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Roth: Gewisser Mut zur Unordnung

LBV und Landkreis setzen auf kommunalen Flächen den Wunsch nach mehr Artenvielfalt um - 20.06.2020 06:00 Uhr

LBV-Biologin und Projektmanagerin Patricia Danel (Mitte) erläutert die Ziele des gemeinsamen Projekts von LBV und Landkreis Roth. © Foto: Tobias Tschapka


Der Einladung von Landrat Herbert Eckstein und dem LBV-Vorsitzenden Norbert Schäffer folgten neben vielen Ehrenamtlichen aus den Orts- und Kreisgruppen auch die Bürgermeister aus Hilpoltstein, Allersberg, Röttenbach, Heideck und Thalmässing, deren Gemeinden für das Projekt ausgewählt wurden. Die längste Anreise hatte Georg Schlapp, der Vorstand des "bayerischen Naturschutzfonds" aus München, dessen Organisation das Projekt mit rund 170 000 Euro unterstützt.

Schäffer blickte in seiner Begrüßung auf das erfolgreiche "Volksbegehren Artenvielfalt" im Vorjahr zurück, "ein wichtiges Thema in der Gesellschaft vor Corona", so der LBV-Vorsitzende. Dabei wurden neben der Landwirtschaft auch immer wieder die Rolle der Kommunen und die Pflege ihrer Flächen thematisiert. "Das dabei vielerorts übliche häufige Mähen und Mulchen wirkt sich nachweislich negativ auf die Artenvielfalt aus", gab Schäffer zu bedenken.

 

Antwort auf Volksbegehren

 

"Unser neues Gemeinschaftsprojekt von LBV und Landkreis Roth gibt nun eine kommunale Antwort auf den Wunsch von knapp 1,8 Millionen Menschen im Freistaat nach mehr Artenvielfalt", so Schäffer, betonte aber auch, dass in der Bevölkerung noch mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden muss. "Die Leute müssen ökologische Zusammenhänge verstehen und dafür sensibilisiert werden, dass zum Erhalt der Artenvielfalt auch ein gewisser ‚Mut zur Unordnung‘ gehört", so Schäffer.

Viele würden Artenvielfalt mit blühenden Flächen gleichsetzen, "aber dazu gehören zum Beispiel auch verblühte Brennnessel oder liegengelassenes Altgras im Winter". In den nächsten drei Jahren werde das Projekt den beteiligten Gemeinden eine Hilfestellung bieten, ihre kommunalen Flächen im Sinne der Biodiversität zu entwickeln. Es habe somit einen bayernweiten Vorbildcharakter für alle anderen Kommunen, die auch etwas zur Verbesserung der biologischen Vielfalt beitragen möchten.

Wie das Projekt durchgeführt werden soll, erklärte Patricia Danel, Biologin und Projektmanagerin beim LBV. Das wichtigste Ziel sei die Erarbeitung einer Handlungsanleitung, die die Kommunen in die Lage versetzen soll, durch gezieltes Management den Schwund der Biodiversität auf kommunalen Flächen entgegenzuwirken.

"Wir wollen Empfehlungen zur optimalen Bewirtschaftung und Pflege jeder einzelnen Fläche geben, die dann als Arbeitsgrundlage von den Kommunen genutzt werden kann. Davon werden zahlreiche Tier- und Pflanzenarten kurz- und langfristig profitieren", ist Danel überzeugt.

 

Kommunen haben geeignete Flächen

 

Insgesamt befinden sich im Projektgebiet über 3000 Hektar an Fläche im Kommunaleigentum, das entspricht rund zehn Prozent der Gemeindeflächen. Kommunale Flächen sind ein wichtiger Teil der Kulturlandschaft. Oft bieten sie ein hohes Potenzial für die Artenvielfalt. Dabei handelt es sich um Flächen an Wegrändern, Feldrainen, Hecken, straßenbegleitende Strukturen sowie innerstädtische Grundflächen und Waldsäume, aber auch landwirtschaftlich und forstwirtschaftliche genutzte Flächen.

"In den nächsten Monaten wird der Zustand der kommunalen Flächen mittels Geoinformationssystem erfasst. Im Anschluss werden wir flächenscharfe Handlungsempfehlungen für die Gemeinden erarbeiten", erläutert Danel.

"Dabei beziehen wir sowohl das umfängliche Wissen unserer ehrenamtlich Aktiven der LBV-Kreisgruppe Roth-Schwabach ein, als auch die langjährige Erfahrungen des Landschaftspflegeverbandes Mittelfranken sowie die zuständigen Naturschutzbehörden". Im Rahmen des Projekts soll dann auch eine gezielte Umsetzungsberatung der einzelnen Kommunalverwaltungen, aber auch für die Bewirtschafter solcher Flächen erfolgen.

 

Einzigartiger Verbund

 

Ein gutes Beispiel für eine kommunale Fläche mit hoher ökologischer Wertigkeit ist der Froschweiher, wo ein einzigartiger Verbund zwischen wertvollen trockenen Magerrasen mit seltenen Arten wie Heide-Nelke und Golddistel, sowie feuchten Gebieten, in welchen Igelkolben und Laubfrosch einen Lebensraum finden können. Seit Jahren arbeiten hier Naturschutz und Stadt Hilpoltstein erfolgreich zusammen. Die LBV-Kreisgruppe Roth-Schwabach betreut zusammen mit dem Landschaftspflegeverband dieses Gebiet und unterstützt die Kommune, sodass sich hier die wertvollen Artengemeinschaften erhalten konnten.

Die Wahrheit liegt am Platz", bemühte Eckstein angesichts dieser idyllischen Umgebung eine alte Fußballerweisheit. "Es ist ein wichtiges Zeichen, dass fünf Landkreisgemeinden aktiv mitmachen, dauerhaft und langfristig die Biodiversität ihrer Flächen zu steigern, außerdem biete es den beteiligten Gemeinden die Chance, sich wieder einmal ihrer Flächen bewusst zu machen". Wie zum Beispiel die des Hilpoltsteiner Froschweiher, den Röttenbachs Bürgermeister Thomas Schneider als "einen wahren Schatz" bezeichnete.

 

TOBIAS TSCHAPKA

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