Freitag, 24.05.2019

|

Söder ehrt Organisten und Tafel-Mitbegründerin

Lob für den Einsatz von Heinz Stieg aus Plech und Heidi Weidel aus Pegnitz. - 28.03.2019 13:00 Uhr

Das Ehrenzeichen von Ministerpräsident Markus Söder erhält der Bernhecker Kirchenorganist Heinz Stieg für seine 66 Jahre Dienst an der Orgel. © Foto: Frank Heidler


In der Singstunde des Männergesangvereins muss der gesundheitlich angeschlagene Heinz Stieg zur Zeit pausieren. Auf der Orgelbank in der katholischen Kirche von Bernheck gibt es für den Freizeit-Organisten aber keinen Ersatz. "Ich mache das, so lange ich noch kann."

Das Repertoire für den nächsten Sonntagsgottesdienst kennt er längst in- und auswendig, hat es aber "als Gedächtnisstütze" in ein kleines, neben der Orgeltastatur bereit liegendes Notizbuch verewigt. Vor 27 Jahren hat der Senior in der Pfarrgemeinde auch noch die alleinigen Mesnerdienste übernommen. Nur aufs Rasenmähen rund um die Kirche muss er aus körperlichen Gründen mittlerweile verzichten.

Seine musikalischen Anfänge hatte der Bernhecker in Pegnitz beim Altmeister volkstümliches Klänge, bei Fritz Pastyrik. "Bei ihm lernte ich Schifferklavier spielen." Damals war er ein Steppke von gerade einmal acht oder neun Jahren.

Bernheck hatte damals noch keine eigene katholische Kirche. Denn diese wurde erst im Jahr 1953 eingeweiht.

Für den damaligen Bernhecker Kaplan und späteren Hohenmirsberger Pfarrer Georg Popp war klar: "Wer Schifferklavier spielt, kann auch Orgel lernen." Gesagt, getan.

Eine Plecher Musiklehrerin leistete Schützenhilfe. Und so kam Heinz Stieg mit elf Jahren zu seinem lebenslangen Nebenjob als ehrenamtlicher Organist.

In seinen Anfangsjahren als Organist musste er noch mit einem Harmonium als Instrument im Gottesdienst Vorlieb nehmen. Während die beiden Hände über die Tasten flitzten, musste er mit den Füßen einen Blasebalg bedienen — denn sonst wären seine harmonischen Bemühungen unhörbar geblieben.

Inzwischen steht aber eine elektrische Orgel auf der Empore des kleinen Kirchleins. Die Zahl der versammelten Gläubigen hat sich inzwischen auf bescheidene 20 bis 40 Seelen pro Sonntagsgottesdienst eingependelt.

Erreichbar ist Stiegs "Arbeitsplatz" hoch über dem Kirchenvolk über eine eng gewundene Holztreppe. Aus Unachtsamkeit hätte der ihn begleitende Reporter beinahe den "Lichtschalter" an der Wand betätigt. "Das ist die Wandlungsglocke", erklärt der berufserfahrene Organist zur Liturgie des meist knapp einstündigen Gottesdienstes.

Zu den Hits der Kirchenbesucher gehören Lieder wie "Preist den Todesüberwinder" an Ostern oder "Ich sehe dich o Jesu schweigen". Spontaner Einwurf von Ehefrau Annerose Stieg: "Das gehört zur Fastenzeit."

Mit katholischem Liedgut kennt sich auch Heidi Weidel, Tafel-Gründungsmitglied und langjährige Hausmeisterin im katholischen Pfarrzentrum in Pegnitz, bestens aus.

"Ich war nie Tafel-Vorsitzende", wehrt sie bescheiden ab, hat aber bis zum Vorjahr wöchentlich mindestens 20 Arbeitsstunden für dieses Projekt geleistet. Das heißt: Jede Menge Kistenschleppen beim Ausladen von (fast) abgelaufener Ware und dem anschließenden Sortieren. An mehreren Tagen pro Woche und immer oft im Team mit den Fahrern und anderen ehrenamtlichen Helfern. "Das schaffe ich jetzt aber nicht mehr."

Einige Jahre hat sie sogar noch mit ihrem Privatauto die Tafel-Waren kreuz und quer in Pegnitz ausgeliefert. Inzwischen hat die evangelischmethodistische Kirchengemeinde diesen zeitaufwändigen Liebesdienst übernommen.

Weidel erlebte die Anfänge der Pegnitzer Tafelarbeit. "Zuerst kamen die Aussiedler." So um die 20. Erst viel später auch die Einheimischen, als diese merkten, dass die Tafel-Helfer in ihrer Hilfe diskret blieben. Weidel: "Da ist man auch Beichtvater."

Inzwischen werden durch die Pegnitzer Tafel regelmäßig 80 bis 100 Personen versorgt. Das waren in Spitzenzeiten auch schon mal 120.

Gerade vor Weihnachten begleitete Heidi Weidel Bedürftige auch bei Einkaufstouren — oft Stiefel und Jacken "Das Geld gab mir der damalige Pfarrer Franz Reus." Auch aus der NN-Hilfsaktion "Schmücken und Helfen" wurden Spenden beigesteuert.

Mittlerweile hat die früher unermüdliche Tafel-Aktive fast alle ihre Ämter abgegeben. "Ich mache nur noch die Kleiderkammer im katholischen Pfarrzentrum." 

FRANK HEIDLER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Plech