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Parksündern in Pegnitz geht‘s an den Kragen

Neuer Verkehrsüberwacher Thomas Angus macht keine Ausnahmen. Appell von Bürgermeister Nierhoff. - 03.07.2020 14:55 Uhr

Die Stellflächen am Pegnitzer Marktplatz an der Seite zum Neuen Rathaus dürfen nur zum Be- und Entladen benutzt werden. Verkehrsüberwacher Thomas Angus stellt immer wieder fest, dass Autofahrer dort trotzdem verbotswidrig parken. In solchen Fällen (Bild) verteilt er eine Verwarnung.

© Foto: Ralf Münch


Thomas Angus wird ab und zu beschimpft und sogar beleidigt. Das sind die unschönen Seiten seines Jobs. Dann muss der neue Verkehrsüberwacher der Stadt Pegnitz ruhig bleiben, darf sich nicht provozieren und zu einer Kurzschlusshandlung hinreißen lassen. "Manchmal schlucke ich schon", sagt Angus.

Der 49-Jährige ist ein breitschultriger, muskulöser Typ. Er hat früher intensiv Triathlon betrieben und zweimal das Nachtschwimmen in Auerbach gewonnen (19 und 26 Kilometer). Der Masseur, medizinische Bademeister und Tüv-geprüfter Fitnesstrainer mit A-Diplom war zuletzt im Sicherheitsdienst tätig. Nun kontrolliert er im Auftrag von vier Kommunen den ruhenden Verkehr.

Gut sichtbar legt ein Autofahrer in der Unteren Raumersgasse seine Parkscheibe unter die Windschutzscheibe. Für Thomas Angus ist sie so leicht zu erkennen.

© Foto: Ralf Münch


 Für die Stadt Pegnitz ist er seit Mitte März 51 Stunden im Monat unterwegs; außerdem überwacht er noch in Auerbach, Eschenbach und Altenstadt den Verkehr.

"Manchmal laufe ich am Tag 20 Kilometer." Seine Fitness kommt ihm dabei zugute. Pro Tag verteilt er zehn bis 15 Knöllchen. Eine Verwarnung könne schriftlich oder mündlich erfolgen, so Angus. "Es gibt einen Ermessensspielraum."

Mit wütenden Autofahren konfrontiert

Häufig ist Angus mit Autofahrern konfrontiert, die wütend oder aufgebracht sind. Er höre dann Sätze wie diesen: "Mich haben Sie aufgeschrieben, aber den auf der anderen Straßenseite nicht." "Dies zieht nicht bei mir", sagt der Verkehrsüberwacher. Er frage dann immer: "Fahren Sie auch über Rot, wenn der vor Ihnen über Rot gefahren ist?"

Kleine Testfragen zu dem Parkfehler kämen bei der mündlichen Verwarnung auch gut an. "Die Antworten würden meist nicht stimmen, obwohl manche Fahrzeugführer den Führerschein erst vor ein bis zwei Jahren gemacht hätten. Auch wenn die Verkehrssünder in Thomas Angus nur den "Knöllchenschreiber", "Abzocker" oder "Geldeintreiber" sehen – er betrachtet sich als "Verkehrserzieher". "Und der gehört zu jedem guten Stadtbild dazu", betont er.

Erheblichen Unmut habe der am 28. April neu geregelte Bußgeldkatalog ausgelöst. Parken in der zweiten Reihe und auf dem Gehweg ist bis dahin mit 20 Euro geahndet worden, jetzt sind es 55 Euro. Werden andere Verkehrsteilnehmer dabei behindert oder gefährdet, wird es noch teurer: "Mit Behinderung sind es siebzig Euro und ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei", so Angus. "Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ich sehe, dass eine Oma mit Rollator nicht an einem Fahrzeug vorbeikommt und deshalb auf die Straße ausweichen muss."

Kein Rad darf um dem Gehweg stehen

Am häufigsten müsse er Strafzettel schreiben, weil die vorgeschriebene Parkscheibe fehlt. Er hat deshalb immer welche dabei und schenkt sie her, wenn jemand keine besitzt. Persönlich sei er sehr empfindlich, wenn Kraftfahrzeuge auf Geh- oder Radwegen halten oder parken. "Bei Behindertenparkplätze mache ich keine Kompromisse." Das verbotswidrige Halten und Parken auf Gehwegen gelte auch außerhalb des Stadtkerns in Nebenstraßen. "Nicht einmal ein Rad vom Fahrzeug darf auf dem Gehweg sein", erklärt Angus.

