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Regen als echter Segen: Region profitiert von Niederschlägen

Weil die Böden ausgetrocknet waren, gab es in der Region kaum Hochwasser - 24.05.2019 06:00 Uhr

Nicht nur die Böden im Wald sind nach dem vielen Regen der vergangenen Tage gesättigt, auch die Bäche im Forst, hier der Fischbach im Nürnberger Reichswald, sind wieder gut mit Wasser gefüllt. Die geschädigten Bäume werden aber viel Zeit brauchen, um sich zu erholen. © Foto: Bayerische Staatsforsten/Forstbetrieb Nürnberg


Es war der 23. April 2019, also fast genau vor einem Monat, als der Deutsche Wetterdienst (DWD) in einer ausgeprägten Trockenperiode mit einer etwas banalen Binsenweisheit daherkam: "Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden." Aha, dachte man sich, wenn es nicht regnet, bleibt es also trocken. Wieder etwas gelernt.

Doch die Verlautbarung des DWD versandete ob ihrer Trivialität nicht etwa, sondern führte dazu, dass ganz Deutschland respektive das Internet so hohl drehte, als ob es völlig undenkbar wäre, dass es in Deutschland jemals wieder regnen könnte.


Dauerregen hielt auch fränkische Helfer auf Trab


Es kam anders. Völlig anders. Nachdem es schon in den Wochen nach den Unkenrufen regelmäßig geregnet hatte, fielen in Nürnberg allein von vergangenem Sonntag bis Dienstag 46,7 Millimeter Niederschlag. In Triesdorf (Landkreis Ansbach) waren es fast 70 Millimeter, in Kleingressingen (Landkreis Bamberg) wurde sogar fast die 90-Millimeter-Marke geknackt.

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Die Feuerwehren in Oberfranken hatten am Dienstag bis in die Nacht alle Hände voll zu tun: Im Landkreis Bayreuth war ein Getränkemarkt mit Wasser vollgelaufen, im Landkreis Bamberg wurde die B22 überflutet. In der Nähe von Kulmbach ging hingegen ein Erdrutsch nieder und blockierte eine Straße - die Helfer von Feuerwehr und THW waren im Dauereinsatz.


"Wie der Regen gefallen ist, war optimal für uns"

In Nürnberg beispielsweise hat es durch die jüngsten feuchten Wochen in den vergangenen drei Monaten sogar schon wieder mehr geregnet als im langjährigen Mittel. Darüber hinaus wird der Mai nach 13 (teils deutlich) zu warmen Monaten der erste Monat seit langem werden, der im Vergleich zum langjährigen Mittel zu kalt ist.

"Wie der Regen gefallen ist, war optimal für uns. Lang anhaltend und kontinuierlich. Die Böden sind jetzt voll gesättigt, das Wasser kann langsam versickern und die Grundwasserspeicher füllen", sagt Thomas Keller, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach.

Weil die Böden zuvor so ausgetrocknet waren, gab es in der Region kaum nennenswertes Hochwasser. "Jetzt darf es aber nicht gleich wieder so stark regnen. Die Böden sind so gesättigt, dass es dann schnell Hochwasser geben würde", verdeutlicht Keller. Für die nächsten Tage sind allerdings allenfalls mäßige Niederschläge vorhergesagt, kein Grund zur Beunruhigung also. Ein Stück Wetter-Normalität in all dem Klimawandel-Wahnsinn der vergangenen Monate.

An der Altmühl ist Hochwasser seit der Konstruktion des Fränkischen Seenlandes ohnehin ausgesprochen nützlich. Dort konnte nun ein kleines Hochwasser abgefangen werden und über Altmühlsee und Altmühlüberleiter in den Großen Brombachsee fließen. Der dortige Wasserstand konnte so um knapp 25 Zentimeter erhöht werden, weshalb man entspannt in die touristische Saison gehen kann. Ein paar heiße Tage braucht es dafür aber dann doch noch: Derzeit ist das Wasser unangenehme 15 Grad kalt. In den nächsten Tagen knacken die Temperaturen im Frankenland aber immerhin die 20-Grad-Marke.

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Der starke Dauerregen in der Region hält an. Im mittelfränkischen Scheinfeld (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) war am Montagnachmittag die Innenstadt kurzzeitig unter Wasser gestanden. In den Gullideckeln hatte sich zu viel Laub gesammelt. Die Feuwerwehr musste die Deckel deshalb anheben und den Ablauf reinigen. Noch bis zum Mittwoch soll es in der Region immer wieder heftig regnen.


"Entspannt und zufrieden"

"Im Moment sind wir entspannt und zufrieden. Die kühle und feuchte Witterung hat uns Zeit geschenkt zum Aufräumen", sagt Johannes Wurm, Leiter des Forstbetriebs Nürnberg. Noch immer waren die Waldarbeiter in den vergangenen Wochen damit beschäftigt, abgestorbene Kiefern und von Trockenheit und Borkenkäfer geschädigte Fichten zu fällen und aus dem Wald zu schaffen.

Bereits um Ostern schwärmte der Borkenkäfer ein erstes Mal aus, angesichts der Wärme und Trockenheit ließ das schon Schlimmstes befürchten. Gerade einmal vier Wochen dauert es bei so einer Witterung, bis die nächste Borkenkäfer-Generation bereitsteht. Nun werden es eher acht bis zehn Wochen, die Situation hat sich deutlich entspannt.

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"Bei den Kiefern werden in den nächsten zwei bis drei Jahren durch die Vorschädigungen wohl noch einige absterben, das große Kiefernsterben, das wir Anfang des Jahres hatten, ist aber wohl erst einmal vorbei", glaubt Wurm.

Dafür hat es im Reichswald massive Spätfrostschäden gegeben. Am schlimmsten betroffen waren die jungen Eichen, die vergangenes Jahr auf zwölf Hektar gesät wurden. Die ersten Triebe sind abgefroren, die Forstleute hoffen aber, dass sie erneut austreiben.

Gut sieht es hingegen für die mehr als 100.000 Bäume aus, die im Herbst und Frühling im Reichswald gepflanzt wurden (vor allem Eichen, Buchen und Tannen, aber auch Linden, Kirschen und Flatterulmen). Sie waren noch nicht ausgetrieben und profitieren von dem kräftigen Guss aus der himmlischen Gießkanne. 

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