Samstag, 14.12.2019

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Pegnitz: Die ganze Welt war mondsüchtig

Vor 50 Jahren betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Projekt Apollo 11 war ein globales Fernsehereignis. - 17.07.2019 18:42 Uhr

Der US-Astronaut Buzz Aldrin steht auf der Mondoberfläche, nachdem er verschiedene Gerätschaften für Experimente aufgebaut hat. Hinten im Bild ist die Mondlandefähre „Eagle“ zu sehen. Zusammen mit Neil Armstrong, dem ersten Menschen auf dem Mond, sammelte Aldrin Mondgestein ein. © Nasa/dpa


Nachdem die Landefähre von Apollo 11 im Mare Tranquillitatis (Meer der Ruhe) aufgesetzt war, begann das Warten. In Deutschland saßen am Abend des 20. Juli 1969 Millionen Menschen vor den Fernsehern. Weltweit sollen es 600 Millionen gewesen sein. Viele Haushalte hatten sich extra ein Gerät angeschafft, um live mitzuerleben, wie der erste Mensch den Mond betritt. Wer noch keinen TV-Apparat besaß, machte es sich bei Nachbarn bequem, bei denen schon einer im Wohnzimmer stand.

Uwe Nikol (54) war vor 50 Jahren noch zu jung, um sich an das historische Großereignis erinnern zu können. "Nur an die allgemeine Aufregung", meine er sich noch zu erinnern. Er ist schon gespannt darauf, was über jene Nacht die Leute erzählen, die heute Abend (21 Uhr) zur Veranstaltung des Astronomievereins ins Gymnasium Pegnitz kommen. Was ihm an der Liveübertragung damals gefällt: "Jeder hatte das Gefühl, das passiert jetzt, ist nicht erfunden, sondern echt."

Während des gut zwölfminütigen Landemanövers funkt Armstrong zudem: "Ziemlich felsige Gegend". Der Autopilot fliegt die Landefähre namens "Eagle" an den Rand eines fußballfeldgroßen Kraters voller Geröll. Dort zu landen wäre zu gefährlich gewesen. "Armstrong hat deshalb den Kurs korrigiert und einen ebenen Landeplatz angesteuert", weiß Nikol, der Leiter des Astronomievereins, zu berichten. Es ist ein Gebiet zwischen den Kratern Sabine und Moltke, so Nikol. Wie alle Krater auf dem Mond seien diese von der Erde mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Obwohl manche einen Durchmesser von mehreren 100 Kilometern hätten.

Uwe Nikol besitzt auch einige Bücher über die Apollo-11-Mission. © Hans-Jochen Schauer


Nicht nur die Gesteinsbrocken mussten beachtet werden, mächtig Angst hätten die Verantwortlichen der NASA auch vor einer Staubdecke auf dem Mond gehabt. "Sie gingen davon aus, dass es Probleme beim Landen und Starten der Raumfähre geben würde", sagt Nikol.

Bei den Ranger-Expeditionen (ein US-amerikanisches Raumfahrtprogramm) sei deshalb zuvor die Oberfläche des Mondes untersucht worden. Neun Raumsonden flogen dabei zwischen 1961 und 1965 zum Mond und übermittelten von dort vor dem Aufschlag Bilder an die NASA.

Die gut vorbereitete Mission ist für die USA auch ein Prestigeobjekt. Alles wird daran gesetzt, dass sie zum Erfolg wird. Denn die Sowjetunion, der große Rivale im Kalten Krieg, hat im Weltraum unerwartet Punktsiege errungen. "Die USA wollten diesmal schneller sein als die Sowjetunion. Nicht nur aus sportlichem Ehrgeiz, sondern auch aus militärischen Gründen", sagt Nikol.

Zurück zu Apollo 11. Um 20.17 Uhr vermeldet Astronaut Neil Armstrong, der mit Buzz Aldrin und Michael Collins die Besatzung bildet, an die NASA–Zentrale in Houston (Texas): "Der Adler ist gelandet". Die Zuschauer vor den Fernsehschirmen brauchen noch Geduld. Manchen übermannt die Müdigkeit, denn in Deutschland ist es tiefste Nacht. Vor allem für die Kinder, die ausnahmsweise mal aufbleiben durften, wird es schwer durchzuhalten. Am 21. Juli um 2.56 Uhr ist es endlich soweit: Armstrong betritt als erster Mensch den Mond und spricht die berühmten Worte: "Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit!"

Uwe Nikol hinter dem Teleskop in der Sternwarte des Gymnasiums Pegnitz. Der Lehrer ist Vorsitzender des Astronomievereins. Schon als Jugendlicher war er von der Astronomie fasziniert. © Hans-Jochen Schauer


20 Minuten später verlässt auch Aldrin die Mondfähre. Beide sammeln 21,6 Kilogramm Gestein. Nach zwei Stunden und 31 Minuten endet der Aufenthalt auf der Mondoberfläche. In der Landefähre geht es zurück zur Kommandokapsel. Das Apollo-Raumschiff fliegt zur Erde zurück und landet im Pazifik.

Die Amerikaner schicken noch mehrere Raumfähren zum Mond. Mit Apollo 17 endet das Programm. "Der Aufwand war im Verhältnis zum Nutzen zu groß", sagt Nikol. Die Hoffnung, wertvolle Elemente auf dem Mond abzubauen, ist erst einmal verflogen. "Wir werden unser Rohstoffproblem nicht mit dem Mond lösen können", meint Nikol, der am Gymnasium Pegnitz Biologie und Chemie unterrichtet und Astronomie ("Mein großes Hobby") als Wahlfach anbietet. In der Sternwarte des Gymnasiums kann er mit dem großen Teleskop (4 Meter Brennweite) auf den 384 400 Kilometer entfernten Mond auch die Krater erkennen.

HANS–JOCHEN SCHAUER

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