Mittwoch, 13.11.2019

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Was wird aus Kirchenbirkigs leer stehendem Pfarrhaus?

Fast eine Million Mark hat das Gebäude vor 25 Jahren gekostet, heute ist der Zweckbau unbewohnt - 16.06.2019 10:00 Uhr

Das Pfarrhaus auf dem Kirchenareal in Kirchenbirkig steht seit vergangenem Jahr leer. Einen Mieter zu finden, gestaltet sich deutlich schwieriger als gedacht. Die Gemeinde lässt das Gebäude aber nicht verkommen. © Foto: Julian Seiferth


"Das Haus steht leer, weil man die Priester von hier abgezogen hat", erklärt Konrad Polster. Er ist der Kirchenpfleger in der kleinen Gemeinde in der Nähe von Pottenstein. Verantwortlich für die Besetzung – oder eben den Abzug – von Pfarrstellen ist das Erzbistum Bamberg.

Der Grund für den Abzug sei der Priestermangel gewesen: Im Jahr 2016 wurden in Deutschland gerade mal 77 Priester geweiht, im Jahr darauf sogar nur 74. Dabei war, so sehen es die Regeln der katholischen Kirche vor, keine Frau. Für Kirchenbirkig zuständig ist seit 2017 der Pottensteiner Geistliche Dominik Urban. "Das ist für die Leute hier kein Problem", sagt Polster. Pottenstein liegt rund fünf Kilometer entfernt. Urban leite jeden Sonntagvormittag den Gottesdienst in Kirchenbirkig. Er bewohnt aber nicht das Pfarrhaus.

Das steht seit September vergangenen Jahres leer. Damals zog der Pastoralreferent aus dem Haus neben der Kirche aus. Seitdem haben sich die Kirchenbirkiger bemüht, sogar zwei Mal im Amtsblatt des Erzbistums inseriert auf der Suche nach einem Ruhestandsgeistlichen, der hier einziehen will – vergebens. Über das Amtsblatt der Stadt Pottenstein soll nun ein potenzieller Mieter gefunden werden. "Das muss kein Geistlicher sein. Wir können uns auch vorstellen, die Wohnung hier privat zu vermieten", so Polster.

Im Erdgeschoss wird nach wie vor das Pfarrbüro betrieben. Das soll auch so bleiben. Die Wohnung liegt im Obergeschoss des einstöckigen Hauses.

Dafür war das Haus nicht gedacht. 1993 gebaut und 1994 eröffnet, sollte das für fast eine Million Mark errichtete Gebäude den Pfarrer der benachbarten katholischen Kirche beheimaten. Ob es das jemals wieder tun wird, ist unklar, so Polster: "Das wird in Bamberg entschieden. Wer weiß, vielleicht bekommen wir ja auch jemanden aus dem Ausland."

Eines ist allerdings sicher: Das Pfarrhaus soll nicht verkauft werden. "Das würde nicht gehen, die Kirche steht ja unmittelbar daneben auf dem selben Grundstück", sagt der Kirchenpfleger. Bei einem Verkauf würde das größere Umbaumaßnahmen nach sich ziehen. Unter anderem müsste für das Pfarrhaus, das derzeit nur über das kirchliche Grundstück erreichbar ist, ein neuer Eingang gebaut werden.

Außerdem soll das Pfarrbüro weiter benutzbar sein. Das ist momentan von Sekretärin Veronika Speckner besetzt. Wird sich für das Obergeschoss ein Mieter finden? Konrad Polster gibt sich optimistisch: "Das Haus ist einwandfrei in Schuss, es gibt keine Schäden. Jeder, der es sieht, sagt, dass das ein schönes Pfarrhaus ist. Wer das hier mietet, bekommt eine sehr schöne Wohnung." Man habe nicht darauf gedrängt, einen Mieter zu finden, so der Kirchenpfleger: "Wir haben lange die Chance gewittert, dass hier noch ein Pastoralreferent rein kommt. Momentan sieht es aber nicht danach aus."

Eindeutige Signale aus Bamberg

Die Signale aus Bamberg seien eindeutig: Die Gemeinde könne mit dem Gebäude verfahren wie sie wolle. "Anscheinend gibt es da im Moment keine Pläne", sagt Konrad Polster resigniert.

Bereit halte man sich trotzdem: "Wir sorgen dafür, dass es nicht verkommt. Wir putzen die Fenster, machen sauber – alles, was wir können."

Das Haus ist

einwandfrei in Schuss, es gibt keine Schäden.

JULIAN SEIFERTH

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