Donnerstag, 19.09.2019

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Wird Leups zum Bauernopfer für Wasser-Ringleitung?

Die heiß umkämpfte Quelle des Pegnitzer Stadtteils wurde nach Bau der Notleitung vom Netz genommen. - 23.08.2019 21:40 Uhr

Das Wasserhaus in Leups. Es wurde nach Protesten der Bürger im April 2018 „aufgehübscht“. Die Bürgerinitiative Pro Leupser Quellwasser betont aber, dass das Trockauer Wasserhaus gepflegter sei. © Foto: Klaus Trenz


Die Haltung des Vereins ist klar: "Leups ist ein Bauernopfer für die Ringleitung", meint der Vorsitzende des Vereins, Peter Strese, bei einem Besuch der Vorstandsmitglieder in der Redaktion. Sie halten den Bau der Notleitung "für einen Schachzug des Werkleiters, uns mundtot zu machen", meint Pressesprecherin Anja Michel. Ihr Vorwurf: Die Situation in Leups wird dramatisiert, um die Leitung zu rechtfertigen.

Einen der Hauptgründe für den Bau der Leitung, nämlich schnell genügend Wasser für den Brandschutz im Ort zu haben, halten sie für "an den Haaren herbeigezogen": Neben dem Hochbehälter seien weitere rund 200 Kubikmeter Wasser "im Dorf gebunkert", etwa in Gruben und Zisternen, so Vorstandsmitglied Kurt Michel. Dazu käme noch die nahe gelegene Fichtenohe, die ebenfalls von der Feuerwehr zur Wasserentnahme genutzt werden könne. Übungen der Wehren hätten gezeigt, dass auch bei einem großen Brand genügend Wasser vorhanden sei, so Michel. Dafür brauche es keine extra Notleitung.

Die Vereinsführung geht davon aus, dass der Stadtrat beim Beschluss der Notleitung einer falschen Annahme aufgesessen ist: Die Leitung sei nur als Notversorgung für den Brandschutz beschlossen worden. Nun fließe dort aber auch das gesamte Trinkwasser für Leups. Da sich Stadt und Juragruppe die Kosten der Baumaßnahme teilen, fürchten die Vorstände, dass sich "die Juragruppe jetzt von der Stadt die Trinkwasserversorgung bezahlen lässt."

Entgegen der Annahme des Vereins war der Stadtrat beim Beschluss der Notleitung allerdings darüber informiert, dass dort Lösch- und Trinkwasser fließen sollen. Das geht aus einem Bericht der Nordbayerischen Nachrichten von der Stadtratssitzung Ende Juli hervor.

Einfacher wird der Kampf des Vereins nun nicht, denn die Leupser Quelle wurde nach der Inbetriebnahme der Notleitung ganz von der Wasserversorgung des Ortes gekappt, haben die Vorstände festgestellt.

Bürgermeister Uwe Raab und Hans Hümmer, Werkleiter der Juragruppe, bestätigen das auf Nachfrage: "Das Wasser aus dem Zentralnetz der Juragruppe weist einen anderen Chemismus als das bisherige Leupser Wasser auf und ist dadurch generell nicht mischbar", so Hümmer. "In bestimmten exakten Prozentanteilen sind unter Umständen Mischbarkeitsszenarien denkbar. Hierzu fehlen jedoch die technischen Einrichtungen im Pumphaus."

Creußen eine Alternative

Diese seien auch gar nicht notwendig, findet zumindest die Leupser Initiative. "Warum wird die Notleitung nicht über das System des Wasserzweckverbands Creußen angeschlossen?", fragt Anja Michel. Das wäre nicht einmal zwei Kilometer entfernt und außerdem mit dem Leupser Quellwasser mischbar. So könne die Quelle weiter genutzt werden. Da das nicht geschieht, wirft der Verein Stadt und Juragruppe vor, nicht nachhaltig zu handeln: "Selbst wenn die Quelle in fünf Jahren versiegen sollte, könnten wir das Wasser bis dahin noch nutzen", sagt Strese.

Das sei auch absolut notwendig in Zeiten, in denen das verfügbare Trinkwasser weltweit weniger werde. "Stattdessen fließt sie jetzt in irgendeinen Karpfenteich", empört er sich.

Der Bürgermeister wehrt sich gegen den Vorwurf: "Die jetzige Lösung steht in keinem Widerspruch zur Nachhaltigkeit", meint Uwe Raab. Schließlich werde das Wasser "in dem Umfang, in dem es noch vorhanden ist, wieder den natürlichen Kreisläufen zur Verfügung stehen."

Der Verein sieht das anders: Die Mitglieder gehen davon aus, dass die Leupser Quelle für die Ringleitung der Juragruppe geopfert wird. Die über fünf Kilometer lange Leitung von Bodendorf über Leups bis nach Kaltenthal soll die Wasserversorgung im zentralen Stadtgebiet von Pegnitz sicherstellen und als zweites Standbein neben der bisherigen Leitung, die bei Willenberg die Autobahn unterquert, fungieren.

Das Projekt wird großzügig mit Fördermitteln unterstützt – und genau hier sieht der Verein einen Knackpunkt des Streits: "Man hätte von Anfang an ehrlich zu den Leuten sein und sagen sollen, dass man hier baut, weil man die Fördergelder braucht", sagt Strese.

"Grundstücke verschenkt"

Doch die Vorwürfe des Vereins gehen noch weiter: Die Stadt habe Quellgrundstücke, wie auch das in Leups, an die Juragruppe verschenkt, so die Vorstände. Deswegen haben sie auch gegen die Stadt geklagt. "Pegnitz benötigt 1,2 Millionen Euro Stabilisierungshilfe und verschenkt dann Grundstücke, statt sie zu verpachten. Wo ist da die Logik?", fragt Anja Michel.

Uwe Raab erklärt: "Mit der Gründung des Zweckverbandes Juragruppe wurden seitens der Stadt Pegnitz alle Rechte und Pflichten die Wasserversorgung betreffend auf die Juragruppe übertragen. Somit mussten auch die Grundstücke übertragen werden. Die Grundstücke wurden also nicht verschenkt, sondern von einem Versorger auf den jetzt zuständigen übertragen."

Und Hans Hümmer betont: "Dieser Übertragungssachverhalt wurde bereits durch Rechtsaufsichtsbehörden und den Innenausschuss des Bayerischen Landtages im Rahmen einer Petition abgehandelt und als korrekt beurteilt."

Dass die Juragruppe damit nun noch umfangreicher über die Wasserversorgung in der Region verfügt, beunruhigt die Vereinsmitglieder. Sie kämpfen längst nicht mehr nur für ihre eigene Quelle, sondern wollen sich mit anderen kleinen Orten zusammenschließen, um die Unabhängigkeit ihrer Wasserversorgung zu schützen. Strese hat "wirklich Angst", dass das Wasser durch die Juragruppe irgendwann so weit privatisiert werde, dass die Versorgung für Nestle oder andere Großkonzerne lukrativ wird – und die Kommunen dann die Kontrolle verlieren. Anja Michel ergänzt: "Auf den Wagen der Juragruppe steht: ,Jeder Tropfen zählt‘. Warum dann nicht auch die von der Leupser Quelle?" 

KILIAN TRABERT

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