19°

Samstag, 15.06.2019

|

"Trompete zu lernen, hat viel Geld gekostet"

Blasmusik Kirchenbirkig erinnert sich an die bescheidenen Anfänge vor einem Vierteljahrhundert - 21.05.2019 21:21 Uhr

Blechblasmusik ist ihm eine Herzensangelegenheit: Alfons Neuner ist seit 25 Jahren Vorsitzender der Blasmusik Kirchenbirkig. Der heute 57-Jährige spielte schon in der frühen Jugend Trompete, seine Eltern ließen sich die Ausbildung einiges kosten. © Foto: Rosi Thiem


"Am Anfang war es nicht leicht", erinnert sich Neuner. "Wir konnten drei bis vier Lieder, die wir immer wieder übten. Damals sagten die Zuhörer oft zu uns: Spielt doch noch einen – doch wir konnten nicht mehr. Wir übten weiter, bis es einmal für einen Frühschoppen gereicht hat", grinst Neuner.

Vorreiter der Blasmusik war die sogenannte Kirchenmusik in Kirchenbirkig. Diese übernahm an kirchlichen Festtagen und Prozessionen die musikalische Ausgestaltung im Ort. Daraus entstand dann die Blasmusik. "Die Begleitung für die kirchlichen Anlässe ist bei uns auch heute noch selbstverständlich", so Neuner. Den Posten des Vorsitzenden hat er 1994 bei der Neugründung des Vereins übernommen. Sein Vorgänger bei der Kirchenmusik, Veit Lodes, hatte aus gesundheitlichen Gründen darauf verzichtet. "Ich habe das Amt damals übernommen und übe es immer noch aus, weil sich niemand dafür gefunden hatte. Aber ich bin gar nicht so wichtig", wiegelt Neuner ab.

Keine Quertreiber

Im Laufe der Jahre wuchsen sie zu einer schlagkräftigen Gruppe. "Wir haben auch großen Wert darauf gelegt, dass es nicht nur fachlich, sondern auch menschlich in der Gemeinschaft passt. Quertreiber können wir nicht gebrauchen", bemerkt der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder. Berührung mit der Blechblasmusik hat Neuner seit seinem zehnten Lebensjahr. "Die Ausbildung für ein Musikinstrument hat auch Anfang der 70er-Jahre schon viel Geld gekostet. Die Eltern mussten enorm sparen, damit ich in Forth bei Eckental Trompete lernen konnte. Ich glaube, so acht bis zehn Mark hat die Stunde gekostet, die von der Zeit her gar keine Stunde war – und später waren es dann 15 Mark."

Mit 13 Jahren durfte der heutige Vorsitzende bei den "Fränkischen Knospen" in der Kirchenmusik mitspielen. "Eine Zeit lang war mir dann das Fußballspielen wichtiger", gesteht er und erzählt, dass er gerne im Mittelfeld spielte. Im Laufe der Jahre wechselte Neuner die Trompete mit Tenorhorn und Bariton. Seiner Ehefrau Anneliese ist er dankbar, dass sie für seine Hobbys Verständnis hat: Früher war er auf dem Sportplatz, jetzt ist er bei Auftritten im Festzelt. Neuners Sohn Stefan spielt ebenfalls mit Flügelhorn und Trompete mit. Der 57-Jährige ist stolz auf seine Musiker. "Wir sind eine gute Gemeinschaft aus 13 Blechbläsern und drei Schlagzeugern, darunter sind drei Frauen." Mario Endres ist der Kassier und Notenwart, Johann Hofmann der Dirigent. Von den damals zehn Gründungsmitgliedern spielen fünf noch aktiv mit. Neuner muss nicht lange überlegen und zählt auf: Johann Hofmann, Mario Endres, Eduard Hofmann, Hans Brütting und er – Otto Spätling ist schon verstorben. Dieser hatte am Anfang die Noten besorgt. Dafür ist ihm Neuner heute noch dankbar. Die Anschaffungskosten für die Musikinstrumente seien im vergangenen Vierteljahrhundert auch teurer geworden.

Was aber ist das Schönste bei einem Auftritt? "Am Besten ist, wenn alles passt. Wenn dann noch Lob vom Publikum kommt, ist es herrlich. Wir bekommen da auch menschlich etwas zurück. Das motiviert uns, weiter zu machen", sagt Neuner, der Maschinenbauer ist. Gibt es auch etwas, das ihn ärgert? "Nicht viel, nur wenn etwas nicht klappt, oder wenn einer der Musiker zu spät kommt", räumt er ein.

Die 16 Musiker sind zwischen 17 und 65 Jahre alt und treffen sich im Winter einmal wöchentlich zum Proben, im Sommer, wenn auch die meisten Auftritte sind, alle zwei Wochen. "Wir hatten Glück mit unserem Probenraum im ehemaligen Schulgebäude. Die Stadt kam uns da entgegen. Wir können abschließen und die Instrumente stehen lassen. Das ist eine große Erleichterung", berichtet Neuner. Vorher nutze die Blasmusik kostenlos Räume der Firma Sebald. Die allerersten Proben hatten im Pfarrheim Kirchenbirkig stattgefunden. Dort mussten die Musiker ihre Instrumente jedoch immer wieder mitnehmen, erinnert er sich.

180 Stücke im Repertoire

Das Repertoire der Musikstücke sei inzwischen auf 180 gewachsen. Das macht Neuner stolz. "Es kommt auch selten Kritik vom Publikum und wenn doch, so kann man es ja das nächste Mal verbessern."

Er findet, dass sich die Einstellung zur Blasmusik in den vergangenen Jahren verändert hat: Die Menschen, gerade junge, kämen wieder auf die Volksmusik zurück. "Bei den Kerwas machen die jungen Leute wieder mit. Niemand wird belächelt. Auf den Festen ist diese Musik wieder aktuell geworden", so Neuner.

Was die Zukunft der Kapelle bringen mag? "So weit kann man nicht planen. Wir haben vor, weiter zu machen. Wir wollen schon noch etwas beieinanderbleiben. Ich bin glücklich, dass wir so eine Truppe haben, die gezeigt hat, dass in 25 Jahren kameradschaftlich und diszipliniert gearbeitet werden kann. Wer Interesse hat, bei uns mitzumachen, der kann sich gerne bei mir melden", sagt Neuner. Neben dem Marsch "Mein Heimatland", einer Polka von Ernst Mosch, gibt es noch ein Stück, das ihm besonders gut gefällt: "In deinen Armen. . ." 

ROSI THIEM

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Kirchenbirkig, Regenthal