Sonntag, 22.09.2019

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In Karibik verschollen: Künstlerin aus Roth sucht ihren Partner

Rocco Acocella wollte in die kolumbianische Hafenstadt Barranquilla reisen - 19.08.2019 05:46 Uhr

Am 3. Juli hatte Rocco Acocella von seinem Trimaran ein Notsignal gesendet. Seitdem fehlt von dem 32-jährigen jede Spur. © privat


Annabel Adler gibt nicht auf. Ihr Lebensgefährte Rocco Acocella wollte mit einem Trimaran von der Karibikinsel St. Martin nach Kolumbien segeln. Seit dem 22. Juni fehlt von dem 32-Jährigen jede Spur. Trotzdem glaubt seine Freundin, dass er lebt. Annabel Adler, 30 Jahre alt, freie Künstlerin, ist in Roth aufgewachsen und lebte lange in Bamberg. Im Sommer 2017 lernte sie in Italien den Performance-Künstler und Musiker Rocco kennen. "Er ist ein herzlicher und hilfsbereiter Mensch", beschreibt sie ihren Freund. "Er liebt das Leben – und er liebt es, andere Menschen glücklich zu machen."

Außerdem liebt Rocco die Freiheit und das Reisen. Seit seiner Kindheit segelt er, spricht fünf Sprachen, hat in Südostasien, Australien und Neuseeland gelebt, sein Geld als Straßenkünstler, Segel-, Surf-, Kajak-, Kletter-, Tauch- und Surflehrer verdient.

Notsignal gesendet

Als Rocco Annabel nach Bamberg begleitete, erlebte er erstmals einen harten fränkischen Winter. Auch künstlerisch fanden die beiden zusammen, veranstalteten Feuershows und Actionpaintings. 2018 zog Annabel zu Rocco an die Amalfiküste bei Salerno und sprach nach wenigen Monaten Italienisch.

Die Künstlerin bietet bei einer Ausstellung im Café Backstübla in Bamberg ihre Gemälde zum Verkauf an. Der Erlös dient der Suche nach ihrem Lebensgefährten. © Philipp Demling


Lange sparte das Paar für einen Traum: einen eigenen Trimaran. Anfang 2019 kauften sie in Spanien ein solches Segelboot, das als unsinkbar gilt. Mit ihm überquerten die beiden den Atlantik, von Portugal über Gran Canaria nach St. Martin. "Sechs Wochen waren wir unterwegs", erzählt Annabel Adler. An Roccos Seite fühlte sie sich sicher. Akribisch hatte er die Reise geplant, das Boot gewartet, kalkuliert, wieviel Verpflegung sie an Bord brauchten. Am 17. Juni startete Rocco mit dem Trimaran noch einmal alleine in St. Martin. Das Ziel: die kolumbianische Hafenstadt Barranquilla. Von dort wollte der 32-Jährige nach Ecuador weiterreisen. Eine Woche hatte er für die Segelfahrt eingeplant. Als Annabel einige Tage nichts mehr von Rocco gehört hatte, rief sie beim Hafen in Barranquilla an – ihr Freund war nicht angekommen.

Am 3. Juli erfuhr sie, dass der Lebensgefährte schon am 22. Juni ein Notsignal gesendet hatte, das sie hätte empfangen müssen. Doch offenbar war das Notfallinstrument nicht richtig auf das Paar registriert. Roccos Eltern ließen mit Booten, Hubschraubern und Satelliten nach ihm suchen. Die Küstenwachen Kolumbiens, Panamas, Costa Ricas und Nicaraguas, die italienischen Botschaften und die kolumbianische Marine sind eingeschaltet. Eine heiße Spur gibt es nicht. Ist Rocco in einem Sturm verunglückt? Piraten zum Opfer gefallen? Oder ist er auf einer der 400 überwiegend unbewohnten Inseln der Region gestrandet? Rätselhaft ist auch, dass nirgendwo zumindest Teile des Bootes angeschwemmt wurden.

Spenden für die Suche

In Ecuador wollte Rocco als Abenteuer-Guide Jugendlichen beibringen, alleine in der Wildnis zu überleben. "Genau das macht mir Hoffnung", sagt Annabel Adler. "Er ist jemand, der in jeder Situation überleben kann." Er wäge Risiken genau ab und habe stets mehrere Notfallpläne in der Tasche. Die Künstlerin hält die Ungewissheit nicht aus. Deshalb sammelt sie Spenden, um in die Karibik zu reisen und Rocco selbst zu suchen. Sie braucht eine spanischsprachige Kontaktperson, die sich mit Schifffahrt und in den Küstenregionen der Karibik auskennt. Mindestens 10.000 Euro wird sie benötigen, schätzt die 30-Jährige. Wenn er nicht lebend gefunden werden könne, sagt Annabel Adler, wolle sie wenigstens von Rocco Abschied nehmen können.

Spendenkonto: IBAN IT61 J030 5801 6041 0057 1890 750. Auf der Facebookseite www.facebook.com/roccoacocellamissing informiert Roccos Familie über den aktuellen Stand der Suche und bittet, die Posts so oft zu möglich zu teilen. Außerdem bietet die Künstlerin bei einer Ausstellung im Café Backstübla, Obere Sandstraße 31 in Bamberg, ihre Gemälde zum Verkauf an. Der Erlös dient der Suche nach Rocco. 

Philipp Demling

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