Mittwoch, 11.12.2019

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Statt eines "Bier-Kriegs" heute gelebte Freundschaft

Pegnitzer und Hofer feierten zum Auftakt des Marktplatzes zum 15. Mal gemeinsamen Schlappenabend - 19.07.2019 19:37 Uhr

Für Stimmung auf dem Festgelände am Schweinehirtendenkmal sorgten in bewährter Art die "Fregga". © Reinl


Wähnten die Hofer anfangs ihren Nationalfeiertag durch die Pegnitzer Konkurrenz in Gefahr, so konnte eine extra nach Pegnitz entsandte Stadtrats-Kommission schnell Entwarnung geben. Der damalige Pegnitzer Bürgermeister, selbst ein gebürtiger Hofer, vermittelte und so konnte zusammen mit der Hofer Privilegierten Scheibenschützengesellschaft alsbald die Friedenspfeife geraucht werden. 

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Schlappenabend eröffnet Pegnitzer Marktplatzfest

Bereits zum 15. Mal stellten Pegnitz und Hof gestern beim gemeinsamen Schlappenabend rund um das Schweinehirtendenkmal zum Auftakt des dreitägigen Marktplatzfestes ihre Städtefreundschaft unter Beweis. Hierzu war aus „Bayern ganz oben“ wieder eine stattliche Abordnung unter Führung von Oberschützenmeister Günter Hornfeck umweltfreundlich mit dem Zug angereist. Auch der aktuell amtierende Hofer Schlappenkönig Dieter Gelbrich war zur Freude von Bürgermeister Uwe Raab und Altbürgermeister Manfred Thümmler, einem der Gründerväter der freundschaftlichen Verbindung, mit von der Partie. Zentraler Bestandteil der Veranstaltung ist der Ausschank von Original Hofer Schlappenbier zu zünftiger Musik der „Fregga“, die die Gäste gegen Mitternacht traditionsgemäß wieder zum Bahnhof hinausspielten. Nicht nur die Hofer waren begeistert: „Das ist gelebte Partnerschaft, nicht von oben herab diktiert, sondern von den Bürgern initiiert“.


Gestern nun stellten Pegnitz und Hof beim inzwischen schon 15. gemeinsamen Schlappenabend rund um das Schweinehirtendenkmal zum Auftakt des dreitägigen Marktplatzfestes ihre Städtefreundschaft eindrucksvoll unter Beweis. Hierzu war aus „Bayern ganz oben“ wieder eine stattliche Abordnung unter Führung von Oberschützenmeister Günter Hornfeck umweltfreundlich mit dem Zug angereist. Auch der aktuell amtierende Hofer Schlappenkönig Dieter Gelbrich war zur Freude von Bürgermeister Uwe Raab und Altbürgermeister Manfred Thümmler, einem der Gründerväter der freundschaftlichen Verbindung, mit von der Partie. 

Die Hofer Freunde ließen sich nicht nur das Original Hofer Schlappenbier, sondern auch die fränkischen Spezialitäten aus der Küche von Schlappenwirtin Waltraud Meyer schmecken. © Reinl


Zentraler Bestandteil der Veranstaltung ist der Ausschank von Original Hofer Schlappenbier zu zünftiger Musik der „Fregga“, die die Gäste gegen Mitternacht traditionsgemäß wieder zum Bahnhof hinausspielten. Nicht nur die Hofer waren begeistert: „Das ist gelebte Partnerschaft, nicht von oben herab diktiert, sondern von den Bürgern initiiert“. 

