Freitag, 15.11.2019

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In der Rother Kaserne erwachsen geworden

Zwei Protagonistinnen der Webserie "Die Rekrutinnen" vor der Kamera. - 16.10.2019 06:06 Uhr

Lea aus Thüringen und Michelle aus Nürnberg sind diese Woche erneut in der Otto-Lilienthal-Kaserne – und kreisen in Segelflugzeugen über Roth. © Foto: Lidia Piechulek


Sie beide wurden sich erst im Kontakt mit den Menschen aus ihrer Heimat bewusst, wie sehr die Grundausbildung sie verändert hat. Zum einen sorgte der "Soldatenjargon" für einige Lacher im Freundeskreis.

Zum anderen sind sie nun aber auch viel reflektierter. Beispielsweise beim Schauen von Filmen mit kritischem Hintergrund. "Wenn die Freunde da lachen, dann denke ich mir heute: Denk doch mal ein paar Schritte weiter", so die 18-jährige Lea. Sie hat aus ihrem Umfeld gehört, dass sie "gesetzter und ernster" geworden ist. "Die Bundeswehr macht alt", sagt die 19-jährige Michelle aus dem Nürnberger Süden knapp, halb im Scherz und halb ernst. Für die Begriffe ihrer Mutter sei sie "zu schnell erwachsen geworden".

Frauen in der Hauptrolle

Die beiden Offiziersanwärterinnen wurden im Sommer rund um die Uhr von Kameras begleitet, vom Bezug des Quartiers bis zum feierlichen Gelöbnis. Vom 1. Juli bis zum 26. September liefen die Dreharbeiten zur Webserie "Die Rekrutinnen", von insgesamt 63 Episoden sind bisher elf auf dem Youtube-Kanal "Bundeswehr Exclusive" erschienen.

An das Rampenlicht haben sie sich sehr schnell gewöhnt – man habe schließlich keine Wahl, das Kamerateam ist eben dabei, erklärt Michelle und lacht. "Mir wurde am ersten Tag um 5 Uhr morgens ein Smartphone in die Hand gedrückt, dann hieß es: Mach mal", und man erzählt aus seiner Gefühlswelt. Die neue Webserie soll gezielt junge Frauen ansprechen und über Karrieremöglichkeiten bei der Bundeswehr informieren. Im Jahr 2016 gab es bereits das Format "Die Rekruten", nun spielen Frauen die Hauptrolle.

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Sich in der Rother Kaserne "heimisch" zu fühlen, fiel beiden Offiziersanwärterinnen schwer. Denn die Vorschriften dort sind streng: Keine Poster, eigene Bettwäsche oder persönliche Gegenstände. "Es ist eben nicht vorgesehen, dass man hier wohnt – sondern dass man hier schlafen kann", erklärt Lea. Dass das in der Offiziersschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck, wo beide in den nächsten sieben Monaten sind, anders ist, finden sie gut: Private Fotos und Pflanzen sind von jetzt an okay. Die "sterile" Zeit in Roth ist also vorbei, für den ersten Teil ihrer Segelflugausbildung sind sie nun ein letztes Mal zurückgekehrt. Eine Woche verbringen sie in der Otto-Lilienthal-Kaserne.

Ins Getümmel gestürzt

Von der Stadt Roth haben die Protagonistinnen mangels eigenem Auto nicht viel mitgenommen. Am ersten Wochenende der Grundausbildung "hat natürlich Roth getobt", erinnert sich Michelle. Da haben sie sich am Challenge Roth "ins Getümmel gestürzt". Ihr persönlich hat Schloss Ratibor besonders gut gefallen.

Innerhalb der zwölf Wochen sind sie selbstständiger geworden und haben gelernt, mit der Dauerbelastung Kamera-Grundausbildung gut umzugehen. Vor allem Humor hat ihnen dabei über einige schlimme Tage hinweg geholfen. "Man kommt ansonsten auch einfach nicht durch die Grundausbildung", findet Michelle. Eine gesunde Portion Sturheit, ja Verbissenheit, gehöre auch dazu: "Ich hatte an den Wochenenden auch schon Momente, da habe ich gedacht: Ich will eigentlich gar nicht mehr." Augen zu und Durchbeißen war dann der einzige Ausweg.

Mittlerweile haben beide Rekrutinnen ihr Gelöbnis vor der Verteidigungsministerin und Kanzlerin abgelegt und wagen sich bereits an neue Herausforderungen. Am Montag haben sie zum ersten Mal einen Segelflieger von nahem gesehen, am Dienstagmorgen saßen sie dann schon am Steuer. "Da oben wurde mir dann schon anders", gesteht Michelle lachend. Mit Druck und neuen Herausforderungen umzugehen, hat sie allerdings schon gelernt.

LIDIA PIECHULEK E-Mail

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