Freitag, 15.11.2019

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10. Berufsparcours: Mittelschüler finden heraus, was sie wollen

Mit kleinen Aufgaben können die Jugendlichen ihr Interesse am Beruf feststellen - 17.10.2019 06:02 Uhr

Die Jugendlichen werden ermutigt, selbst auszuprobieren, ob ihnen die jeweiligen Tätigkeiten des Berufes liegen: Beispielsweise das Frisieren. © Foto: Lidia Piechulek


Lara greift konzentriert nach einer Packung Fenistil, schiebt die Medikamentendose auf und lässt je eine der bunten Pillen für den Morgen, Mittag und Abend hineinfallen. Sie ist schnell fertig damit und hat alles richtig gemacht – ein Erfolgserlebnis, eigentlich. Doch die 16-Jährige aus dem Schulzentrum Roth spürt sofort, dass das irgendwie nichts für sie ist. Einen Flyer nimmt sie trotzdem mit und läuft mit ihrer Freundin weiter zum nächsten Stand.

Es ist mit Sicherheit nicht der einzige, aber doch ein erster wichtiger Schritt. "Zumindest können zehn Minuten ausreichen, um festzustellen, dass ein Berufsfeld nichts für einen ist", sagt Angela Novotny, Vorsitzende der Hermann Gutmann Stiftung, die das regionale Projekt fördert. Sämtliche Mittelschulen im Landkreis Roth und der Stadt Schwabach kommen an zwei Schultagen in die Turnhalle der Anton-Seitz-Schule, um mit allen möglichen Ausbildungsberufen in Kontakt zu treten. Insgesamt 32 sehr unterschiedliche Firmen und Berufsfelder präsentieren sich hier, heuer zum zehnten Mal in Folge, zirka 900 Jugendlichen.

An jedem Stand des Berufsparcours wartet mindestens ein Azubi, der den interessierten Mittelschülern von den persönlichen Erfahrungen im Ausbildungsbetrieb erzählen kann. © Foto: Lidia Piechulek


Die 13 bis 16 Jahre alten Mittelschüler können hier Nägel in Holz hämmern, Haare frisieren, Puls messen und Drähte verbinden: Kleine Aufgaben, die in den jeweiligen Berufen Alltag sind, kann man an allen Ständen ausprobieren. "Praktische Berufe brauchen diese Praxis", findet Novotny.

Ein erster Anhaltspunkt

Gerade in der siebten Klasse ist das sehr wichtig: Denn da müssen die Jugendlichen zwischen Technik, Wirtschaft und sozialer Richtung wählen. Ein erster Anhaltspunkt kann hier der Berufsparcours sein. Heutzutage wachsen Kinder nicht mehr so sehr mit dem Handwerk auf, haben vielleicht nie mit einem Hammer oder ähnlichem Werkzeug gearbeitet, eine Nähmaschine benutzt oder Holz zurecht gesägt, betont Konrektor Steffen Vogel. Der direkte Kontakt zum Beruf – und gar nicht in erster Linie mit den Firmen – ist deshalb hilfreich.

Wer sich für Altenpflege oder Heilerziehungspflege interessiert, kann sich an drei unterschiedlichen Aufgaben ausprobieren: Puls messen, Medikamente einplanen und Zähne putzen. Letzteres wurde allerdings, wie Holger Reißenweber vom Bezirksverband Mittelfranken zugibt, eher selten nachgefragt. Der Grund liegt wohl im Schamgefühl der Jugendlichen. "Seinem Gegenüber die Zähne zu putzen, ist eben etwas Intimes", erklärt er. Weil persönlicher Kontakt zum Patienten aber das A und O der Altenpflege ist, wird die Aufgabe dennoch angeboten.

Wegbereiter für Praktikum und Ausbildung

Jeder Mittelschüler verbringt rund eine Stunde auf dem Berufsparcours und probiert sich an etwa drei bis fünf Stationen. Auf einem Laufzettel vermerken sie dann, welchen Beruf sie bei welcher Firma kennengelernt haben – und ob er sie interessiert.

Der Kontakt zu den Schülern mündet regelmäßig in Praktika und ist somit ein erster Schritt zu einem Ausbildungsplatz.

Schulamtsdirektor Karlheinz Pfahler ist sich sicher: Das Projekt ist in der aktuellen Zeit des Fachkräftemangels "für beide Seiten gleich wichtig", Unternehmen und Mittelschüler. Würden die Jugendlichen einfach "alle irgendwas anfangen und dann wieder aufhören, bringt das keinem was", erklärt er. Die Schulämter des Landkreises Roth und der Stadt Schwabach sowie die Agentur für Arbeit unterstützen das Projekt gemeinschaftlich. Sie alle sind der festen Überzeugung: Broschüren alleine helfen nichts, es geht darum, das Richtige und sich selbst kennenzulernen.

LIDIA PIECHULEK E-Mail

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