Mittwoch, 20.11.2019

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Revanche beim Sushi-Essen: "Kinder in Biafra wären froh"

Kabarettist Mäc Härder gastierte bereits zum zehnten Mal in der Teufelshöhle - 17.06.2019 07:28 Uhr

Feierte ein kleines Jubiläum in der Teufelshöhle: Kabarettist Mäc Härder kam bei seinem zehnten Auftritt in dem kühlem Felsgewölbe unter anderem mit einem schrill-bunten Anzug mit Grafikmuster auf die Bühne.


"Wir hatten in der Rhön als Kinder nichts", erinnert sich Kabarettist Mäc Härder, der am Wochenende in der Teufelshöhle zum zehnten Mal gastierte. "Die in Biafra wären froh, wenn sie so was zu essen hätten – das war der Killersatz meiner Kindheit. Den musste ich mir ständig anhören, wenn mir das Essen der Mutter nicht schmeckte." Gerächt hatte er sich, so Mäc Härder, als er in der Studentenzeit seine Eltern zum Sushi-Essen einlud: Es schmeckte ihnen auch nicht und er wiederholte den Tenor aus seinen Kinderjahren: "Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Die in Biafra wären froh, wenn sie so etwas zum Essen hätten."

In seinem zweistündigen Programm nimmt er die zahlreichen Zuhörer mit auf eine Wortspielreise. Er lässt fast keine Zielgruppe mit seinem neuen Soloprogramm "Wir haben nicht gegoogelt, wir haben überlegt" aus. Er ist selbst Franke und in Wollbach bei Bad Neustadt aufgewachsen. Seit vielen Jahren wohnt Härder in Bamberg und nimmt gerne seine Artgenossen unter die Lupe. Die Maßeinheiten etwa seien in Franken anderes definiert, scherzt er. Ein kleines Längenmaß sei "a Wengla" und "grad so ned". Interessant sei die Steigerung dazu: "Ums Arschlecken".

Brexit übersetzt Härder mit "Verabschieden, ohne zu gehen" oder als deutsche Übersetzung: der Seehofer. Als Vater pubertierender Töchter versteht Mäc Härder nicht, warum diese ihr Essen posten. Er vergleicht sie mit Spinnen, die ihre Beute ins Netz stellen. Geschickt versteht es der Kabarettist, das Publikum mitzunehmen und erkundigt sich ab und an in der Menge. So fragt Härder spontan nach Gruppensex in einer fränkischen Bäckerei. Keiner weiß die Antwort und so löst er auf: drei Schnecken auf einem Amerikaner. Alle lachen und sind dabei.

Dann kommt Pressig im Landkreis Kronach in den Fokus des Komikers. Ein Mann möchte nach Paris. Er steigt in den Bus und fährt bis Kronach. Von da aus mit dem Zug nach Lichtenfels – Bamberg – Würzburg – Frankfurt und dann mit dem TGV nach Paris. Das gleiche später zurück Paris – Frankfurt – Würzburg . . . Pressig. Dem Mann hatʼs gefallen, nur sagt dieser: "Paris ist arg schön, nur leider ,a Wengʻ abgelegen." So sind sie halt die Franken – bodenständig und selbstbewusst.

Für Thomas Bernard, den Tourismusleiter in Pottenstein, bestehen die Kontakte zu Härder schon über Jahrzehnte. "Das ist eine Veranstaltung, die sich rechnet." Viele Besucher kämen aus dem Umkreis von den Nachbargemeinden und Städten, und ein Großteil der Karten werde inzwischen online verkauft. "Das letzte Mal war der Kabarettist beim Marktplatzfest 2018 in Pottenstein. Sein Programm ist nie gleich."

Nach der Pause wechselt der Komiker seinen kobaltblauen Satinanzug gegen einen schrill-bunten Anzug mit Grafikmuster und eine passend grüne Neonbrille. Diese sei, wie er sagt, von seinem Optiker gesponsert. Als nächstes brauche er ein Hörgerät. . . Es sitzt an dem Abend aber leider kein Akustiker im Publikum, wie Härder sich überzeugt und damit die Aufmerksamkeit einheischt.

Wenn Mäc Härder mit drei Flaschen jongliert, dann haben diese auch Namen: Trump, Erdogan und Putin. Immer schneller wirft er die langen Plastikflaschen durch die Luft. Mal auf der Nase herumtanzend, mal unter der Gürtellinie fliegend – vergleicht er die Politiker – mit seinen Langhalsflaschen.

Jonglage mit den Mächtigen der Welt

Geschickt bringt Härder die mit seinen Flaschen die Mächtigen der Welt in Wortverbindungen. Er ahnt, dass die leeren Flaschen auch weiterhin an der Macht bleiben könnten: "Ich freue mich, wenn Trump in eineinhalb Jahren weg ist, doch befürchte ich, dass er als Springteufel und Stehaufmännchen wiedergewählt wird." Der Applaus aus der Menge ist dem Kabarettisten sicher.

Härder, Gründungsmitglied des TBC, ist längst auf der Bühne angekommen, von der er hauptberuflich leben kann. "Meine Stücke kann ich auswendig. Das Publikum nehme ich spontan mit", verrät er.

So vergleicht er Rentner, Sonntagsfahrer und AfDler. Deren Partei liege ihm neben der CSU stark am Herzen, erklärt Härder: "Jedes vierte AfD-Mitglied ist genauso blöd wie die übrigen drei", stellt er fest und ist schon bei den Frauen. "Was sagt ein Franke zu einer Frau, die ein hässliches Kleid anhat? Isʼ amol wos anders und Respekt bei der Figur." Die Rentner nimmt Härder dann noch einmal aufs Korn, weil sie nie Zeit hätten. Unterdessen besinnt er sich scheinbar: "Diese Nummer kann ich nicht mehr lange spielen, weil ich in zehn Jahren auch dazu gehöre." Dann wechselt Härder schnell das Thema.

Die Oberpfälzer kommen ebenfalls nicht ungeschoren davon: Sie sollten in Zukunft langsamer sprechen. Gedanken mache er sich über sein Passwort, dass er zum Computereinschalten braucht. "Das steht bei mir im Computer und ist wie das Enteiser-Spray, das im Handschuhfach liegt." Selbst bezeichnet sich Härder als einen "digitalen Deppen".

Wenn ein Witz nicht gleich ankommt, verspricht er zu warten: "Ich habe Zeit und mir heute freigenommen. Der kommt schon noch. . ."

Die in warme Jacken gehüllten Besucher nimmt er alle mit, als er Werbespots im Chor aufsagen lässt. So erinnert sich jeder noch an die Clementine von . . ., an die Gardine mit der Goldkante . . ., an die Käsefrau aus Holland und Herrn Kaiser von der Versicherung . . .

Eng wird’s dem Mäc Härder, wenn sein Freund Klaus verspricht, den Computer zu reparieren: "Den krieg mer hin. . ." Da kommt der Gast auf seinen fünften Auftritt in der Teufelshöhle zu sprechen: "Den Applaus holte sich damals eine zufällig vorbeirennende Maus. Das Publikum tobte – nicht wegen mir, sondern wegen der Maus." Diesmal gilt der langanhaltende Beifall am Ende jedoch ganz klar dem Kabarettisten und er verspricht, wieder zu kommen.

ROSI THIEM

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