14°

Freitag, 18.10.2019

|

Was macht die Katze im Lavendelfeld?

Die Püttlacher Autorin Hermien Stellmacher schreibt Romane und Kinderbücher - 05.05.2019 09:50 Uhr

Hier werden das putzige Häschen Moppelpo und die Katze im Lavendelfeld zum Leben erweckt: Die Püttlacher Autorin Hermien Stellmacher an ihrem Arbeitsplatz im heimischen Domizil.


Heute schreibt Stellmacher vor allem Romane für Erwachsene, doch angefangen hat sie als Illustratorin für Kinderbücher. Aufgewachsen in Amsterdam bekam sie das Zeichnen schon in jungen Jahren von ihrem Großvater beigebracht.

1974 erhielt ihr Vater, ein Sozialtherapeut, ein Jobangebot aus Naila, – und so zog die Familie aus den Niederlanden in den Frankenwald. Für die damals 15-Jährige nicht einfach, doch im Nachhinein hat sie die Entscheidung nicht bereut. Ein Grund: die vielfältige deutsche Sprache. "Meine Mutter hat immer gesagt: ‚Ich hoffe, dass du mal einen deutschen Freund hast, damit du deutsche Liebesbriefe bekommst‘", sagt hermien Stellmacher. Bevor sie mit der Sprache ihr Geld verdienen sollte, studierte sie Grafikdesign in Würzburg und begann ab den 1990er Jahren, als Illustratorin für Kinderbücher zu arbeiten.

Irgendwann wurden ihr die Texte, die sie illustrieren sollte, zu langweilig und sie fasste den Entschluss, es besser zu machen. Geklappt hat das ganz gut, über 60 Bücher hat sie inzwischen veröffentlicht. Ihr bekanntestes Werk ist die Reihe um den kleinen Hasen "Moritz Moppelpo", der im Laufe der Buchreihe lernt, ohne Windeln zurechtzukommen, alleine einzuschlafen und seine Zähne zu putzen.

Die Pappbücher für Kinder ab 18 Monaten sind in viele Sprachen übersetzt worden, dazu zählen Chinesisch, Katalanisch und Serbokroatisch. Warum ausgerechnet diese Reihe mit Verkaufszahlen im sechsstelligen Bereich "läuft wie geschnitten Brot", weiß Stellmacher selber nicht: "Es trifft einen Nerv, und ich habe keine Ahnung, welchen." Auf Amazon überbieten sich die Rezensionen begeisterter Eltern, auf Facebook hat die Moritz-Moppelpo-Seite fast 2000 Likes.

Nicht nur für die ganz Kleinen schreibt die 59-Jährige, auch Kinderkrimis und Jugendromane zählen zu ihrer Bibliografie. Kinder hat sie selber keine. Denn Stellmacher hat es gerne ruhig. Doch "das Kind in mir ist durchaus noch abrufbar", sagt sie und lacht. Irgendwann wurden ihr die Vorgaben im Kinder- und Jugendbuchbereich zu viel, schon ein Kuss schränkt die Altersspanne ein, für die der Verlag das Buch anbieten kann. Sie wollte endlich "ohne Handbremse schreiben".

Seit 2012 veröffentlicht sie deswegen auch Romane für Erwachsene. "Teilweise wechselhaft" und der Nachfolger "Überwiegend fabelhaft" spielen in der Fränkischen Schweiz. Hier hat sie eigene Erfahrungen vom Umzug aus Amsterdam nach Franken einfließen lassen.

Wie entsteht ein Buch bei Hermien Stellmacher? Zuerst braucht sie eine Idee, meistens komme bei ihr der Schluss zuerst. Im Wohnzimmer liegt immer ein Schreibblock parat. Später schreibt sie alles in eine "Hamsterdatei" auf ihrem MacBook, ehe sie eine Dramaturgie entwickelt.

Das passiert quasi am Reißbrett, in ihrem Arbeitszimmer hängt ein großer Szenenplan für die Handlung, an dem sich einzelne kleine Zettel befinden. Auf manchen steht "Plot-Point 1" oder "Pinch-Point 2", das sind die Punkte, an denen sich die Handlung wendet oder einen weiteren Kniff bekommt.

Nicht geplanter Makler

Jeder neue Einfall, sei es ein "Zeitungsartikel oder ein komisches Wort", wird abgetippt, bis sich aus vielen Einzelteilen eine Einheit entwickelt. Trotz der Struktur ist Platz für Überraschungen: "Ich plane normalerweise viel, aber im aktuellen Buch kommt in der ersten Szene ein Makler vor, den ich so nicht eingeplant hatte. Der Mann hat ein solches Eigenleben, dass er mein übernächstes Buch bestimmen wird." Nachdem die bisherigen Romane oft zur seichteren Unterhaltungsliteratur zählen, arbeitet sie gerade an einem ernsteren Thema. Worum es geht, möchte sie geheim halten, doch ihr Verlag sei vom Exposé sofort begeistert gewesen.

Am besten könne sie arbeiten, wenn sie tagelang nirgendwo hin müsse. "Da bin ich auch sehr unsozial in der Zeit", sagt Stellmacher und lacht. Ansonsten sei sie ein kommunikativer Mensch, sie schwärmt von Abenden in Bologna, den Menschen in England und in der Provence. Ihr aktueller Roman "Eine Katze im Lavendelfeld", der am 13. Mai erscheint, spielt in jener Region im Südosten Frankreichs: "Ich wollte immer mal ein Buch in dieser Landschaft spielen lassen, die ich sehr liebe und die viele schräge Leute hat."

Trotz der Katze im Titel geht es im Buch selber wenig um die Vierbeiner, die Namenswahl sei eine Entscheidung ihres Verlags Suhrkamp/ Insel. In anderen Büchern spielen Katzen eine größere Rolle, sogar ein Katzenlexikon hat sie mit ihrem Mann Joachim Schultz schon veröffentlicht. Die Faszination für die Tiere liege in deren Eigenheiten und teilweise skurrilem Verhalten. Auch Zazou dürfte seinen Teil dazu beitragen: Der Kater lebt seit Jahren im Püttlacher Autorenhaushalt und ist Stellmachers "Ghostwriter", wie sie sagt.

Und Zeichnen? Das mache sie gar nicht mehr, nur mittwochs, wenn sie an der FOS in Bayreuth Gestaltung unterrichtet, ist sie noch aktiv. Der Unterricht sei sehr praktisch, mit Frontalunterricht habe das wenig zu tun. Doch nach einem ganzen Tag Schule ist sie froh, wenn sie wieder im ruhigen Püttlach ist.

InfoAm 13. Mai erscheint "Die Katze im Lavendelfeld" 
von Hermien Stellmacher im Suhrkamp/Insel Verlag.

VON BENEDIKT SCHERM

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Püttlach