Donnerstag, 27.02.2020

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Nicht mehr lange, dann ist Eckstein dienstältester Landrat

Einst kam der Wendelsteiner durch ein politisches Erdbeben ins Amt - 25.01.2020 17:19 Uhr

Herbert Eckstein versucht gerade Jungredakteur Detlef Gsänger zu erklären, wie es anfangs der 1990er Jahre zu einem politischen Erdbeben im Landkreis Roth kommen konnte. Ecksteins Wegbegleiter Wolfgang Kelsch (li.) und Fritz Knoll (re.) genießen mit dem damals 37-jährigen Wahlsieger den Augenblick des Triumphs in der Rother Stadthalle. © Archivfoto: Hans Pühn


Die bayerischen Sozialdemokraten kriseln nun schon eine gefühlte Ewigkeit vor sich hin. Nimmt man die Wahlergebnisse der vergangenen Jahre als Maßstab, trifft der Begriff "Volkspartei" kaum noch zu. Lichtblicke gibt es, wenn überhaupt, nur auf der kommunalen Ebene. Hier halten noch eine Reihe von prägnanten Persönlichkeiten die Fahne der Sozialdemokratie hoch.

Beispielsweise Heinrich Trapp in Dingolfing oder Herbert Eckstein in Roth. Trapp ist dienstältester Landrat in Bayern, Eckstein wird in einigen Wochen sein Nachfolger. Und zwar ganz unabhängig vom Ausgang der Kommunalwahl am 15. März dieses Jahres. Denn auch in Bayern ist die Zeit für Landräte befristet. Journalisten sind mit dem Begriff vom "ewigen Landrat" zwar schnell bei der Hand, doch das bayerische Wahlrecht für Landräte begrenzt die Ewigkeit durch eine Altersbeschränkung.

Erst in den Landtag

Heinrich Trapp hat seit 1991 die politischen Geschäfte im Landkreis Dingolfing-Landau gelenkt. Fünf Mal stellte er sich zur Wahl. Eine sechste Kandidatur verhindert sein Alter. Der studierte Erziehungswissenschaftler feiert im Mai seinen 69. Geburtstag.

Herbert Eckstein zählt fünf Lenze weniger als Trapp und ist darüber hinaus noch für drei Jahre als Amtschef im Landkreis Roth gewählt. Zumindest in diesen drei Jahren, seinem 28., 29. und 30. Dienstjahr, hat er dann als dienstältester Landrat eine Ausnahmestellung in Bayern. Aber auch Herbert Eckstein betrifft eine Altersbeschränkung, die besagt, dass ein bayerischer Landrat bei seinem Dienstantritt nach einer Wahl nicht schon 67 Jahre alt sein darf. Was im Jahr 2023 bei der nächsten regulären Landratswahl im Landkreis Roth auf Herbert Eckstein zutreffen würde. Den Überlegungen so mancher Parteistrategen, die Wahl vorzuziehen, geht der amtierende Landrat, wenn überhaupt, nur in seinem stillen Kämmerlein nach.

Abgesehen einmal vom unterschiedlichen Alter, verbinden Heinrich Trapp und Herbert Eckstein mehrere Gemeinsamkeiten. Beide traten anfangs der 1970er Jahre der SPD bei, bewährten sich zunächst als Gemeinde- und Kreisrat, um dann die Chance in den bayerischen Landtag einzuziehen beim Schopf zu packen. Als in beiden Landkreisen die amtierenden Landräte während ihrer Amtszeit verstarben, erfolgte der politische Wechsel aus München zurück in den jeweiligen Heimat-Landkreis.


Sport und Hopfen: Was man über den Landkreis Roth wissen muss.


Trapp hatte am 16. Juni 1991 für ein politisches Erdbeben gesorgt: Im tiefschwarzen Niederbayern und dann auch noch im Heimatlandkreis des damaligen CSU-Generalsekretärs Erwin Huber wurde erstmals ein "Roter" zum Landrat gewählt. Mit 56,6 Prozent ließ Heinrich Trapp bereits im ersten Wahlgang drei Konkurrenten hinter sich. Die Wahl war notwendig geworden, weil der Vorgänger Fritz Ettengruber (CSU) unerwartet verstorben war.

