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Montag, 21.10.2019

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Unterhaltsamer Geizkragen bei Königsteiner Theater

Laiendarsteller überzeugen bei Aufführung des Dreiakters "Der Pfennigfuchser" - 25.06.2019 09:00 Uhr

Belustigt beobachtet der Zwirnschwartner, wie die Zwagerin den geizigen Bertl umsorgt und ihm sogar das volle „Nachthaferl“ ausleert. © Foto: Karl Schwemmer


In einer Paraderolle war Hans-Jürgen Pirner als Bauer und Kiesgrubenbesitzer Bertl Dugg zu sehen. In seiner Hauptrolle kontrolliert er, nachdem sich der Vorhang geöffnet hat, wie viel Jungknecht Seppi (Marco Pirner), Jungmagd Liesl (Lisa Nübler) und Wirtschafterin Maries (Linda Hirsch) beim Erntedankfest mit Markt und Tanz von dem ausgegebenen Verzehrgeld verbraucht haben.

Jeder nicht durch Essen und Trinken verbrauchter Pfennig wird vom Bauern zurückgefordert. Schmollend lassen die Bediensteten diesen bereits gewohnten Sparwahn des Bauern über sich ergehen. Von den erhaltenen zwei Mark hat Seppi für Bier, Schweinebraten und Knödel 1,76 verbraucht und muss 24 Pfennig zurückgeben, die Liesl bekam 1,50, gönnte sich für 1,38 ein Bier und zwei Bratwürste und muss zwölf Pfennig zurückgeben. Zwar hatte sie sich für zwölf Pfennig ein Vogelpfeiferl gekauft, aber das muss sie aus der eigenen Geldbörse bezahlen. Diese Pfennigfuchserei ist für die Wirtschafterin Mare zu blöd und sie gibt dem Bauern ihre drei Mark ganz zurück. Bertl selbst war nicht aufs Fest gegangen, weil ihn das Geld reute.

Viele ähnliche Zeichen für den Geiz des Bertl erlebten die Gäste gleich im ersten Akt. Bei der Lieferung von einigen Fässern voller Kies sollen sie jedes Fass nachwiegen; neue Latten und Nägel für die Ausbesserung des Zaunes sind zu teuer; von der Zwagerin (Angela Brunner), einer unerwünschten Verehrerin, will Bertl nichts geschenkt, weil er sie für eine "Häuslschleicherin" hält, die nur auf sein Geld spekuliert.

Bertl stopfte gerade das Loch in seiner Schuhsohle mit Zeitungspapier, als ihn der Schuster und Schmied Zwirnschwartner (Günter Seibold) besuchte und ihm von Wirtshausgaudi, Festschmaus und Tanz erzählte. Doch für Bertl erntete er nur Unverständnis und wurde als "Freund des schönen Lebens" abgelehnt.

Daneben entwickelte der Bauer ständig neue Sparideen und zählte sogar die Blatt Papier fürs Klohäuserl ab.

Mal Beifall, mal Gelächter

Geprägt von Bertls grenzenloser Pfennigfuchserei waren auch die Dialoge und mancher Kommentar erntete mal Beifall, mal Gelächter. Auf Bertl Duggs Hof wurde jeder Pfennig dreimal umgedreht, bevor er ausgegeben wurde.

Der kaputte Zaun, eine herumliegende Zaunlatte und ein daraus herausstehender rostiger Nagel brachten die große Wende für das Stück. Da muss der Bader und Totengräber Wugg Endwartner (Jürgen Renner) geholt werden. Hinzu kommen die Krankenschwester Gibmera (Johanna Gebhard), die Kleiderspenden sammelt und für eine Baumaßnahme des Ordens um die Spende von Kies und Sand bat. Der neue Bankdirektor Karl-Gernot Nigel (Christian Hirsch), der Herrn Dugg ein Bankkonto und eine gute Geldanlage vermitteln will. Der Endwartner leistet erste Hilfe, diagnostiziert eine Blutvergiftung und kommt wenig später als Totengräber, um die Maße für den Sarg zu nehmen. Das Ergebnis: Bertl macht sein Testament….

Schon zur Begrüßung der Zuschauer und Ehrengäste hatte Günter Seibold, unter dessen Gesamtleitung und Regie die Darsteller des Königsteiner Bauerntheaters spielen, die Aktiven bei der Vorbereitung im Hintergrund benannt. Um Ton und Technik kümmert sich Paul Pesold, Kartenverkauf, Werbung und Platzbelegung organisieren Helga und Franz Bernt, in der Maske arbeiten Gerlinde und Michael Merk, Bühnenbild wie auch Kostüme fertigen Günter Tuchbreiter und Souffleuse Rosi Renner. Unter begeistertem Applaus stellte der "Chef" der Theatergruppe, Günter Seibold, am Ende der Aufführung die Darsteller und Souffleuse Rosi Renner vor.

InfoWeitere Aufführungen finden an den Sonntagen 23. und 30. Juni sowie am Samstag, 6. Juli (Ersatztermin Freitag, 5. Juli), statt. Die Vorführungen beginnen jeweils um 18 Uhr auf der Freilichtbühne im ehemaligen Pfarrgarten. Kartenreservierung bei Helga Bernt von Donnerstag bis Samstag, 17 bis 21 Uhr, Telefon (0 96 65) 3 28.

KARL SCHWEMMER

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