Zum Schlappenabend ist wieder eine stattliche Abordnung mit dem Zug aus Hof angereist. © Reinl


Entstehungsgeschichte der Freundschaft

Wie ist die später von der Oberfrankenstiftung geadelte Bürger-Verbindung eigentlich entstanden? Ein eher belangloses Pausengespräch zweier Fachschülerinnen in Bayreuth leistete „Geburtshilfe“: Stefanie Reinl aus Pegnitz erzählte vom „Schlappenwirt“, ihre Hofer Freundin Monika Greim vom „Schlappentag“. Diese Parallelen sind ja „echt cool“, meinten nicht nur die Töchter, sondern auch die Väter, auf der einen Seite Karl Greim, der frühere Chef der Hofer Zeltbräu, die für das ebenso berühmte wie starke „Schlappenbier“ verantwortlich zeichnete, auf der anderen Seite der damalige NN-Redaktionsleiter Richard Reinl, stets darum bemüht, die fränkische Biertradition zu pflegen. 

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Pegnitzer Freunde zum 15. Mal beim Schlappentag

Die Städtefreundschaft zwischen Pegnitz und Hof lebt. Bereits zum 15. Mal besuchte jetzt eine stattliche Abordnung mit Bürgermeister Uwe Raab und Altbürgermeister Manfred Thümmler an der Spitze den traditionellen Schlappentag, eines der ältesten Schützenfeste der Republik. Bevor sich ein langer Zug durch die Stadt „in Bayern ganz oben“ bewegte, wurde in einer szenischen Inszenierung auf der Bühne die Geschichte des Festes, das auf die Hussitenkriege zurückgeht, nachgespielt. Raab, der wieder als einziger Gastredner zugelassen war, betonte, dass auch die Pegnitzer nicht in kriegerischer, sondern in friedlicher Absicht gekommen seien, um mit ihren Freunden bei der einen oder anderen Maß Schlappenbier ein paar vergnügte Stunden zu verbringen. In einem Monat schon, am Freitag, 19. Juli, kommen die Hofer zum Gegenbesuch, wenn beim Schlappenwirt in Pegnitz der Schlappenabend steigt. Foto: Richard Reinl


Ein Telefonat genügte und schon war das „Schlappenbier“ für den Pegnitzer „Schlappenwirt“ gesichert. Es sollte eine Gaudi sein und es war schließlich auch eine: Noch heute schwärmen die Teilnehmer vom „1. Pegnitzer „Schlappentag“ im Traditionslokal „Schlappenwirt“. Nur die Hofer witterten anfangs Verrat an ihrem „Nationalfeiertag“ und warnten sogar vor einem drohenden „Schlappen-Krieg“.

Obwohl die Pegnitzer alles andere wollten als einen „Bier-Krieg“, marschierten sie ein Jahr später doch in Hof ein, allerdings „nur“ beim „Schlappentag“-Festzug. Mit ihrem in Hof aufgewachsenen Bürgermeister Manfred Thümmler hatten sie auch gleich einen „Friedensrichter“ mitgebracht. Als dieser auch noch versprach, jedes Jahr eine Blaskapelle aufzubieten, solange er im Amt sei, war das Eis gebrochen. Aus dem nie ausgebrochenen Bierkrieg war eine Bierfreundschaft geworden. Die Hofer Bürger waren begeistert, grüßten die Pegnitzer beim Festzug mit Transparenten und stellten mit jedem Schluck „Schlappenbier“ neue verwandtschaftliche Verbindungen zwischen den beiden Städten fest.

Thümmler seinerseits lud die Hofer zum Stadtjubiläum nach Pegnitz ein und zahlte jedem Gast eine Maß Bier, insgesamt rund drei Hektoliter. Die Städtefreundschaft – längst vom Pegnitzer Stadtrat offiziell bestätigt - war geboren.

Seither rückt Pegnitz alljährlich mit einer Hundertschaft beim „Schlappentag“ an, die Hofer Schützen revanchieren sich mit Gegenbesuchen. Wer einst einen Bierkrieg fürchtete, sollte sich ein Zitat des Hofer Schützenmeisters Günter Hornfeck auf der Zunge zergehen lassen: „Seit  nunmehrfast 590 Jahren begeht Hof voller Stolz seinen ,Schlappentag´. Der schönste ,Schlappentag´ aber ist für uns alljährlich der in Pegnitz, weil wir da unbeschwert und frei von allen organisatorischen Aufgaben feiern können“. 

ISI REINL

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