10°

Dienstag, 16.07.2019

|

"Suizidamsel" und 24 Vorstrafen haben Folgen

Rentner aus dem südlichen Landkreis wegen Nachbarschaftsstreit zum wiederholten Mal vor Gericht - 10.05.2019 13:00 Uhr

Die Verhandlung am Amtsgericht Bayreuth begann ungewöhnlich. Der Angeklagte tauchte ohne seinen Verteidiger auf und warf dem Gericht vor, diesen nicht geladen zu haben. Am vorigen Tag habe er mit dem Anwalt noch telefoniert, der erst durch dieses Gespräch von der Verhandlung erfahren habe und das dann zeitlich nicht mehr habe einrichten können. Richter Alois Meixner reagierte mit Unverständnis: "Ich habe gestern noch mit ihm gesprochen und er sagte mir, dass er nicht kommt, weil Sie ihn nicht bezahlt haben."

Den Verteidiger nicht gezahlt

Die Tatsache, dass überhaupt eine Verhandlung stattfinden musste, hat an sich schon eine Vorgeschichte: Im Oktober vergangenen Jahres fand die Hauptverhandlung zu dem Fall schon einmal statt. Das Verfahren wurde damals gegen eine Zahlung von 800 Euro eingestellt. Die erste Rate ist im November bereits nicht gezahlt worden. Deshalb wurde das Verfahren im Februar wieder aufgenommen. Zur Begründung für das Ausbleiben der Zahlung gab der Angeklagte an, gehört zu haben, dass seine Nachbarin über den Prozess gesagt hätte: "Dem hab ich’s gezeigt. Meine Show war filmreif."

Als sie dann als Zeugin befragt wurde, konnte sich die Frau nicht mehr an alle Einzelheiten der inzwischen schon beinahe ein Jahr zurückliegenden Nacht erinnern. "Ich habe ihn mit einem Freund im Auto kommen sehen." Der Freund habe dann begonnen, auf ihr Grundstück zu urinieren. Sie habe dazu nichts gesagt. Die Frau des Angeklagten habe dann die Polizei gerufen und sie beschuldigt, den Mann fotografiert zu haben.

"Die beobachten mich"

Die gebürtige Polin wehrte sich vehement gegen den Vorwurf, sie würde eine Show abziehen, um dem Angeklagten zu schaden. Die schon während ihrer ganzen Aussage immer heftiger zitternde Zeugin gab an, dass sie große Angst vor ihrem Nachbarn hätte: "Er hat einmal gesagt, dass er wegen Leuten wie mir die NPD wählt. Die beobachten mich."

Als der Angeklagte sie befragen durfte, ging er die sichtbar angeschlagene Frau verbal an. Er warf ihr vor, ihm schaden zu wollen, bis er vom Richter unterbrochen wurde. Die Frau brach in Tränen aus und verließ nach ihrer Entlassung aufgelöst den Saal.

Einkommen verschwiegen

Staatsanwalt Jochen Götz sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte, der sein Einkommen nicht angab, seine Nachbarin als "Suizidamsel" bezeichnet hatte. Er forderte eine Geldauflage von 100 Tagessätzen zu je 30 Euro. Nachdem der Angeklagte in seinem Schlusswort zugab, das Wort zwar benutzt, aber nicht beleidigend gemeint zu haben, wertete Richter Meixner das versehentliche Geständnis trotz 24 Vorstrafen zu Gunsten des Angeklagten. Er verhängte eine Geldauflage von 50 Tagessätzen zu je 20 Euro.

Der Prozess vor Gericht wird wohl noch in die nächste Runde gehen: Der Angeklagte und seine Frau kündigten nach der Verhandlung an, dass "das hier" noch nicht vorbei wäre. jus 

jus

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Pegnitz