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Note 3,79: Mäßiges Urteil der Jury für Pegnitzer Fahrradwege

An welchen Radwegen kann nachgebessert werden? ADFC-Mitglied Michael Brand ging auf Erkundungstour. - 09.07.2020 05:55 Uhr

„Langsam tut sich etwas“: Vor Beginn der Tour gibt sich das Pegnitzer ADFC-Mitglied Michael Brand optimistisch. Dann entdeckt der passionierte Radler neuralgische Stellen.

© Foto: Julian Seiferth


Es ist 10 Uhr an diesem Julimorgen in Pegnitz. Michael Brand steht mit seinem E-Bike vor dem Alten Rathaus. Er freut sich auf die rund zweistündige Tour durch die Stadt und sagt: "Langsam tut sich hier etwas. Aber an einigen Stellen ist es wirklich nicht ganz einfach, gerade dann, wenn man in den Verkehr muss."

Sicherheit für Radfahrer sei gerade wichtiger denn je: "Viele Leute fangen jetzt an, gerade die in meinem Alter oder Ältere", sagt der 60-Jährige, der seit Jahrzehnten in Pegnitz Rad fährt. Die Schwierigkeiten auf den offiziellen Radwegen seien für ihn weniger ein Problem, als für Besucher der Stadt: "Ich kenne Pegnitz in- und auswendig. Aber wenn jemand zum ersten Mal hier ist, dann kann das kompliziert werden."

Brands Radtour beginnt auf dem Platz vor dem Neuen Rathaus. Es geht die Hauptstraße nach unten und von dort nach links, am Cabriosol vorbei und kurz vor der Einfahrt auf die Bayreuther Straße wieder nach links auf etwas, das aussieht wie ein sehr schmaler Gehweg.

Zwischen Hainbronn und Pegnitz gibt es zwar wenig Platz, dafür ist die Sicht gut. „Wenn allerdings jemand entgegenkommt, muss man Slalom fahren“, sagt Michael Brand.

© Foto: Julian Seiferth


Dieser Weg, der aus Bayreuth kommend auf der linken Seite der Straße liegt, ist als Radweg ausgeschildert. "Es gibt hier zwei große Probleme", sagt Brand: Erstens sei der Weg extrem eng, Gegenverkehr zu Fuß oder auf dem Rad eine echte Herausforderung. Zweitens ist die Sicht auf die Einmündungen extrem eingeschränkt. Das habe vor allem mit den Hecken zu tun, sagt Brand und zeigt auf das dicke Gebüsch vor der beinahe unsichtbaren Einfahrt in den Erlenweg. "Ich sehe kaum, dass Radfahrer diesen Weg benutzen. Die meisten fahren da lieber auf der Bayreuther Straße." Dabei solle ein Radweg gerade viel befahrene Straßen entlasten.

Nächste Hürde

Wenige hundert Meter weiter stößt Brand auf die nächste Hürde. Dort, wo die Raumersgasse die Bayreuther Straße kreuzt, endet der Radweg. "Ab hier müssten wir eigentlich auf die Bundesstraße." Erst kurz vor den beiden Kreisverkehren gebe es wieder die Möglichkeit, zumindest auf den Gehsteig auszuweichen.

Die Idee des ADFC, die Einbahnstraße in Richtung der Volkshochschule für Fahrräder in beide Richtungen befahrbar zu machen, sei bisher nicht umgesetzt worden. Der nächste ausgeschilderte Radweg in die Innenstadt liegt von hier aus mitten im Erlenweg — einer kaum befahrenen Nebenstraße. "Das ist idyllisch, aber für jemanden von außerhalb kaum zu finden", sagt Michael Brand.

Auf dem schmalen Weg geht es weiter — bis zum ersten echten Hindernis auf der Strecke. Kurz vor der Auffahrt in die Brauhausgasse stehen vier rot-weiße Metallpfosten. "Die machen aus Sicht der Polizei durchaus Sinn", sagt Brand. "Die wollen nicht, dass die Radfahrer einfach auf die Straße brettern." Allerdings seien die Pfosten beispielsweise mit einem Kinderwagen-Anhänger fast unmöglich zu manövrieren.

