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Plankenfels neue Wahlheimat für Weltklasse-Kletterin

Neuseeländerin Mayan Smith-Gobat in Fränkischer Schweiz sesshaft — Revier vor der Tür - 02.09.2018 20:19 Uhr

Neuer Lebensmittelpunkt: Mayan Smith-Gobat mit ihrem Freund Mario auf dem Reiterhof in Plankenfels. © Foto: Dieter Jenß


Auch die Leidenschaft zu Pferden hat Smith-Gobat letztlich nach Plankenfels geführt. Denn im Mai 2018 erwarb sie den Reiterhof von Helmut Leikam. Das Plankenfelser Urgestein, das erst kürzlich seinen 80. Geburtstag feierte, hatte seine abseits, aber trotzdem in dörflicher Nähe gelegene Anlage im Internet zum Kauf angeboten. "Es hat sich einfach so ergeben", sagt Mayan Smith-Gobat. "Wir haben uns schnell geeinigt, sodass der bisherige Standort für die Pferde in Hundsdorf bei Obertrubach aufgegeben werden konnte."

Mayan Smith-Gobat ist in Neuseeland aufgewachsen, nachdem ihre aus der Pfalz stammende Mutter einen Neuseeländer geheiratet hatte. Neben der Staatsangehörigkeit ihres Mutterlandes hat sie auch den deutschen Pass. Die Pfalz ist im Übrigen eine Art Heimat für sie geworden, an dem sie immer wieder zurückkehrt, nachdem die Zwillingsschwester ihrer Mutter dort lebt. Geboren ist sie in Mt. Cook/Neuseeland, und zur Waldorfschule ging sie in Hastings. Nachdem sie die Schule abgeschlossen hatte, widmete sie ihr Leben zunehmend dem Sport. "Zunächst hat mir das Skifahren unter extrem schwierigen Bedingungen tierisch Spaß gemacht", erzählt die Neu-Plankenfelserin, die sich bereits kurze Zeit nach dem Schulabschluss als Profi-Skifahrerin tollkühn die steilsten Abfahrten hinunterstürzte.

Das Skifahren, das sie bereits als Kind beherrschte, gab sie als Profifahrerin im Alter von 21 Jahren nach einem schlimmen Unfall auf. Sie war auf einer Abfahrt in einen Baum gestürzt und hatte sich dabei den Kiefer und beide Füße gebrochen.

Mit Risiken verbunden

Der Pferdesport war eine weitere Herausforderung für sie. Und so ganz nebenbei kam mit 16 Jahren das Klettern dazu. Das sei natürlich mit gewissen Risiken verbunden, sagt Smith-Gobat. Aber ihr können die Schwierigkeiten, die sie dabei meistern muss, nicht groß genug sein. Seit zehn Jahren lebt die Neuseeländerin vom Klettern. Zu ihren Sponsoren gehören große Sport- und Klettermarken. Für sie ist Smith-Gobat das Gesicht des Klettersports.

Es gibt nicht viele Frauen weltweit, die im Klettersport so weit gekommen sind. "Das Klettern hat auch meine Persönlichkeit geprägt. In der Schule war ich immer eher ruhig und zurückhaltend. Erst durch das Klettern habe ich zu meiner inneren Stärke gefunden", sagt die 38-Jährige. Engagement und Entschlossenheit – diese beiden Eigenschaften haben Mayan Smith-Gobat zu dem gemacht, was sie heute ist: eine der angesehensten Kletterinnen der Welt.

In ihrer Karriere gab es auch Rückschläge. Doch für sie ist jeder Rückschritt auch ein Schritt nach vorne. Verletzungen, schlechtes Wetter und mentale Blockaden haben sie oft am Weiterkommen gehindert, aber Mayan Smith-Gobat gab nie auf. Beispiel 2016: Am "Riders on the Storm", einer Route durch eine 1300 Meter hohe Wand auf der Ostseite der Torres del Paine Berggruppe in Patagonien, Chile. Nach ihrer Schulteroperation bei einem Spezialisten in Bamberg und monatelanger Reha startete sie den ersten Versuch 2016.

Die freie Begehung der gesamten Route gemeinsam mit Kollegin Ines Papert war das Ziel – etwas, das vor ihnen noch niemand gewagt hatte. Lange Zeit sah es so aus, als ob sie ihr Ziel erreichen könnten, doch schlechtes Wetter ließ sie ihr Vorhaben vor den letzten zwei Seillängen abbrechen. Mayan Smith-Gobats Entschlossenheit, Schwierigkeiten zu meistern, zieht sich durch ihre Karriere. Aber auch ihre Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen, hat ihren Weg an die Spitze des Sports mitgestaltet. Viele Beispiele erfolgreich zurückgelegter Touren, ob im Qingfeng Valley, im Umland von Chinas größtem Nationalpark Zhangjiajie, neue Routen zu erschließen oder im Mount Arapiles im westlichen Australien.

Im vergangenen Jahr entdeckte sie ihre Liebe zu Pferden wieder und wurde durch Freunde auf die Fränkische Schweiz als Klettergebiet aufmerksam. Im Reiterhof in Plankenfels ist Platz für acht Pferde. Von den derzeit sieben untergebrachten Pferden sind zwei ihre eigenen. Unterstützt wird sie bei der Arbeit von Freunden und ihrem Lebensgefährten Mario, ebenfalls ein leidenschaftlicher Kletterer. Mittlerweile trainiert sie auch Pferde. Wenn sie in der Fränkischen Schweiz zum Klettern unterwegs ist, steht abends die Arbeit im Pferdestall noch an. Als Nächstes will sie noch einen neuen Reitplatz einrichten.

DIETER JENSS

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