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Sonntag, 20.09.2020

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Denkmalschutz-Tour: Landtagsabgeordnete besucht Gilardi-Anwesen

Das Beste kommt zum Schluss - 11.08.2020 15:55 Uhr

Sabine Weigand (vorne, 3. v. li.) kümmert sich als erste und einzige Landtagsabgeordnete schwerpunktmäßig um den Denkmalschutz. Allersberg bescheinigte sie ein „Super-Konzept“.


Im Rahmen einer Denkmalschutz-Tour besucht die Landtagsabgeordnete Sabine Weigand aus Schwabach seit 2019 verschiedene Orte in den bayerischen Regierungsbezirken, um sich ein Bild von der Situation im Land zu machen.

Ziel dieser Tour ist es, möglichst viele unterschiedliche Problemstellungen und Lösungsansätze kennenzulernen. "Ich will weiter daran arbeiten, das Thema Denkmalschutz bei den Menschen zu verankern", lautet Weigands Credo.

Auf Einladung des Ortsverbandes der Grünen in Allersberg stattete Weigand als Sprecherin für Denkmalschutz in der Landtagsfraktion der Grünen dem Allersberger Gilardi-Anwesen einen Besuch ab. Tanja Josche, Mitglied des Marktrates und Sprecherin des Ortsverbandes, hatte Weigand dafür gewinnen können, nach Allersberg zu kommen.

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Mit dabei waren Altbürgermeister Bernhard Böckeler, der auch Vorsitzender des Vereins zur Förderung und Sanierung des Gilardi-Anwesens ist, Bürgermeister Daniel Horndasch, Marktrat Georg Decker, Architekt Michael Kühnlein, Vertreter des Bezirks, des Landesamtes für Denkmalpflege, die beiden Kreisheimatpflegerinnen Eva Schultheiß und Annett Haberlah-Pohl, die Gästeführer Petra Schmidt-Lerzer und Dieter Chrocziel sowie Grünen-Politiker aus dem Kreis und Bezirk.

Die promovierte Historikerin Weigand wies darauf hin, dass Allersberg die letzte Station ihrer Denkmalschutz-Tour sei. Sie habe inzwischen 50 Orte in Bayern besucht. "Gibt es Problemfälle, kann ich unterstützend mitwirken?", umriss Weigand ihre Intensionen. "Ich gehe überall dorthin, wo man mich haben will."

Der Denkmalschutz erfreue sich nicht überall großer Beliebtheit. "Ehrenamtliche helfen uns, die Anker unserer Städte und Orte zu bewahren und den nachfolgenden Generationen Identität zu geben ", hob die Abgeordnete hervor. "Man hängt am Alten und Tradierten, doch in den vergangenen Jahren gab es in Bayern einen enormen Denkmalverlust."

Oft nur ein Ärgernis

Weigand wies darauf hin, dass die Problematik des Denkmalschutzes in vielen Städten und Gemeinden oftmals ein Ärgernis sei. Häufig stünden denkmalgeschützte Gebäude leer und verfielen mit der Zeit. Dabei könnten sie identitätsstiftend sein, charakteristisch für die Heimatregion und eine Bereicherung für das Ortsbild.

Das Gilardi-Anwesen in Allersberg.

© Elke Bodendörfer


Das Gilardi-Anwesen sei allerdings ein positives Beispiel, wie man ein denkmalgeschütztes Ensemble mit neuem Leben erfüllen kann. Weigand ist seit November 2018 Sprecherin für Denkmalschutz in der Landtagsfraktion der Grünen. Sie ist die einzige Abgeordnete des Landtags, die sich schwerpunktmäßig mit Denkmalschutz befasst. Zum ersten Mal überhaupt wurde dieses Fachgebiet mit einem eigenen Sprecherinnen-Posten besetzt.

Bürgermeister Daniel Horndasch wies darauf hin, dass es am Marktplatz in Allersberg eine Fülle an Denkmälern gebe, die in privater oder kirchlicher Hand liegen. "Das Gilardi-Anwesen ist ein national bedeutsames Denkmal und genießt unsere Wertschätzung", sagte Horndasch.

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Bernhard Böckeler, der Vorsitzende des Förder-Vereins, stellte die Historie des Anwesens vor und ging auch auf das Nutzungskonzept ein. Architekt Michael Kühnlein, der selbst einmal Kreisheimatpfleger war und seit 2006 mit dem Projekt Gilardi-Anwesen vertraut ist, ergänzte die Ausführungen Böckelers und würdigte das "qualitätsvolle Gebäude".

Verknüpfung von Alt und Neu

Bei einem Rundgang informierte sich die Landtagsabgeordnete über einzelne Sanierungsmaßnahmen. Anhand von Plänen, die im großen Gilardisaal ausgelegt waren, konnte sie nachvollziehen, was bisher saniert wurde. Weigand sprach von einem "Super-Konzept".

Bernhard Böckeler hob hervor, dass man den industriellen Charakter des Anwesens mit moderner Technik verknüpfen wolle. Von ihrer Denkmalschutz-Tour erwartet sich Weigand Impulse für die weitere Arbeit im Landtag. Bei ihrer Arbeit geht es ihr darum, das Image des Denkmalschutzes als "Verhinderer und Bremser" zu ändern. "Seit den 1990-er Jahren gibt es eine erbärmliche Abwärtsentwicklung in der Denkmalpflege", bedauerte und kritisierte sie, "da muss wieder mehr passieren. Ich werde bohren und anschubsen, aber die Situation schaut nicht gut aus."

"Förderbescheide kommen oft sehr spät", hieb Bürgermeister Horndasch in die gleiche Kerbe, "da gibt es große Reibungsverluste." Die Denkmalpflege sei leider nur eine Wunschaufgabe einer Gemeinde, keine Pflichtaufgabe.

ROBERT UNTERBURGER

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