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Montag, 14.10.2019

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Wildschweine pflügen die Felder um

Tiere rotten sich aus Angst vor dem Wolf zum Leidwesen der Landwirte zusammen - 12.05.2019 09:00 Uhr

Wildschweine meiden es mittlerweile, als Einzelgänger im Wald unterwegs zu sein. Aus Angst vor dem Wolf, der wieder sesshaft wird, bildet das Borstenvieh größere Rotten. Fällt so eine Herde auf einem Feld ein, ist der Schaden für den Landwirt groß. © Foto: Ralf Münch


"Das Problem ist, dass die Wildschweine aus Angst Rotten bilden", erklärt Jäger Klaus Strobl, "die Tiere sind auf der Flucht, seitdem sie mit den Wölfen in Kontakt gekommen sind." Strobl und seine Jägerkollegen haben aktuell recht viel um die Ohren. Denn die Neuankömmlinge sorgen für einiges an Chaos in der Tierwelt. Laut Strobl sind Gruppierungen von fünf bis sechs – im Winter sogar bis zu zwölf – Wildschweinen keine Besonderheit. Das sei absolut normal.

Seit der Ankunft der Raubtiere ziehen jedoch viel größere Wildschwein-Rotten durch die Wälder. So auch in Nemschenreuth oder im Veldensteiner Forst. "Da marodieren inzwischen 30 Wildtiere in einer Gruppe", sagt Strobl, "das verursachen die Wölfe." Je größer die Gruppe und um so mehr Eber, desto stärker sei der Schutz der Rotte.

Auf der Flucht wird so einiges niedergemäht. So auch die Felder der Bauern, bestätigt Hermann Lehner aus Heroldsreuth. Er kann dieses Jahr bereits einen Wildtierschaden vorweisen: "Eineinhalb Hektar Wiese wurden von Wildschweinen umgepflügt. Die Rotte kam abends und war wahrscheinlich auf der Suche nach Futter. Wir haben sie noch gehört, dachten aber es wird nicht so schlimm. Die Wölfe haben wir auch schon gesehen."

Auf den Wiesen fanden die Tiere genügend eiweißreiche Nahrung – Wurzeln, Würmer, Käfer oder Larven. "Ich darf ja nichts machen", erklärt er, "so etwas machen die auch mit Mais-, Hafer-, oder Weizenfeldern." Dabei brechen sie die Felder um und zertrampeln alles, was ihnen in den Weg kommt. Das Leid bei den Landwirten sei entsprechend groß, denn die Tiere richten dadurch enorme finanzielle Schäden an.

Die Bauern wie Lehner müssen dann einen Antrag beim Landwirtschaftsamt stellen und würden im Nachgang die Kosten des Saatguts und des entstehenden Aufwands erstattet bekommen. "Wir müssen dafür geradestehen, als Jäger", erklärt Strobl, "wir sind dafür zuständig, dass die Säue so etwas nicht machen." Dafür gebe es keine Versicherung – und Saatgut und die Maschinenstunden seien teuer. Die Schäden haben in den letzten Jahren zugenommen. So müssen die Jäger, je nach Pachtvertrag, die Schäden aus der eigenen Tasche zahlen. "Das hat einigen Jägern bereits die Existenz gekostet", sagt Strobl, "es gab auch schon Jäger die mussten 3000 oder 10 000 Euro zahlen. So etwas treibt einen in den Ruin." Es gebe kein Jahr ohne größere Schäden.

Doch dürfe man nicht nur den gejagten Wildschweinen die Schuld geben. Auch Rotwild treibt es auf die Felder. "Die suchen alle nach Essen und fliehen vor den Wölfen", sagt Strobl. Wenn der Mais, der Weizen oder der Hafer zirka einen Meter hoch sind, bedient sich das Wild und ließe nicht mehr als den Stängel zurück. Die Stimmung bei den Jägern sei entsprechend schlecht. "Viele sehen das Ganze eher negativ", merkt Strobl an, "wir haben nicht allzu viel Platz für die Wölfe." Die Tiere hätten keine Angst vor dem Menschen, da diese nie gejagt wurden. Es gebe keinen natürlichen Feind.

Und so bleibt die Frage offen, wie würde ein Wolf reagieren, wenn er auf einen Menschen trifft? "Wenn Wölfe Hungersnot leiden, dann greifen sie alles an", sagt Strobl. Die Jäger selbst könnten nur eines tun, erklärt er: "Wir setzen uns auf die Hochstände und warten auf eine Rotte Wildschweine, dann erlegen wir eines davon." Zumindest so versuchen die Jäger der Zerstörung der Felder entgegen zu wirken. "Die Wölfe dürfen weiter umherziehen. Die Politik will es so", sagt Strobl, "und wir müssen damit leben."

VON MARTIN BURGER

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