In Pegnitz sei er vor ein paar Wochen in ein Lokal gegangen, weil ein Lieferfahrzeug eine Bushaltestelle blockiert habe. Er sei rein und habe gesagt: "Entschuldigung, der Fahrer muss woanders abladen."

Für Bürgermeister Wolfgang Nierhoff (PEG) ist klar, dass die Missachtung von Regeln im ruhenden Verkehr konsequent geahndet werden muss. "Die Pegnitzer wollten, dass bestimmte Sachen mehr kontrolliert werden. Jetzt dürfen sie sich nicht beschweren, dass wir jemand haben, der dies gründlich macht. Es gibt keine Ausnahmen. Wenn sich jemand nicht an das geltende Recht hält, muss er zahlen. Wenn man vergessen hat, die Parkscheibe unter die Windschutzscheibe zu legen, dann kriegst halt einen Zettel."

Aber bestimmte Sachen hätten sich "eingeschliffen". Etwa das verbotswidrige Parken. Um Fußgänger zu schützen, habe er am Gehweg bei der Franken-Apotheke wieder einen Pfosten aufstellen lassen, damit der Platz nicht zugeparkt werde.

Er appelliert an die Bevölkerung, für die Verkehrsüberwachung Verständnis aufzubringen und nicht nach Entschuldigungen und Ausreden ("Ich halte doch nur mal kurz") zu suchen, wenn man von Thomas Angus im Parkverbot erwischt werde. Nierhoff: "Er macht seinen Job, das Fehlverhalten geht von den Leuten aus. Es geht um gegenseitige Rücksicht."

Unverständlich ist es für Angus, dass manche Autofahrer einfach zu bequem sind, sich einen Parkplatz zu suchen. "Sie würden lieber zum Metzger, Bäcker oder in die Apotheke reinfahren, um ihr Anliegen zu tätigen." Als Therapeut, Gesundheits- und Fitnesstrainer könne er nur dazu raten, dass auch ältere Menschen laufen so lange es geht. Das wirke gegen Krankheiten wie Adipositas (Fettsucht), Diabetes, Rheuma und Osteoporose. Bewegung sei gut: "Wenn es sein muss mit dem Rollator."

Angus bittet Fahrer, genau zu schauen, wo sich Geh- und Radwege und die gekennzeichneten Parkflächen befinden. Dies werde manchmal übersehen, weil Gehwege und Straßen ineinander übergehen und sich meist nur farblich oder aufgrund einer anderen Pflasterung unterscheiden würden.

"Es gibt im Stadtgebiet einige neuralgische Punkte. Das geht aus Beschwerden aus der Bevölkerung hervor", weiß Bürgermeister Nierhoff. Auch solche Stellen werden, wenn es sein muss, gezielt inspiziert. Der Verkehrsüberwacher werde dann auf Anweisung der Stadt dort nach dem Rechten schauen.

Angus sagt, er werde oft gefragt, ob ein bestimmtes Verkehrszeichen auch nachts gelte. "Die Antwort ist klar: Ja, außer es steht eine Uhrzeit dran." Das Gleiche gelte für Bushaltestellen, selbst wenn nur einmal in der Woche ein Bus kommt."

Nachdrehen ist nicht erlaubt

Nierhoff weist darauf hin, dass das Parken in der Innenstadt mit Parkscheibe nichts koste. Von 9 bis 18 Uhr ist die Parkscheibe Pflicht. Über Nacht dürfen Anwohner ihre Autos auf den gekennzeichneten Flächen ohne Parkscheibe stehen lassen. Ab 9 Uhr sei dies dann nicht mehr möglich. Es gebe aber Leute, deren Autos tagsüber von morgens bis abends an derselben Stelle stehen. "Die Parkscheibe nachdrehen ist nicht erlaubt", sagt Angus.

Immer wieder mal sei zu hören, dass er von der Stadt Provision für verteilte Strafzettel erhalte. "Ich bekomme keine Provision und die Stadt macht mir auch keine Vorgaben, dass ich eine bestimmte Anzahl an Knöllchen zusammenbringen muss", weist Thomas Angus solche Vermutungen zurück.

Diejenigen Bürger, die ständig wegen ihrer Parkfehler mündlich oder schriftlich verwarnt werden, seien die Personen, die sich dann beschweren und unser Berufsbild nicht verstehen, meint Verkehrsüberwacher Angus. "Gerne bin ich in meiner Dienstzeit bereit, kurz über Parkfehler zu sprechen oder Fragen zum ruhenden Verkehr zu beantworten." Das wünsche auch jede Gemeinde, für die er tätig sei.

HANS-JOCHEN SCHAUER

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