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Weltweite Aufträge für Pegnitzer Künstlerin

Abiturientin Paula Schramm schaffte es mit Tierbild in die Endausscheidung eines Londoner Wettbewerbes - 02.05.2019 08:54 Uhr

Die Pegnitzer Abiturientin Paula Schramm (18) hat sich als fotorealistische Tiermalerin bereits weltweit einen Namen gemacht. Eines ihrer Werke wird jetzt nach einem Wettbewerb sogar in London ausgestellt.


Diese seit frühester Kindheit ausgelebte Leidenschaft brachte ihr jetzt sogar eine Einladung in eine Kunstausstellung in die Mall Galleries nach London ein. "Da hatten sich über Zehntausend dafür beworben." Diese Ausstellung mit Tierbildern ist zugleich die Endausscheidung eines Wettbewerbs der David Shepherd Wildlife Foundation. Also eine Organisation für Tier- und Umweltschutz, mit Hauptsitz in London, unweit von Trafalgar Square und Hyde Park.

Mutter Claudia und Tochter Paula Schramm nutzen die Vernissage zu einem Dreitages-Trip in die britische Millionen-Metropole. Selbstredend gehört zu ihrem touristischen Pflichtprogramm auch ein Besuch in der renommierten Tate Gallery. Abflug aus Deutschland ist ausgerechnet am Tag nach Paula Schramms allerletzter Abiturprüfung Ende Mai.

Dieses großformatige Tier-Doppelporträt entsteht aus Dankbarkeit für die erfolgreichen Dienste eines Tierarztes aus Schwarzenbruck. Zehn bis 20 Stunden investiert Paula Schramm normalerweise an Zeit pro Bild.


In den einzelnen Wettbewerbskategorien werden beim Festakt in London noch einmal die Besten gekürt. Paula Schramm kam mit ihrem Aquarell des grüngelben Vogels "Mönchsgrasmücke" zum Zuge. Dem Gesamtsieger winken sogar noch 10 000 Pfund Gewinnprämie.

Dafür rechnet sich Künstlerin Paula aber keine Chance aus. Für die Pegnitzer Abiturientin ist allein die Einladung nach England ein Riesenerfolg. "Mehr erwarte ich gar nicht."

Außerdem werden alle in London ausgestellten Bilder verkauft. Die Hälfte des Erlöses geht an den Künstler, die andere Hälfte an die Tierschutz-Organisation.

Als die Benachrichtigungsmail aus London kam, wäre Paula beinahe die Holztreppe von ihrem Zimmer hinunter zur ebenfalls grafisch "vorbelasteten" Mutter hinabgestürzt, um die freudige Kunde zu überbringen. Im Gymnasium hat Abiturientin Paula schon seit Jahren ihr Image als "die, die zeichnen kann" weg. In der 8. Klasse gestaltete sie sogar die Weihnachtspostkarte der Schule.

Selbst vor dem eigenen Hausaufgabenheft macht Paulas Zeichenleidenschaft nicht halt. "Ich kann mich besser konzentrieren, wenn ich kritzele", erklärt sie bescheiden.

Auch wenn ihr diese Buntstift-Skizzen schon so manche spöttischen Bemerkungen von Lehrern einbrachten, konnte sie dem Unterricht in den allermeisten Fächern weitgehend mühelos folgen. "Die Noten sind gut", bestätigte auch Mutter Claudia.

Bereits im Kindergarten

Schon im zarten Alter von sieben Jahren entwickelte Paula künstlerische Ambitionen. "Ich zeichne sehr gerne Vögel, seitdem ich Stifte halten kann." Aus der Kindergartenzeit gibt es von ihr sogar Pferdezeichnungen. "Ich habe immer gerne Tiere gezeichnet."

Bereits als Siebenjährige hat sie Bücher illustriert, "die ich selbst geschrieben habe". Wenn ihr die Schreibarbeit aber zu viel wurde, bat sie schon mal Verwandte oder Eltern: "Kannst du dieses Buch für mich weiterschreiben?" Ihr selbst wurde schon bald klar: "Ich bin nicht so der Autor, eher der Illustrator." In diese Richtung geht auch der nächste Bildungsschritt, das angestrebte Design-Studium. "Da ist es wurscht, welche Noten man im Abi hat." Über die Aufnahme eines solchen Studiums entscheidet vor allem die eingereichte Bilder-Mappe.

Die allermeisten ihrer Tierbilder malt Paula Schramm mit Buntstiften. "Die Fotos dafür entdecke ich meist auf Instagram." Ganz am Anfang hat Paula Schramm in einem Wellensittich-Forum erste Zeichnungen veröffentlicht. Sie selbst besitzt inzwischen sechs Wellensittiche, die das Haus ihrer Eltern in der Pegnitzer Stadtmitte mit fröhlichem Gezwitscher erfüllen.

Inzwischen trudeln regelmäßig Aufträge von Tierbesitzern aus Kanada, Australien, den USA oder anderen Ländern ein. Manche der Tausende von Kilometern entfernt lebenden Tierbesitzer ordern ein "gemaltes Andenken" an ihren inzwischen verstorbenen Liebling.

Ein besonders aufwändiges Bild malt die Tierbildbesessene für ihren Vogel-Tierarzt in Schwarzenbruck. "Er hat über die Weihnachtsfeiertage einen meiner Wellensittiche gesundgepflegt." Das Doppelkonterfei von Jagdhund Bo und Falke DeBuubi soll einmal ein Zeichenblatt mit 100 mal 70 Zentimetern Größe bedecken. Sogar dessen Lehr-Tierarzt mit eigener Geparden-Station wurde schon mit einer Zeichnung der Pegnitzerin bedacht.

So "zehn bis 20 Stunden" braucht Paula Schramm schon zum supergenauen Nachmalen eines Tierfotos. Dabei hält sie sich schon ziemlich exakt an die Vorlage. "Nur manchmal verändere ich etwas ganz leicht, es ist aber schwierig, etwas dazu zu erfinden." Die hochwertigen Stifte aus einem Nürnberger Laden für Künstlerbedarf müssen oft nachgekauft werden. "Schwarz ist fast immer leer."

Natürlich brauche sie bei einem Papagei mehr Buntstifte "als bei einer weißen Katze". Für ihr eingereichtes Bild der Mönchsgrasmücke sicherte sie sich vorab die Rechte des Fotografen Bruce Katkowski. Sie weiß nicht einmal, aus welchem Land dieser stammt, aber er antwortete gleich per Mail "klar, und wünschte mir viel Glück".

Mehr über Paula Schramm auf Instagramm unter "feather_and_fur" (zu deutsch: "Feder und Fell"). 

VON FRANK HEIDLER

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