Alternativen“ sei.
Die Systeme zur Heizwasseraufbereitung werden am Standort in Insingen gefertigt beziehungsweise montiert und von dort an den Fachgroßhandel geliefert.  Der hauseigene Fuhrpark umfasst einen Lkw sowie fünf Sprinter. Auch wenn „uws Technologie“ in einem sehr speziellen Bereich tätig ist, muss man dennoch gezielt auf sich aufmerksam machen. Zumal es namhafte Mitwettbewerber gibt. Deshalb tourt man mit einem „Showfahrzeug“ quer durch das Land und führt bei Großhändlern die Produkte vor.

Blick in die Endmontage am Standort Insingen – danach werden die Produkte ausgeliefert. © TobiPix/Scheuenstuhl


Ab einem Wasservolumen von 10000 Litern übernimmt "uws Technologie" als Dienstleister selbst die Befüllung. Beispiele für derartige Großprojekte sind die Mercedes Benz Arena in Berlin, eine ganze Reihe von Lidl-Filialen und auch ein Schloss in der Schweiz. Dadurch zeigt man, dass man sich auch auf die Praxis versteht und die Kunden, die unter Umständen mit Projekten dieser Größenordnung überfordert wären, nicht im Stich lässt. Die Anfänge dieses Familienunternehmens, das heute Umsätze im zweistelligen Millionenbereich verbuchen kann, liegen in einem Wohnhaus in Schrozberg. Dort begann Hans-Georg Breitmoser 1989 mit der Entwicklung und Fertigung von Forschungs- und Experimentieranlagen für die Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik-Branche. Einst setzte man den Schwerpunkt auf die Einrichtung von Fachschulen und Laboren mit Heizungssimulationen und umfangreichen Testständen.

Seit 2009 ist die Heizwasserauf­bereitung das Steckenpferd von "uws Technologie". Als die bisherigen Räumlichkeiten zu klein wurden, musste man sich nach Alternativen umschauen. In Insingen wurde man schließlich fündig. Ein passendes Gebäude stand leer, der Preis war inte-ressant und die Autobahnanbindung  kam den Geschäftsführern ebenfalls sehr gelegen. Für die Gemeinde ist es ein Glücksfall, dass nach der Insolvenz der „Bär und Lorenz Gardinenfabrik“ sich in demselben Gebäude im Jahr 2012 wieder ein Unternehmen ansiedelte, dass in seiner Branche ebenfalls an der Spitze mitmischt.

Gut gefüllte Auftragsbücher und Zuwachszahlen im zweistelligen Bereich zaubern der Geschäftsleitung einerseits ein Lächeln ins Gesicht, andererseits aber auch die eine oder andere Sorgenfalte auf die Stirn. Denn so langsam stößt man auf den rund 4000 Quadratmetern an Grenzen. Zunächst versucht man intern räumlich umzustrukturieren. Sollte eine bauliche Erweiterung anstehen, werde man der Gemeinde die Treue halten, versichert Steffen Breitmoser.
Am Standort Insingen sind 40 Mitarbeiter beschäftigt, weitere 15 sind bei der Dienstleistungstochter angestellt. Hinzu kommen noch 28 Handelsvertreter, die sich um das Vertriebsnetz kümmern. Derzeit wird auch eine Nachwuchskraft ausgebildet und für Herbst sucht man schon nach dem nächsten Lehrling für das Büro. Auch in der Buchhaltung (Teilzeit) und der Produktion (Vollzeit) sind gerade noch Stellen offen.
"Wir legen sehr viel Wert auf ein gutes Betriebsklima", erklärt Steffen Breitmoser. Denn trotz der Marktstellung – Nummer 2 bei der Heizwasseraufbereitung – sei man noch ein kleines Unternehmen, wo Flexibilität nötig sei und das Team passen müsse. So absolviert man nicht nur gemeinsam Sicherheitstrainings, sondern trifft sich auch zum Grillen oder schaut in großer Runde Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft an. Der älteste Mitarbeiter ist übrigens 80 Jahre alt und fährt immer noch mit dem Fahrrad auf die Arbeit, verrät Steffen Breitmoser.

Erweiterung der Produktpalette

Geheim ist hingegen noch, womit man als nächstes seine Produktpalette erweitern möchte. Man kann aber fest davon ausgehen, dass es ebenso innovativ sein wird, wie das selbstentwickelte Bypass-Verfahren. Dadurch lässt sich die nachträgliche Heizwasseraufbereitung mit minimalem Aufwand bei laufendem Betrieb (bis zu 80 Grad Wassertemperatur) durchführen.
Das Thema Wasser ist auch maßgeblich für das soziale Engagement des Unternehmens. Zwar unterstützt man mit Trikot- und Bandenwerbung  den örtlichen Sportverein, doch man blickt auch über den gemeindlichen Tellerrand. Das neueste Projekt hat den bezeichnenden Namen "Helden auf dem Wasser". Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des unternehmerischen Meilensteins "Heizwasseraufbereitung" spendet das Unternehmen pro verkaufter Nachspeisestation 50 Cent an die Seenotretter. Bei einem anvisierten Absatz von 30000 Stück kommt da heuer eine stattliche Summe zusammen.     

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