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Dienstag, 22.10.2019

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"Wir müssen die Folgen des Klimawandels meistern"

Nachdenkliche Töne am Tag der Landwirtschaft in Pegnitz - 23.09.2019 06:55 Uhr

Anlass, einmal innezuhalten und den eigenen Reichtum zu realisieren, soll Erntedank sein, mahnte Kreisbäuerin Angelika Seyferth am Tag der Landwirtschaft in Pegnitz in der reich geschmückten Sammet-Halle. © Ralf Münch


Zwei Großveranstaltungen luden nach Pegnitz in und um die Verbandsschule ein: der Tag der Landwirtschaft und die 50-Jahr-Feier der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG). Auf dem Gelände war bei sonnigem Herbstwetter für alle Besucher etwas geboten.

An den Marktständen verkauften Bäuerinnen und Bauern vielfältige Produkte aus heimischer Erzeugung. Das Angebot reichte von Honig über Kräuter und Blumen bis hin zu Räucherfisch und Brot. Die Landfrauen führten derweil vor, wie man ausbuttert und verteilten Kostproben. Im Außenbereich waren Maschinen, Geräte und Oldtimer ausgestellt.

Bei Klöpplerin und Drechsler

Margarete Schelter-Goldfuß (rechts) aus Pegnitz erklärte einem Jungen, wie man Schafwolle zu Garn spinnt. © Ralf Münch


Geflügelzüchter informierten über ihre Aktivitäten. Für Unterhaltung sorgten die Froschweihermusikanten und die Jagdhornbläser. Traditionelles Handwerk zeigten eine Spinnerin, die Schafwolle verarbeitete, sowie eine Klöpplerin und ein Drechsler. Für Kinder gab es eine Schminkecke. Die Jüngsten konnten auch Nistkästen bauen.

Beeindruckt zeigten sich die aus dem gesamten Landkreis kommenden Besucher über den liebevoll und bis ins Detail perfekt gestalteten Erntealtar mit Erntekrone vor der Bühne. Marie-Luise Meyer und ihr emsiges Team hatten bereits am Samstag in stundenlanger Handarbeit eine gelungene Erntepräsentation mit regionalen Produkten geschaffen.

Kreisbäuerin Angelika Seyferth hielt die Eröffnungsrede zum Tag der Landwirtschaft. Sie sagte: "Landwirtschaftliche Familien wissen, was es heißt, Tag für Tag mit der Schöpfung zu leben und zu arbeiten. Die diesjährige Ernte hat uns und hoffentlich auch den Verbrauchern – nach zwei Jahren extremer Trockenheit – vor Augen geführt, dass es keineswegs selbstverständlich ist, eine qualitativ gute und ertragreiche Ernte einzufahren." Seyferth wies darauf hin, dass die Betriebe die Herausforderungen und Veränderungen durch den Klimawandel meistern müssten, während vielerorts nur darüber geredet werde. Sie merkte an, dass die Bevölkerung ein gesteigertes Interesse an diesem Thema habe – verbunden mit der Frage nach einer gesunden Ernährung und einer intakten Umwelt.

Verantwortungsvoller Beruf

Allerdings fehle oft die Wertschätzung und die Anerkennung der Leistungen der Landwirte. "Sie üben ihren Beruf mit großer Verantwortung und einen Blick auf die nächste Generation aus – in einer Welt, die sich kontinuierlich verändert." Seyferth erwähnte ebenfalls das sich rasant wandelnde Verbraucherverhalten: "Erntedank bedeutet auch, Dank zu sagen für ausreichend Nahrung. Auch bei schlechten Ernten müssen unsere Verbraucher nicht hungern. Erntedank bietet den Anlass, sich dem allen bewusst zu werden."

Nach einer ökumenischen Erntedankandacht trat die Landjugend Schreez auf. Werner Lautner, der Vorsitzende der FBG Pegnitz hatte sich zum 50-jährigen Jubiläum bewusst für die Tandemveranstaltung zu Erntedank entschieden: "Bereits früher hatten die Land- und Forstwirtschaft gewachsene Strukturen und gehörten zusammen." Lautner wies auf das Bestreben der Forstleute hin, vitale Wälder zu schaffen und zu erhalten. Man müsse sich mit den Klimagegebenheiten immer wieder auseinandersetzen.

Ökonomie trifft auf Ökologie

"Das ist eine Herausforderung auch noch für das nächste Jahrhundert. Dafür muss auch die Politik die Rahmenbedingungen schaffen", forderte er. "Bei einem Umdenken von Öl und Gas auf Holz und Hackschnitzel kann die öffentliche Hand helfen. Auch der Werkstoff Holz bei Bauten sollte nicht außer Acht gelassen werden und muss mehr eingebracht werden", verlangte er. "Unsere Waldbesitzer gehen auf den Mischwald und tun viel für die Kohlendioxid-Einsparung. Der Wald dient auch der Naherholung. Auch in Zukunft müssen Ökonomie und Ökologie im richtigen Maß in Einklang gebracht werden und zwar weltweit, nicht nur in Deutschland."

ROSI THIEM

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