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Nürnberger Challenge-Debütant: "Wie bei Tour de France"

Die Leidenschaft der Fans hat Marko Pistorius beeindruckt - 08.07.2019 16:55 Uhr

Irgendwie im Ziel ankommen - obwohl der Körper rebelliert. Marko Pistorius hat es geschafft. © privat


Fast wäre er gescheitert. Fast hätte Marko Pistorius das Schicksal ereilt, vor dem sich jeder Triathlet fürchtet: aufgeben zu müssen. Auf der Radstrecke, irgendwo zwischen Habenbuch und Weinsfeld bahnt sich die Katastrophe an. Ein leichtes Ziehen in den Waden, das mit jeder Pedalumdrehung intensiver wird. Etwa 40 Kilometer vor der zweiten Wechselzone kämpft Pistorius dann mit ausgewachsenen Wadenkrämpfen. Ein Albtraum. Neun Monate Training – nur um jetzt vom eigenen Körper zum Aufgeben gezwungen zu werden?

"Ich hatte echt Angst, dass ich aus der Wechselzone nicht mehr raus komme", berichtet der 30-Jährige. Der Übergang vom Radfahren auf die Laufstrecke ist ohnehin ein heikler Moment. Die Muskulatur muss sich nach Stunden auf dem Rennrad erst mühsam an den neuen Bewegungsablauf gewöhnen. Auf den letzten Kilometern lässt Pistorius seine Rennmaschine rollen, vermeidet es, stark in die Pedale zu treten.

Losglück brachte den Startplatz

Im Februar hat die Reise des Nürnbergers in Richtung Challenge Roth 2019 begonnen. Bekannte überredeten ihn, sich bei seinem Arbeitgeber, Challenge-Sponsor Datev, um einen Platz bei dem Großereignis zu bewerben. Das Unternehmen verlost jedes Jahr im Juni fünf Startplätze an seine Mitarbeiter. Pistorius war unter den Gewinnern – auch wenn er sich zunächst gar nicht so fühlt: "Ich habe mich gefragt, ob ich mich jetzt freuen soll oder mein Testament machen muss." Doch ein Rückzieher kommt nicht infrage.

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Er kauft sich ein Zeitfahrrad und beginnt mit dem Training. Zunächst noch etwas unstrukturiert, ab Oktober dann aber planvoll und konsequent. Seine Eltern unterstützen ihn dabei, mehrfach haben sie selbst eine Triathlon-Langdistanz erfolgreich absolviert. Tipps holt sich Pistorius außerdem von einer Ultramarathonläuferin. Ganz neu ist der Challenge für den Betriebswirt nicht. Schon dreimal hat er als Schwimmer eines Staffelteams teilgenommen. "Ich war als Jugendlicher Leistungsschwimmer. Das hat mir sicherlich auch in der Vorbereitung etwas geholfen."

"Jeder Berg hat sich leichter angefühlt" 

Fast jeden Tag hat er in den vergangenen Monaten trainiert. Zehn bis 15 Stunden pro Woche. Addiert sollten die Trainingseinheiten einer Woche jeweils in etwa einer Langdistanz entsprechen. Das haben ihm erfahrene Athleten geraten. Im Morgengrauen des 7. Juli wirft sich Pistorius schließlich ins Wasser des Main-Donau-Kanals – mit einer Mischung aus Nervosität und Vorfreude.  Der Start in die bislang größte sportliche Herausforderung seine Lebens.  Geholfen haben Pistorius die tausenden Fans am Rand der Strecke. "Das ist einfach richtig bombastisch. Selbst auf den Kanalbrücken stehen die Menschen und peitschen einen an."

Der Ritt mit dem Rad auf den Solarer Berg ist ein unvergleichliches Erlebnis: "Ich hatte Gänsehaut. Es fühlt sich an wie bei der Tour De France, wenn die jubelnden Fans eine Gasse für die Fahrer frei machen." Ohne die Unterstützung des Publikums wäre es deutlich schwerer, die Herausforderung Triathlon zu bestehen, davon ist Pistorius überzeugt. "Jeder Berg hat sich im Wettkampf leichter angefühlt als im Training."
Nach zehn Stunden und 17 Minuten überquert der drahtige Athlet die Ziellinie im Rother Stadion.

Nicht nur sportlich ein Erfolg

Noch einen Tag später ist er von der außergewöhnlichen Atmosphäre regelrecht euphorisiert. "Die letzten Kilometer waren ein einziger Kampf. Aber dann dort einzulaufen, mit dem Gefühl , es geschafft zu haben, das ist einfach geil. Vor allem, wenn man dann noch Freunde, Bekannte und Eltern auf der Tribüne sieht", schwärmt er. Als er am Montag neben dem Festzelt sitzt, in dem die erfolgreichsten Sportler geehrt werden, sieht er erstaunlich erholt aus. Ja, der Gang ist unrund und auch die Ringe unter den Augen erzählen etwas von den enormen Anstregungen, die hinter dem Triathlon-Debütanten liegen. Aber Pistorius‘ Gesicht strahlt tiefe Zufriedenheit aus.

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Bereits um sechs Uhr am Montagmorgen war er wieder in Roth. Sich anmelden für den Challenge im nächsten Jahr.  Das Problem mit den Wadenkrämpfen am Ende der Radstrecke haben übrigens Salztabletten gelöst. Die hatte Pistorius in einem Beutel in der Wechselzone deponiert. Im Grenzbereich der menschlichen Leistungsfähigkeit entscheiden Kleinigkeiten über Erfolg und Misserfolg. Die Herausforderung Triathlon hat auch privat zum Erfolg geführt. Eine Kollegin, die ihren Startplatz ebenfalls in der Datev-Verlosung gewonnen hatte, ist inzwischen Pistorius‘ Freundin. Von Scheitern also keine Spur. 

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