12°

Montag, 14.10.2019

|

zum Thema

Viel Platz in Zug und Bus - auch für Politiker

Zur Debatte über das Mobilitätskonzept reist Gros der Kreisräte mit Pkw und nicht mit dem ÖPNV an - 25.05.2019 11:55 Uhr

Die Zugverbindungen zwischen Nürnberg, Pegnitz und Bayreuth sind hervorragend. © Reinl


Freitag, 12.43 Uhr: Auf die Minute genau fährt der Regionalexpress am Pegnitzer Bahnhof ein. Er bringt den NN-Berichterstatter in 14 Minuten (!) nonstop nach Bayreuth. In weiteren drei Minuten Fußmarsch ist der Sitzungssaal des Landratsamtes erreicht, wo ein Mobilitätskonzept für den als Modellregion auserwählten Landkreis Bayreuth vorgestellt wird. Bis zum Sitzungsbeginn um 13 Uhr war sogar noch Zeit, um den Laptop zu starten und die Unterlagen einzusammeln.

Es wäre noch reichlich Platz im Zug gewesen, aber wie schon all die Jahre vorher, fuhr auch diesmal wieder kein Kreisrat aus Pegnitz mit. Aus alter Gewohnheit reisten sie im eigenen Auto, mit doppelter Fahrzeit, aber unter dem stereotypen Vorwand, wegen der Terminfülle sei das aus Zeitgründen nicht anders möglich.

Eine Minute länger als die Zugfahrt von Pegnitz nach Bayreuth hatte der Gutachter Zeit, Verbesserungsvorschläge für die Zeit bis 2030 vorzutragen, von der Optimierung des ÖPNV-Angebots generell bis hin zum E-Bürger-Taxi oder zu E-Carsharing. Wir wissen von Bürgermeistern auf der Jurahochfläche, die sich ehrenamtlich als Bürgerbusfahrer zur Verfügung stellten, das Gros der Politiker indes hat mit ÖPNV nichts am Hut. Sie fahren nicht mit dem Zug, erst recht nicht mit dem Bus. Auch in einem Anruf-Linien-Taxi haben wir noch keinen erblickt. Entsprechend dürftig ist das praktische Wissen. Gut erinnern wir uns an die Frage eines Pegnitzer Stadtrats: "Anruf-Linien-Taxi? Wie funktioniert denn das? Wird man da von zu Hause abgeholt?"

Da wundert es einen nicht mehr, wenn im Kreistag in Sachen Mobilitätskonzept vor allem die Frage diskutiert worden ist, ob man das Modellvorhaben, wie von der Kreisverwaltung vorgeschlagen, "zustimmend zur Kenntnis nehmen" sollte oder ob es zum Schutz vor Folgekosten nicht reiche, das 120-Seiten-Werk schlicht und ergreifend nur "zur Kenntnis" zu nehmen, ohne jede weitere wertende Aussage.

Auf der Pressebank wurde diese Wortklauberei auf die Spitze getrieben mit der Frage, ob es in Verdrehung der Wortfolge auch möglich sei, einem Vorhaben "ohne Kenntnis zuzustimmen". Sofort fielen den Kollegen Beispiele ein, wo das bisher schon praktiziert worden ist. Wir wollen jedoch nicht so gemein sein und den Räten eine Chance geben, dauert die Umsetzung des Mobilitätskonzepts doch über vier Jahre. Bis dahin fahren noch viele Züge und Busse nach Bayreuth. Platz ist da immer. Einfach mal ausprobieren.

ISI REINL

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Pegnitz, Bayreuth