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Pegnitz: Kleine Stadt mit großer Brillen-Auswahl

Optiker profitieren vom großen Einzugsgebiet: Kunden aus der Fränkischen Schweiz und der Oberpfalz - 15.06.2019 16:00 Uhr

In Pegnitz teilen fünf Optiker den Umsatzkuchen untereinander auf. Der Markt ist umkämpft – aber noch findet jeder seine Nische. © Foto: Sven Hoppe/dpa


Es ist eng in der Stadt. So wirkt es zumindest bei einem Blick auf die Zahlen. Gleich fünf Brillengeschäfte teilen in Pegnitz den Markt unter sich auf. "Früher", erklärt Alexander Lotz, "gab es die Grundregel: auf rund 4000 Einwohner kommt ein Optiker. Das hat sich geändert." Lotz ist Chef von Wagner Optik.

Auch die Gesundheitsreform aus dem Jahr 2003 hat ihren Anteil an einer Veränderung im Brillensektor. Seit der Reform müssen die Krankenkassen nur noch Kindern unter 18 Jahren sowie schwer sehbeeinträchtigten Versicherten unter die Arme greifen. In der Folge wurden Brillen mehr zu einem Luxusgut als vor der Reform – der Besitz einer Brille wurde deutlich stärker zu einer Geldfrage.

"Das hat unsere wirtschaftliche Lage zunächst verschlechtert", sagt Lotz. Inzwischen habe sich die Lage aber erholt. Zustimmung kommt von Sigrid Altkofer, die Optik Altkofer betreibt: "Wir kommen zurecht. Der Kuchen ist aus meiner Sicht groß genug für jeden."

"Eigentlich ist die Stadt zu klein für uns alle", so Lotz. Allerdings profitieren die Pegnitzer Optiker von einem verhältnismäßig großen Einzugsgebiet, erklärt Altkofer: "Das gleicht das ein bisschen aus. Wir haben ja ein Gebiet zu versorgen, das geht bis tief in die Fränkische Schweiz und die Oberpfalz hinein."

Wer die Enge des Geschäfts auf einen Blick sehen will, dem sei ein Besuch am Bahnhofsteig empfohlen. Nach nur wenigen Schritten von der Bahnhofstraße kommend, steht man zwischen dem Brilleneck auf der rechten und einem Haus auf der linken Seite. In dem sind gleich zwei Konkurrenten beheimatet, nämlich Optik Mösinger und Wagner Optik.

"Wir sind hier auf sehr engem Raum zusammen", sagt Jens Iberl vom Brilleneck. "Das sind ja drei Optiker auf 30 bis 50 Metern." Der Markt werde spürbar umkämpfter, aber man müsse die Situation so nehmen wie sie sei. "Ein größerer Anteil wäre natürlich jedem lieber, aber Pegnitz ist nun mal keine Großstadt."

Iberls Nachbar Horst Meyer von Optik Mösinger sieht die Entwicklung allerdings nicht nur in Pegnitz: "Das ist kein Einzelphänomen hier. In Forchheim gibt es unzählige Optiker." Und tatsächlich: Wer einmal durch die Forchheimer Fußgängerzone läuft sieht inklusive Nebengassen nicht weniger als sechs Brillenläden – auf einer Länge von knapp 500 Metern.

Meyer hat auch eine Erklärung dafür, warum es heute mehr Optiker gibt als in früheren Jahren: "Früher hat man zwingend die Meisterprüfung gebraucht, um sein eigenes Geschäft aufmachen zu können. Heute gibt es da ein Hintertürchen." Man könne sich zur Prüfung der Handwerkskammer anmelden und dann nicht teilnehmen. Wenn man in der Zeit zwischen der Anmeldung und der nicht abgelegten Prüfung ein Geschäft eröffne, bekäme man dennoch eine Ausnahmegenehmigung ausgestellt.

Stellen die vielen Optiker ein Überangebot dar? Jens Iberl vom Brilleneck sieht das nicht so: "Jeder hat so seinen Stammoptiker, mit kleineren Wechseln hin und wieder." Jeder habe so seine eigenen Modelle, seinen Stil, seine Klientel. "Die Kunden haben die Auswahl, dorthin zu gehen wo sie sich am besten fühlen." Niemand müsse aus Pegnitz raus fahren und beispielsweise in Bayreuth einen Optiker suchen – in anderen Feldern sei das ja nicht so.

Eine andere Folge der vielen Optiker in der Stadt ist die Abwesenheit einer großen Kette wie Fielmann. "Ich bin zwar Lizenznehmer eines Onlinehändlers, aber die Ketten kommen mit ihren Filialen nicht hier her. Dafür ist der Markt inzwischen einfach zu klein", so Meyer. Über den Weg der Branche sagt er nur: "Klar wird es schwieriger – das ist überall so. Aber ich bin jetzt 60 Jahre alt und für mich passt das."

Mehr modisches Accessoire

Eine weitere Nachwirkung der Reform von 2003: Brillen würden weniger als medizinische Notwendigkeit und mehr als modisches Accessoire gesehen, so Sigrid Altkofer. "Es kommt schon mal vor, dass Kunden zwei oder mehr Brillen kaufen, weil sie sich nicht entscheiden können." Wer keine Brille braucht, der kaufe sich allerdings auch keine mehr – der Trend zur Nerdbrille mit Fensterglas sei zu Ende.

Trotz der offensichtlichen Konkurrenz sei das Verhältnis untereinander sehr gut, sagt Altkofer: "Wir haben keine Probleme miteinander. Man trifft sich, man unterhält sich. Alle sind freundlich zueinander." Uwe Stöckmann, Inhaber von Optik Stöckmann, war auf Nachfrage nicht zu erreichen. 

JULIAN SEIFERTH

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