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Rother startet Petition für Gleichberechtigung beim Blutspenden

Daniel Zimmermann (FDP) will Benachteiligung von Homosexuellen nicht hinnehmen - 14.06.2019 09:57 Uhr

Blutspenden sind in Deutschland knapp. Der Rother Daniel Zimmermann würde gerne spenden, darf aber nicht - außer er lebt 12 Monate lang ohne Geschlechtsverkehr. © Sonja Marzoner/dpa


Eigentlich sind die Blutspendedienste wie etwa das Rote Kreuz auf jede Spende angewiesen, denn Blutspenden sind Mangelware. Und grundsätzlich gilt: "Blut spenden kann jeder gesunde Mensch ab dem 18. Geburtstag bis einen Tag vor dem 73. Geburtstag." So heißt es auf der Homepage des Deutschen Roten Kreuz (DRK). 

Allerdings gibt es bestimmte Gruppen von Menschen, die ihr Blut nicht spenden dürfen. Dazu gehören etwa schwangere Frauen und Typ-I-Diabetiker. Homosexuellen Männern war das Blutspenden bis 2017 ebenfalls komplett untersagt. Nach einer Neubewertung des Risikos änderte die Bundesärztekammer 2017 ihre Richtlinien zur Blutspende. Seitdem dürfen auch homosexuelle Männer ihr Blut spenden - wenn sie angeben, mindestens ein Jahr lang keinen Geschlechtsverkehr mit einem Mann gehabt zu haben. 

Risikogruppen dürfen nicht spenden

Daniel Zimmermann aus Roth in Mittelfranken ist bei der örtlichen FDP aktiv und hat jetzt eine Online-Petition gegen diese Benachteiligung von Homosexuellen gestartet. Wie Zimmermann gegenüber der Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung erklärt, hat er in einem Fragebogen zur Blutspende des Roten Kreuz angekreuzt, innerhalb der letzten 12 Monate Sex mit einem Mann gehabt zu haben. Daraufhin sei er als Blutspender abgelehnt worden. 

Genau wie bei Menschen, die unter bestimmten Krankheiten wie etwa Hepatitis C leiden, oder bei Frauen, die der Prostitution nachgehen, gilt hier das Risiko für die Übertragung von Krankheiten als erhöht. Also müsste Daniel Zimmermann vor einer Blutspende enthaltsam leben - mindestens 12 Monate lang. Auf Focus online wird er dazu folgendermaßen zitiert: "Wer verzichtet denn so lange auf Sex, vor allem, wenn man in einer festen Partnerschaft lebt?"

Der Rother arbeitet beruflich als Pflegekraft. Deswegen gehe er regelmäßig zu Untersuchungen auf Hepatitis und HIV, so Zimmermann weiter: "Ich bin gesund." Von den strengen Richtlinien zum Blutspenden fühlt er sich diskriminiert. 

Offener Brief an Minister Spahn

Der Rother FDP-Politiker schrieb auf der Plattform change.org einen offenen Brief an den ebenfalls homosexuellen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Darin wendet sich Zimmermann gegen den Generalverdacht gegen homosexuelle Männer: "Das ist Verleumdung und somit in meinen Augen Volksverhetzung". Und weiter: Seit 2007 sei kein Fall mehr bekannt, dass sich jemand über eine Bluttransfusion mit HIV oder Hepatitis angesteckt hätte. Das Verfahren zur Blutprobenüberwachung sei so streng und sicher, so dass man auch alle Menschen, die zur Blutspende gehen möchten, gehen lassen sollte. 

Der Standpunkt von Daniel Zimmermann ist klar: "Nicht jeder Homosexuelle- oder Bi Mann hat ständig wechselnde Partner. Sehr viele leben in einer monogamen Beziehung oder Ehe, dies seit Jahren glücklich und gesund." Sein Aufruf endet mit dem Appell an Minister Spahn, sich dafür einzusetzen, die Blutspenderichtlinien zu ändern - auch um dem flächendeckenden Mangel an Blutkonserven abzuhelfen. 

Dieser Artikel wurde am 14. Juni 2019 um 10:45 Uhr aktualisiert. 

  

Martin Regner E-Mail

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