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Röttenbach: Wenn der Kultputzfrau der Kamm schwillt

Andrea Lipka sorgte bei den 17. Röttenbacher Mundarttagen mit "Tücken des Alltags" für viel Applaus - 05.11.2018 15:07 Uhr

Die singende Putzfrau Andrea Lipka begleitete Michael Burzlauer bei den Röttenbacher Mundarttagen so einfühlsam wie gekonnt. © Foto: Johann Schrenk


Dass anfänglich zahlreiche Besucher in der schlecht geheizten Aula der Grundschule Süd etwas froren, vermochte Andrea Lipka schnell vergessen zu machen. Mit ihrem temperamentvollen Auftritt als Putzfrau Elfriede Rumpler heizte sie dem Publikum ordentlich ein. Ob als frustrierte Kundin in der Warteschleife eines Erlanger Modehauses oder als engagierte Vorkämpferin gegen den Diätenwahn.

Röttenbacher Souveränität

Am schlechtesten schnitt an diesem Abend das männliche Geschlecht ab, für das vor allem Elfriedes Ehemann den Rücken hinhalten musste. Verwunderlich: hatte doch Bürgermeister Thomas Schneider die Einladung der Künstlerin damit begründet, dass sie ein Programm bieten würde, das sich nicht auf Kosten anderer lustig machen wolle. Doch im Publikum fühlte sich offensichtlich kein Mann "auf den Schlips getreten" – ‚Röttenbacher Souveränität‘.

Andrea Lipka betreibt mit der "Glückserei" seit 22 Jahren eine eigene Bühne in Lauf. Aus ihrem Soloprogramm mit der Kultputzfrau Elfriede Rumpler stellte sie ein ‚Best of‘ zusammen und nannte es "Tücken des Alltags". Es ist ihr einziges Stück in fränkischem Dialekt, und deshalb hat sie es auch für die Mundarttage in Röttenbach ausgesucht.

Für Andrea Lipka ist das Fränkische die ‚Endstufe der deutschen Rechtschreibung‘. Wenn ein Preuße den anderen höflich darum bittet: "Gehen Sie doch bitte hier nach oben", dann heißt das in Franken schlicht "nauf!" "Wir Franken sprechen Steno, und das macht uns Niemand nach", verkündet Elfriede Rumpler mit stolz geschwellter Brust, und wird dafür mit donnerndem Applaus bestätigt. Sie sei in Nürnberg aufgewachsen und habe sich ihren Dialekt bewahrt. Wenn sie im Norden Deutschlands auf Tournee ist, wird sie oft als "aus Bayern" kommend vorgestellt – und da schwillt ihr jedes Mal der Kamm.

Es war nicht nur eine musikalische Begleitung, die Michael Burzlauer an diesem Abend bot. Einfühlsam begleitete er bei einem Großteil der Sketche die singende Putzfrau, war aber auch technisch gefordert, wenn er etwa bei der Nummer mit der Telefon-Warteschleife die nervtötenden Ansagen wie "Alle unsere Mitarbeiter sind momentan beschäftigt …" über sein digitales Mischpult einspielte. Das war wirklich gekonnt!

Thomas Schneider bedankte sich bei ihm und bei Andrea Lipka für ihr Programm und lobte den Einsatz der Damen vom Roten Kreuz, die die Besucher in der Pause mit fränkischem Käckbrot und Bier aus der Region bewirteten. 

VON JOHANN SCHRENK

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