Aus der Innenstadt geht es erneut über die Schlossstraße und die Schmiedgasse bis an die Nürnberger Straße, kurz vor den beiden Kreisverkehren. Der Gehsteig links auf dem Weg bergauf ist zwar als für Radfahrer frei beschildert. "Das bedeutet aber nicht, dass es ein Fahrradweg ist." Auch der typische rote Streifen auf der Straße fehlt.

"Für Autofahrer heißt das, dass sie sich beim Abbiegen hier hinstellen können. Wer den Berg rauf oder runter kommt, muss sehr vorsichtig fahren."

Nach dem ersten W.I.V.-Kreisel, bei der Einfahrt zur Aral-Tankstelle, ist der Weg zwar rot markiert, aber Brand mahnt dennoch zur Achtsamkeit: "Ich habe zwar Vorfahrt, aber gegen jedes Auto das Nachsehen." Und: Nach wie vor befinde er sich nicht auf einem Radweg. Der beginnt erste einige Meter nach der Tankstelle. Einfacher wird es auch dort nicht: Der Weg ist schmal, die Kurven kaum einsehbar. Mehrmals wird Brand von entgegenkommenden Radfahrern überrascht.

 

Gefährliche Einmündung

 

Die Einmündung zur Sauerbruchstraße sei aus beiden Richtungen gefährlich: Für stadtauswärts fahrende Radler seien die von links kommenden Fahrzeuge aufgrund der scharfen Kurve kaum zu sehen. In der anderen Richtung seien Radler und Autofahrer bis kurz vor der Einmündung unsichtbar, getrennt durch eine Hecke.

"Man muss bedenken, dass die hier mit 50 durchziehen. Uns sehen die erst, wenn wir beide in der Kurve sind", sagt der 60-Jährige. Nach einem kleinen Abstecher in Richtung Neudorf dreht Brand um und fährt zurück. "In Richtung Pottenstein ist der Radweg top, da hab ich nichts zu meckern." Es geht vorbei am Fränkischen Hof, durch die Ludwig-Thoma-Straße und den Arzberg runter.

Unten angekommen zeigt Michael Brand nach rechts, wo die Straße von Hainbronn wegführt. "Der Radweg in Richtung Michelfeld ist der schönste hier. Es geht am Wald entlang, das ist richtig idyllisch", sagt der 60-Jährige.

Weiter geht es allerdings nach links. Wer mit dem Fahrrad von hier durch Hainbronn will, muss die Straße erst überqueren und dann bis zum oberen Ortsausgang befahren. "Nicht optimal", urteilt Brand, "aber es geht. Die Strecke ist breit und gut einsehbar." Anders sieht es mit der Zufahrt des neuen Radwegs aus Pegnitz in den Stadtteil aus, der an einer Kreuzung in einer Kurve herauskommt. "Ich hoffe und glaube aber, dass sich die Stadt da etwas einfallen lässt." Den Radweg selbst begrüßt er: "Der alte war zu steinig, da musste man ständig aufpassen."

Schmaler Weg

Aus Hainbronn geht es zurück ins Stadtgebiet. Entlang der Staatsstraße verläuft ein weiterer schmaler Geh- und Radweg. "Das geht, solange es keinen Gegenverkehr gibt, und selbst dann ist der Weg gut einsehbar", erklärt Brand. "Wenn allerdings jemand kommt, kannst du Slalom fahren." An der Hotelfachschule bemängelt der 60-Jährige, dass aus Hainbronn kommende Rechtsabbieger für den Radfahrer so gut wie unsichtbar sind.

Die letzte Etappe führt die Pfarrer-Dr.-Vogel-Straße hinunter und über die Brauhausgasse zurück in die Innenstadt. Komplett auf der Straße, ohne Radweg. "Eine schöne Tour mit Unwägbarkeiten", resümiert Brand. Man käme immer weiter, wenn auch manchmal nicht auf dem direkten oder sichersten Weg.

"Pegnitz ist da einfach nicht so rigoros wie andere Städte, die ich beispielsweise in Irland schon gesehen habe." Brands Urteil fällt nicht so vernichtend aus wie das des ADFC: "Das Potenzial nach oben ist da. Die Bedingungen sind hier nicht optimal, aber gut."

JULIAN SEIFERTH

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