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Premiere im Südlandkreis: Entlastung für Hausärzte

"Eine Schnittstelle zwischen Arzt und Patient": nicht-ärztliche Praxisassistentin und Versorgungsassistentin — Vorbild Thalmässing - 11.02.2019 15:58 Uhr

Unser Foto zeigt (v. l.) Veronika Volnhals, Bürgermeister Georg Küttinger, Gemeindeentwicklungsmanager Lars Strobel, Internistin Annegret Steinbrink-Hatzig und Günther Wittmann (Geschäftsstellenleiter Gesundheitsamt Roth). © Foto: un


Der demografische Wandel macht sich auch bei uns bemerkbar. Die Menschen werden älter, chronische Krankheiten nehmen zu, die Immobilität der Leute steigt, um nur einige Auswirkungen dieses Wandels zu nennen. Dadurch steigt auch die Zahl notwendiger und zeitaufwändiger Hausbesuche.

Veronika Volnhals aus Dollnstein, Mitarbeiterin der Allgemeinärztin Annegret Steinbrink-Hatzig, arbeitet seit 2017 in der "Praxis am Markt". Sie hat nun berufsbegleitend die Ausbildung zur "NäPa" (nicht-ärztliche Praxisassistentin) und zusätzlich noch zur "Verah" (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis) erfolgreich abgeschlossen. Ein Novum, das im südlichen Landkreis Roth nicht gab.

Bessere Versorgung

"Jetzt werde ich entlastet und wir haben eine bessere Versorgung", freut sich Annegret Steinbrink-Hatzig, die von Anfang an hinter der Zusatzausbildung ihrer Mitarbeiterin Veronika Volnhals stand und für sie sogar finanzielle Nachteile in Kauf nimmt. "Nun ist meine Mitarbeiterin höher qualifiziert und hat demnach auch Anspruch auf eine bessere Bezahlung", sagte die Ärztin, "allerdings ist die Entlastung mehr wert als Geld und auch die Zufriedenheit meiner Mitarbeiterin und von mir steigt".

Zur Vorstellung der neuen Praxis- und Versorgungsassistentin waren auch Bürgermeister Georg Küttinger, Gemeindeentwicklungsmanager Lars Strobel von der Marktgemeinde Thalmässing und Günther Wittmann, der Geschäftsstellenleiter des Gesundheitsamts Roth, erschienen.

"Am 12. Dezember hatte ich meine Prüfung als nicht-ärztliche Praxisassistentin in München", berichtete Veronika Volnhals, "damit kann ich jetzt Hausbesuche bei Patienten machen, kann zum Beispiel Verbände wechseln und nach den Leuten schauen, wie es ihnen geht." Volnhals: "Ich bin eine Schnittstelle zwischen Arzt und Patient."

Als medizinische Angestellte hat Volnhals im Dezember auch eine Ausbildung zur Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis gemacht. Sie endete mit einer mündlichen Prüfung und dem Schreiben einer Hausarbeit. "Jetzt sind wir besser vernetzt mit der Apotheke, der Diakonie, dem Sanitätshaus, den ärztlichen Kollegen und dem Bestatter", freut sich ihre Chefin Annegret Steinbrink-Hatzig. "Veronika gibt Hilfestellungen bei Fragen zur Pflegestufe, geht mir zur Hand, arbeitet mit im Praxis-Management, legt Verbände an und führt Hausbesuche durch", ergänzt sie. "Dadurch entlastet sie mich und übernimmt einen Teil der Arbeit, die ich bislang alleine machen musste."

"Die Ausbildung gliederte sich in einen schulischen und in einen praktischen Bereich", berichtete Veronika Volnhals, "die Praktika fand ich gut und sie dienten auch dazu, dass die Patienten durch mich gut informiert werden können." Des Weiteren lernte Volnhals Grundlagen der Palliativmedizin kennen. "Dadurch habe ich einen Einblick von einer anderen Seite bekommen", sagte sie.