Im Landkreis Roth ereignete sich das besagte politische Erdbeben am 31. Oktober 1993. Nach dem überraschenden Tod des geachteten Landrats Helmut Hutzelmann (CSU) mussten die Bürger im Landkreis Roth bereits drei Jahre vor den bayernweiten Kommunalwahlen zu den Wahlurnen gerufen werden. Der damals 37-jährige Herbert Eckstein aus Wendelstein war in der Stichwahl der Überraschungsmann des Abends: Mit 51,4 Prozent der Stimmen hatte sich der Außenseiter hauchdünn gegen Hugo Mailinger von der CSU durchgesetzt und damit das Ergebnis des ersten Wahldurchgangs auf den Kopf gestellt. Der favorisierte Mailinger aus Thalmässing, der später bei einem Autounfall ums Leben kam, lag beim ersten Anlauf zwar drei Prozentpunkte vor Eckstein, hatte aber mit 38 Prozent die absolute Mehrheit der Stimmen deutlich verfehlt.

Auch eine Bühne, auf der sich der bodenständige Herbert Eckstein wohl fühlt. Als Fußball-Schiedsrichter, hier mit seinen Assistenten bei der Begrüßung zwischen Dietmar Merkel (li.) und dem Kapitän einer Prominentenmannschaft, Ludwig „Luggi“ Müller, der einmal mit dem Club und zweimal mit Borussia Mönchengladbach deutscher Fußball-Meister wurde. © Archivfoto: Hans Pühn


Der Achtungserfolg von Ecksteins Jugendfreund Walter Schnell von den Freien Wählern, der 21 Prozent der Stimmen einheimste, hatte eine Entscheidung im ersten Wahlgang verhindert. Die Hoffnungen der CSU, die konservativ geprägten Freien Wähler würden zwei Wochen später mehrheitlich zur CSU überlaufen, erfüllten sich nicht. Im Finish entschied der SPD-Mann Eckstein ein knappes Duell für sich. Das Zünglein an der Waage spielte dabei Ecksteins Heimatgemeinde Wendelstein, deren Wahlergebnis, so erzählte es uns eine Insiderin, von Wolfgang Kelsch bis zum Schluss zurückgehalten wurde, um die Spannung in der überfüllten Rother Stadthalle auf den Siedepunkt zu treiben. Der Knalleffekt, den diese Taktik auslöste, ist den Augenzeugen sicherlich noch gut in Erinnerung.

Heinrich Trapp und Herbert Eckstein saßen fortan fest im Sattel. Im Landkreis Roth scheiterten nacheinander die Christsozialen Otto Körner (Meckenhausen), Stefan Kuchenmeister (Wendelstein) und Robert Frank (Rednitzhembach) am Amtsinhaber Eckstein, der dabei Ergebnisse jenseits der 70 Prozent-Marke einfuhr. Bei der jüngsten Landratswahl verzichteten die Christsozialen dann sogar auf einen eigenen Kandidaten. Herbert Eckstein heimste bei seinem Soloauftritt mit 95 Prozent einen einmaligen Vertrauensbeweis ein.

Heinrich Trapp wiederum war bei seiner viermaligen Wiederwahl im Landkreis Dingolfing-Landau gleich zweimal ohne Gegenkandidaten geblieben. Die Nähe zum Bürger ist Teil des politischen Erfolgs des derzeit noch dienstältesten Landrats von Bayerns. "Wer Trapps Erfolg verstehen will, muss ihn nur auf der Straße sehen", umschrieb die Süddeutsche Zeitung den Champion von Dingolfing-Landau: "Kaum jemand, den er nicht kennt, mit den meisten ist er per Du."

