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E-Busnetz für Hilpoltstein unrealistisch

In Stadtratssitzung Elektromobilitätsstudie für Burgstadt vorgestellt. Kein Bedarf für einen E-Bike-Verleih. Individualverkehr nach wie vor dominant. - 21.06.2020 14:57 Uhr

Im oberbayerischen Bad Birnbach verkehrt ein – führerloser – E-Bus. Von so einem Modell ist die Stadt Hilpoltstein meilenweit entfernt.

© Foto: NN-Archiv/Deutsche Bahn AG


Dabei fiel gleich einmal ein städtisches Leihsystem für E-Bikes gnadenlos durch, schlichtweg weil die Hilpoltsteiner kleinen Bedarf dafür sehen; weil die meisten selbst ein Fahrrad haben. Ergo fokussierte sich die Studie auf eine E-Buslinie in der Stadt. Diese Ringlinie könnte im 30- oder 60-minütigen Takt vom Rathaus, Festplatz, Heidecker Straße, Adenauerstraße, Daimlerstraße, Altstadtring, Bahnhof, Albrecht-Dürer-Straße, Rother Straße, Am Falkenhorst, Neuburger Straße zurück zum Rathaus führen, erklärte Kagerbauer. Dabei sei der Festplatz als Knotenpunkt gedacht. Allerdings ließen die Kosten hierfür den einen oder anderen Stadtrat tief durchatmen. Zu Investitionen in Höhe von zwischen 690 000 und 860 000 Euro kämen noch Betriebskosten in Höhe von 260 000 Euro – der überragende Teil davon wären Aufwendungen fürs Personal.

Bei der Diskussion über eine E-Buslinie bewies vor allem Felix Erbe von den Grünen Realitätssinn. Die Stadt, so meinte er, würde über Jahre hinaus kein E-Busnetz haben. Für Ulla Dietzel (CSU) war die Diskrepanz zwischen Kosten und Nutzen deutlich zu groß. Zudem wäre es mit Blick auf das 365-Euro-Ticket der VGN kontraproduktiv, sich auf ein eigenes E-Busnetz festzulegen.

Und wiederum war es Felix Erbe, der zu Recht bemerkte, dass die Stadt Nürnberg zwar einen Beschluss gefasst habe, aber noch auf der Suche nach Kooperationspartnern sei, die sich an der Finanzierung beteiligen. Er glaube nicht, dass die Bürger der Stadt Hilpoltstein oder der Landkreis Roth in den Genuss solcher Tickets kämen.

Dennoch, so Erbe, sei die Studie nicht für den Reißwolf gemacht. Immerhin habe man jetzt Daten, welche Verkehrsmittel in Hilpoltstein präferiert werden. Wie nicht anders zu erwarten, dominiert in dieser Hinsicht der Individualverkehr. Zirka 50 Prozent der Befragten würden den eigenen Pkw bevorzugen. Dennoch meinten 30 Prozent, dass sie sich eine ein- bis dreitägige Nutzung des E-Busses vorstellen könnten; 13 Prozent sogar tägliche Fahrten.

Was den Fahrpreis anbelangt, erklärte Kagerbauer, dass man für die Einzelkarte einen Euro verlangen könnte, für eine Zehnerkarte acht und für eine Monatskarte 20 Euro.

Edeltraud Stadler (CSU) kritisierte, dass in diesem Konzept die Ortsteile nicht berücksichtigt worden seien. Kagerbauer erwiderte, dass bei einer Erweiterung des Liniennetzes auf die Ortsteile natürlich deutlich mehr Kosten auf die Stadt zukommen würden. Denn zum Betrieb einer vernünftig getakteten Überlandlinie bräuchte man mehr Busse.

Zur Erinnerung. Einer konventionell betriebenen Ortsteillinie namens "Hippolino" war vor über 20 Jahren kein Erfolg beschieden. Die Kleinbuslinie wurde schnell wieder eingestellt.

Gegenüber unserer Zeitung erklärte Bürgermeister Markus Mahl, dass ein "E-Busnetz für Hilpoltstein nicht realistisch ist." Vielleicht, so eine Hoffnung, könne man einige Elemente aus diesem Konzept verwenden. Sollte sich in dieser Hinsicht etwas ergeben, "müsste man, um den Öffentlichen Personennahverkehr zu stärken, auf jeden Fall den VGN einbinden". Und 2. Bürgermeisterin Ulla Dietzel wies während der Diskussion noch darauf hin, dass man auf gar keinen Fall ein Konkurrenzangebot zum ÖPNV schaffen dürfe, sondern dass es sich bei einem wie auch immer gearteten System um ein Ergänzung handeln müsste.

HARRY RÖDEL

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