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Ein halbes Jahrzehnt geht es stetig nach oben

Stadtbrauerei Spalt feiert 140jähriges Bestehen — Im Vorfeld des Jubeljahres über eine halbe Million Euro investiert - 23.01.2019 15:20 Uhr

Präsentieren stolz den neuen Bottle-Inspector: Braumeister Uwe Schulz, sein Stellvertreter Günter Meyer, Bürgermeister Udo Weingart, der sich die Feinheiten vom Füllerei-Chef Klaus Straußberger erklären lässt, dem wiederum Azubi Stefan Reichert zur Seite steht (von links). © Foto: Leykamm


Das Gerät nennt sich neudeutsch "Bottle-Inspector" und hat schärfere Augen, als sie der beste menschliche Inspektor je haben könnte. Und ungleich schneller als er ist die Maschine ebenso. Es sind 15 000 gereinigte Flaschen, die hier pro Stunde über ein Rollband jagen. In der Kammer angekommen, wird geblitzt, was das Zeug hält: 1000 Bilder in der Minute.

Mündung, Boden, Seitenwand – alles wird aufgezeichnet und auch gleich bewertet. Nicht mehr verwertbare Flaschen kommen sofort in den Ausschuss, verschmutzte treten den erneuten Reinigungsgang an. Der High-Tech-Prüfer "erkennt die kleinsten Beschädigungen", erklären Braumeister Uwe Schulz und Bürgermeister Udo Weingart als Geschäftsführer des Unternehmens. Fremdkörper, Absplitterungen, Unebenheiten, Schmutz – nichts entgehe den Sensoren, behaupten die beiden.

Selbst eine Farbkontrolle gibt es. Denn "wir bekommen nicht nur eigene Flaschen als Leergut zurück", so Schulz. Das neue Gerät löst seinen 20 Jahre alten Vorgänger ab. Hier auf dem neuesten Stand zu, "ist extrem wichtig", erklärt Weingart. Die Maschine sei für die Brauerei so etwas wie "eine Lebensversicherung." Denn wenn diese Endkontrolle passiert ist, wird die Flasche neu befüllt.

Es brauchte natürlich etwas Zeit, den neuen "Bottle-Inspector" zu installieren. Zwei Wochen lang hieß es demgemäß vorzuproduzieren, um den erzwungenen Bänderstillstand zu egalisieren. "Das war schon eine Herausforderung", räumt Schulz ein.

Treten einmal Störungen auf, lässt sich das Teil auch online wieder intakt setzen. Es kommt aber ausschließlich zu diesem Zweck ans Netz, sonst nicht. Cyber-Angreifer haben also keine Chance.

300 000 Euro schlugen für diese Neuanschaffung zu Buche, die Investitionen in den neuen Leerguthof verschlangen die gleiche Summe. Dazu galt es ein altes Gebäude abzureißen, ein Lagerkeller konnte dank des neuen Platzangebotes ausgeräumt werden. Ihm will man nun eine andere Nutzung angedeihen lassen. Die hohe Investitionssumme kann aber gut verschmerzt werden, war doch "2018 ein ausgezeichnetes Jahr für unserer Brauerei", betont Weingart, der sich auch gerne aus dem Fenster lehnt: "Wir sind im Bierbereich die Nummer eins im Landkreis".

Die Nachfrage in allen Produktions- und Absatzbereichen sei letztes Jahr gestiegen, dem alkoholfreien Bier in der 0,33-Literflasche war sogar ein Absatzzuwachs von 50 Prozent beschert. 2018 wurden über 70 000 Hektoliter Gerstensaft gebraut. "Wir haben seit fünf Jahren einen Aufwärtstrend", ist Gerhard Stengel, Verkaufschef für den Handel, zufrieden. Die Steigerung sei dabei deutlich besser als der Durchschnitt bayerischer Brauereien. Bis nach Würzburg, Neumarkt, Ingolstadt und Dinkelsbühl reicht derzeit das Einzugsgebiet.

Im Zuge des Booms wurden auch je zwei neue Mitarbeiter und Azubis eingestellt. Zwei Biersorten haben im Jubiläumsjahr schon ein neues Design verpasst bekommen, eine ganz neue soll sich bald dazu gesellen. Präsentiert wird sie am Freitag, 5. April auf der MS Brombachsee bei der Veranstaltung namens "Smoke on the water". Wer wissen will, was das Jubiläumsjahr sonst noch so parat hat, kann sich im Internet schlau machen. Die Website der Brauerei wurde ebenso runderneuert: Interaktiv, voll emotionaler Bilderkraft, mit Download-Funktionen und Bier-Rezepten.

JÜRGEN LEYKAMM

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