Der Fußball war sein Ding

Der Landkreis Roth weist zwar einige Einwohner mehr auf, doch das Verhältnis zwischen Landrat und Bürger ist kein bisschen anders als in Dingolfing-Landau. Egal ob eine Versammlung der örtlichen Feuerwehr oder ein Jubiläum des kleinen Sportvereins: Herbert Eckstein macht es nach wie vor Spaß, sich unter die Gästeschar zu mischen. Die kleinen, alltäglichen Begegnungen würden ihm mindestens genauso viel geben wie die großen Termine, sagt er. Den Zieleinlauf des Siegers beim weltberühmten Challenge-Triathlon im Landkreis Roth hat er noch nie miterlebt, weil er vom frühen Morgen bis in die Nacht hinein auf den Wettkampfstrecken den vielen Helfern seine Aufmerksamkeit schenkt. Kein Wunder, dass bei so viel Empathie für die kleinen Dinge des Lebens die Landkreisbürger auf die Frage, was sie am meisten mit dem Landkreis Roth in Verbindung bringen, zu allererst Ecksteins Namen nannten.

Zu Trapps Popularität hat beigetragen, dass er als junger Mann zum ewigen Champion in der Spielshow "Der große Preis" avancierte. Die TV-Sendung hatte eine Bedeutung wie heute alle Castingshows zusammen und weit mehr als 20 Millionen Zuschauer sahen regelmäßig zu. Schon damals weigerte sich Trapp hartnäckig, von der Bildfläche zu verschwinden. Sechsmal schaffte er es in das Wissensquiz – öfter als jeder vor und nach ihm.

Herbert Eckstein liebte es in jungen Jahren einige Nummern kleiner. Kreisjugendring, Sportjugend und der Fußball waren sein Ding. Als Fußball-Schiedsrichter brachte er es zu einiger Popularität. Selbst als Landrat leitete er noch Spiele in der vierthöchsten Spielklasse. Als einst in Schwabach zu einem Landesligaspiel kein Schiedsrichter erschien, holten die Nadelstädter aus Wendelstein Herbert Eckstein von der Gartenarbeit weg zum Sportplatz. Um hinterher dem Aushilfs-Referee gram zu sein: In letzter Minute nämlich hatte Eckstein einen Elfmeter gegen die Hausherren gepfiffen, den die Gäste prompt zum 1:0-Sieg verwandelten. "Ein hundertprozentiger Strafstoß", war sich Eckstein damals sicher. Die Schwabacher protestierten dennoch leidenschaftlich.

Herbert Eckstein gut gelaunt vor seinem Dienstsitz: Hausherr im Rother Landratsamt ist er nun schon seit 1993. © Archivfoto: Detlef Gsänger


Wie dereinst im Sport lässt sich Eckstein auch in der Politik weder situationsbedingt noch um des lieben Friedens willen von seiner Sicht der Dinge abbringen. Der langjährige Vizepräsident des bayerischen Landkreistags, Initiator und Sprecher der Original-Regional-Kampagne in der Metropol-Region Nürnberg, der Sparkassen-Verbandsrat und der Verwaltungsratsvorsitzender der Kreisklinik sowie der heimischen Sparkasse, ist alles andere als ein Wendehals. Er steht zu seinen Aussagen wie der Fels in der Brandung.

Auf den Zusatz "dienstältester Landrat Bayerns" ist Herbert Eckstein nicht unbedingt stolz. Vielmehr überwiegt die Dankbarkeit für die nach wie vor vorhandene Kraft, die Leidenschaft für das Amt eines Landrats uneingeschränkt ausleben zu können. Sehr dankbar ist Herbert Eckstein auch seiner Frau Elke, die ihn auf seinem langen politischen Weg von Anfang an unterstützte. Mit den regelmäßigen 90-stündigen Arbeitswochen ihres Mannes hat sich Elke Lades-Eckstein längst arrangiert.

Trapp und Eckstein übrigens sind in große Fußstapfen getreten. Ihr bayerischer Vorgänger als dienstältester Landrat, Hans-Jörg Christmann, war 37 Jahre lang im Amt. Was nur möglich war, weil der CSUler im Landkreis Dachau als 29-Jähriger zum jüngsten Landrat Bayerns gewählt wurde. "Ich stand 37 Jahre lang unter Strom", bekannte er bei seinem Abschied. Trapp und Eckstein können in dieser Beziehung mitreden. Auch sie beide haben das Talent, den Spannungsbogen über lange, lange Zeit hinweg hochzuhalten.

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