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Dienstag, 11.08.2020

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Abgeschossene Störche: LBV stockt Belohnung um 1000 Euro auf

Mehr Details zum Hergang des Vorfalls werden bekannt - Untersuchung in Erlangen - 14.07.2020 07:31 Uhr

Der zweite tote Storch wurde am Sonntag auf dem Glasvordach einer Gaststätte gefunden. Dieser wurde von der Polizei mit einer Leiter geborgen.

© privat, Bertram Dorfer


„Der Abschuss einer streng geschützten Art wie dem Weißstorch ist eine Straftat und kein Kavaliersdelikt. Wir haben deshalb Strafanzeige gestellt und loben eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise auf den oder die Straftäter aus“, erklärt die LBV-Storchenexpertin Oda Wieding. Und weiter: „Wir hoffen, dass bei einer derart grauenhaften Tat mitten am Tag in Ortsnähe zahlreiche sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung eingehen werden, damit der oder die Täter überführt werden können.“

Um über das Projektil Rückschlüsse auf den oder die Täter ziehen zu können, wurden die toten Tiere zur veterinärmedizinischen Untersuchung ins Landesamt für Gesundheit (LGL) nach Erlangen gebracht, wie der LBV weiterhin mitteilt. Nach den derzeit vorliegenden Informationen hat eine Spalter Anwohnerin am Sonntagnachmittag beobachtet, wie ein fliegender Jungstorch plötzlich angefangen hat zu taumeln und dann abgestürzt ist. Die Frau sei dann zur vermuteten Absturzstelle gefahren, wo der Storch tot auf dem Gehweg lag. Kurz darauf wurde in rund 50 Meter Entfernung ein zweiter toter Jungstorch auf dem Glasvordach einer Gaststätte entdeckt. Dieser wurde von der verständigten Polizei Roth mit Hilfe einer Leiter geborgen.

Einmaliger Fall 

Beide Vögel wiesen Schussverletzungen am Kopf auf. „In den gesamten 25 Jahren, die ich im LBV das Weißstorch-Schutzprogramm betreue, ist mir noch nie der Abschuss eines Storchs untergekommen. Für die meisten Menschen in Bayern, so auch in Spalt, sind Störche absolute Sympathieträger“, sagt Oda Wieding vom LBV.

Zufällig fast zeitgleich mit der Tat aus Spalt wurde eine Landtagsanfrage der SPD zur illegalen Tötung von streng geschützten Tierarten veröffentlicht, die einen konsequenten Handlungsbedarf für Bayern bei Artenschutzkriminalität zeigt. Der LBV und die Gregor-Louisoder-Umweltstiftung ​ haben 2019 das Projekt „Naturschutzkriminalität dokumentieren und stoppen!“ gestartet, um solche Fälle künftig besser aufklären und die Täter zur Verantwortung ziehen zu können. In dem konkreten Fall der getöteten Störche hat der LBV deshalb zusätzlich zur Stadt Spalt Strafanzeige gestellt und eine Belohnung von 1000 Euro ausgelobt.

Bilderstrecke zum Thema

Abendbrot auf grünen Wiesen: Störche bevölkern Regnitzgrund

Mehr als 100 Störche haben im Juli 2018 in mehreren Gruppen im Regnitzgrund zwischen der Freien Scholle und der Innenstadt versammelt. Sie holten sich dort ihr Abendessen, denn die Wiesen waren bewässert worden, was Ungeziefer, Mäuse und Insekten an die Oberfläche gescheucht hatte.


Die Stadt Spalt hatte schon vor einigen Jahren eine Nisthilfe auf dem Dach des historischen Kornhauses installiert, in dem das Hopfen- und Biermuseum HopfenBierGut untergebracht ist. Nach langen Jahren des Wartens wurde diese Bemühungen belohnt: 2019 wurde der Nistplatz erstmalig durch ein Storchenpaar besetzt, das gleich erfolgreich brütete. 2020 war die Freude groß, dass wieder ein Storchenpaar einzog, das gleich drei Jungstörche aufzog. Umso größer ist jetzt der Schock in der Stadt über den Abschuss. 

Das Entsetzen daüber ist auch in den sozialen Medien groß. Dort wird unter anderem dazu aufgefordert, dass Privatpersonen mit Spenden an den LBV oder die Stadt Spalt die ausgesetzte Belohnung ebenfalls aufstocken können. 

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