Im Rahmen der "Verah"-Ausbildung schrieb sie eine Hausarbeit über einen Patienten, der einen besonderen Versorgungsbedarf hat. "Man hilft dem Patienten, damit der sich selbst versorgen kann", erklärte sie weiter, "man bietet ihm eine Hilfe zur Selbsthilfe an."

Der Fokus der Ausbildung lag nicht nur bei der Vermittlung von medizinischen Kenntnissen, sondern auch darin, häusliche Rahmenbedingungen in Abhängigkeit der gesundheitlichen Einschränkungen abschätzen zu lernen. Die Ausbildung geht also über medizinische Belange hinaus und unterstützt Patienten und Angehörige in vielen Bereichen und Lebenslagen. Sie hat in gewisser Weise auch einen ganzheitlichen Betreuungsansatz der Patienten. "Das Ganze ist auch nicht mehr so anonym", sagte Annegret Steinbrink-Hatzig.

"Defi" dabei

Veronika Volnhals hat nun bei ihren Einsätzen einen eigenen "Defi" dabei, an dem sie ausgebildet ist, und einen eigenen Rucksack, in dem all die Dinge aufbewahrt sind, die sie nun bei Hausbesuchen selbstständig machen darf.

"Die NäPa- und Verah-Ausbildung gibt es nur in Bayern", informierte Günther Wittmann vom Staatlichen Gesundheitsamt Roth, "NäPa geht noch einen Schritt weiter als Verah, schreibt eine schriftliche Hausarbeit vor und beinhaltet eine breit gefächerte Ausbildung." 44 Prozent der Hausarztbesuche könnten somit von nicht-ärztlichem Personal durchgeführt werden, beispielsweise bei Wundversorgung oder im Bereich der Diabetes.

"Wünschenswert wäre es, wenn jeder Arzt jemand mit einer NäPa- und Verah-Ausbildung hätte", sagte Günther Wittmann, "letztes Jahr gab es 23 Arztmitarbeiterinnen im Landkreis, die über eine solche Zusatzausbildung verfügen." Bei insgesamt 124 Ärzten im Landkreis sei dies noch eine verschwindend kleine Zahl. Thalmässing sei die erste Arztpraxis im südlichen Landkreis, in der es so etwas gebe. Es gebe aber auch Ärzte, die über zwei Mitarbeiter mit dieser Zusatzausbildung verfügen.

Bürgermeister Georg Küttinger freute sich, dass es in Thalmässing nun dieses erweiterte Angebot der medizinischen Versorgung gibt. "Die enge Versorgung bewirkt, dass die Leute durch die Hausbesuche in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können", betonte er, "das ist ein großer Vorteil für die Menschen." Das sei auch wichtig, da es im Kernort Thalmässing gerade mal drei Ärzte gebe.

Große Nachfrage

"Die Nachfrage nach Hausbesuchen ist hoch", berichtete Annegret Steinbrink-Hatzig, "wir machen Hausbesuche bis nach Greding". Es gebe eine Ungleichheit zwischen dem Land und den Städten. "Zu uns auf das Land mögen viele Ärzte nicht gern hin", sagte sie, "allerdings muss bei uns niemand weit fahren, wenn er zum Arzt will." Für viele Kollegen stehe der finanzielle Aspekt und die hohe Zeitbelastung des Landarztes im Vordergrund, "aber die Versorgung mit Ärzten auf dem Land ist einfach wichtig". Und: "Bei uns gibt es keine Online-Terminvergabe, wir reden noch miteinander." Die Patienten seien dankbar, wenn der Arzt kommt. "Das Netzwerk funktioniert."

So habe man ein Betreuungsnetzwerk aufgebaut, in das man viel Arbeit investiert habe. "Die NäPa- beziehungsweise Verah-Ausbildung ist ein zukunftsträchtiges Modell zur Unterstützung von Hausärzten", ist sich Annegret Steinbrink-Hatzig sicher.

ROBERT UNTERBURGER

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