Freitag, 15.11.2019

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Wenn Mama alles selber schafft

Claudia Schmutzler gibt ihre eigenen Erfahrungen als Leiterin des Treffs für Alleinerziehende weiter. - 13.10.2019 12:55 Uhr

Claudia Schmutzler steht vor der Villa Kunterbunt, in der sie den Treff für Alleinerziehende organisiert. Die Tasse in ihren Händen wurde für die Gruppe selbst hergestellt.


Die 37-Jährige stammt ursprünglich aus Chemnitz. Nach Franken kam sie durch ihre Ausbildung. Mit 16 Jahren begann sie eine Lehre zur Köchin, später zur Hotelfachfrau in Altdorf bei Nürnberg. Zu der Geschichte gehört aber auch das Konzept Chaos, erzählt Schmutzler: "Ich wusste nicht, wohin ich will. Also habe ich es so gemacht: Wo mein Finger auf der Karte landet, da werde ich arbeiten." Etwas Anderes, etwas Neues sollte es sein. "Ich habe das bis heute nicht bereut."

Nach ihrer Ausbildung nahm Schmutzler mehrere Jobs an, so richtig angekommen ist sie auf Dauer nicht. Unter anderem arbeitete sie ein Jahr lang in einem Schnellrestaurant in Nürnberg, später in einem Drei-Sterne-Hotel. Ihren Weg nach Pegnitz fand sie mit ihrem damaligen Freund.

Wenn die beiden zu Schmutzlers Familie nach Sachsen unterwegs waren, fuhren sie regelmäßig durch Pegnitz. Als der Arbeitgeber ihres Freundes fragte, wer sich vorstellen könnte, für die Arbeit dorthin zu ziehen, war Claudia Schmutzler bereit. "Ich fand, dass das hier immer schön aussah. Also haben wir das gemacht." Vorher hatte Schmutzler 13 Jahre lang in Nürnberg gelebt.

Kurz vor dem Umzug in die oberfränkische Kleinstadt wurden aus den zwei dann drei. Am 20. November 2011 brachte Claudia Schmutzler ihren Sohn Nils zur Welt, ein halbes Jahr später ging es nach Pegnitz. Keine drei Jahre später, Mitte Januar 2015, kam es zur Trennung von ihrem damaligen Freund – geheiratet hatten die beiden nie. "Das war alles sehr abrupt", erzählt die gelernte Köchin, die damals in einem Supermarkt an der Kasse arbeitete. Vieles hing an der Beziehung, unter anderem die Arbeitszeiten, die auf eine Familie mit Partner ausgelegt waren.

Zwischendurch wollte Schmutzler in der Zeit nach der Trennung sogar wieder zurück nach Chemnitz ziehen. "Ich habe mich bei einem Markt dort beworben und mir sogar schon Wohnungen angeschaut", erzählt sie. "Leider kamen meine Unterlagen nie dort an – warum auch immer." Ihr Pegnitzer Arbeitgeber ging bei den Arbeitszeiten nach wie vor nicht auf sie zu. Außerdem machte ihr die körperlich harte Arbeit in der Molkerei des Supermarktes zu schaffen. "Das hat sich auf meine Gesundheit ausgewirkt", sagt Claudia Schmutzler.

"Ich bin genau da, wo ich hin will"

Im vergangenen Jahr ging dann nichts mehr: Schmutzler kündigte. Es zog sie zurück in die Küche. Dahin kam sie dann auch: Ein Platz in der Küche des evangelischen Kindergartens war zu vergeben, am liebsten an eine Mutter.

Die 37-Jährige bewarb sich und wurde schnell genommen. "Ich bin genau da, wo ich hin will", sagt sie. "Ich habe endlich mehr Zeit für mein Kind."

Auch außerhalb der Küche ist die gebürtige Sächsin ein Multitalent: Neben diversen Putzstellen, in denen sie nach wie vor arbeitet, hat sie auch schon als Türsteherin gearbeitet. "Ich versuche mir vieles anzueignen. Wer weiß, wann ich das brauche", sagt Schmutzler. Mit nur einem Job könne sie finanziell nicht überleben und auf den Staat will sie nicht angewiesen sein: "Das könnte ich auch meinem Kind niemals vorleben."

Herz- und Kopfmensch zugleich

Man sieht Claudia Schmutzler die Unruhe in ihrem Leben nicht an, wenn die gepflegte Frau in ihrer sauberen, aufgeräumten Wohnung sitzt. Wie hat sie das geschafft? "Ich bin Herz- und Kopfmensch zugleich. Als die Trennung kam, hatte ich für drei Tage ein Brett vor dem Kopf. Dann habe ich sofort eine Wohnung für mich und meinen Sohn gesucht." Mit dem Vater von Nils versteht sie sich gut. "Wir werden unser Leben lang miteinander zu tun haben, also ziehen wir an einem Strang."

Kurz nach der Trennung sei es für Nils am schwierigsten gewesen. "Er hatte Verlustängste, hat oft gefragt, wann Papa wiederkommt. Es gab sogar die Angst, dass ich ihn verlasse oder sterbe", erzählt Claudia Schmutzler. Aus Angst einen Fehler zu begehen, schickte sie ihren Sohn zu einer Kinderpsychologin. "Dort wurde spielerisch auf ihn eingegangen. Heute hat er das alles verkraftet und sieht seinen Vater regelmäßig."

Ihre turbulente Lebensgeschichte nutzt die 37-Jährige bei dem Treff für Alleinerziehende, dessen Leitung sie übernommen hat. Angeboten wird der Treff einmal im Monat vom evangelischen Dekanat Pegnitz. "Wir reden oft über Themen, die anderswo nicht angesprochen werden. Vor kurzem hatten wir beispielsweise eine Expertin zum Thema Sorgerecht da."

Nicht nur Frauen kommen zu Claudia Schmutzlers Treff, auch zwei Männer sind dabei. Sie ist zufrieden: "Natürlich könnten es immer mehr sein, aber manche trauen sich wohl einfach nicht." Die Angst sei aber unbegründet. "Wir sind nicht nur für Alleinerziehende da, sondern auch für Patchwork-Familien oder Leute in schwierigen Partnerschaften. Wenn wir helfen können, machen wir das. Ansonsten leiten wir es weiter."

JULIAN SEIFERTH

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