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Dienstag, 20.08.2019

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Neue Wasserversorgung für Leups in Arbeit

Ohne weiteren Bürgerprotest hat der Anschluss des Orts ans Zentralnetz der Juraguppe begonnen - 03.07.2019 10:00 Uhr

„Spatenstich“ der Juragruppe in Bodendorf: „Das Bild mit Helm und Schaufel, das machen wir nicht, das wirkt so gekünstelt“, sagte Werkleiter Hans Hümmer an der bereits vorhandenen Baugrube und erklärte noch mal Sinn und Zweck des Projekts. © Foto: Klaus Trenz


"Jahrelang haben wir Überlegungen dahingehend angestellt. Das machen wir ja nicht aus einer Laune heraus", sagt der Verbandsvorsitzende der Juragruppe, Manfred Thümmler. "Ich hoffe, dass die Bürger das irgendwann einsehen, wie wichtig das war und sagen: ,Gut Ding will Weile haben.ʻ" Zu seinem 75. Geburtstag sei dieser Schritt, der Bau der Ringleitung, ein kleines Geschenk.

Es gab keine weitere große Gegenwehr der Initiative Pro Leupser Quellwasser. "Wir haben aus der Zeitung davon erfahren. Uns hat keiner Bescheid gegeben", sagt Anja Michel von der Initiative aus Leups. "Mehr möchten wir dazu auch nicht sagen." Keine weitere Aussage also und vor allem kein Besuch des "Spatenstichs" durch die Aktivisten.

"Ein Weihnachtsgeschenk"

Bis Ende des Jahres soll das Projekt abgeschlossen sein. Dann ist Leups an das Zentralnetz der Juragruppe angeschlossen. "Das ist ein Weihnachtsgeschenk an die Leupser Gemeinde", witzelt Hümmer. Das Quellwasser, das Leups aktuell noch versorgt, werde dann nicht mehr benötigt und in den Gemüsbach beziehungsweise in die Fichtenohe laufen. Der erste Bauabschnitt beläuft sich auf rund 1,36 Millionen Euro – davon werden 50 Prozent bezuschusst.

Im Jahr 1956 erhielt die Ortschaft ein unbefristetes Wasserrecht an den zwei oberflächennahen Quellen – so lange sich an der Qualität und Quantität des Wassers nichts ändert. "Wir mussten heute die Leupser Bevölkerung zum Wassersparen aufrufen", sagt Hümmer. "Die Quellschüttung hat nicht mehr ausgereicht für den Bedarf. Dies hat zu einem sinkenden Wasserstand im Hochbehälter geführt."

Die Schüttung der Leupser Quelle habe nicht mehr ihr Vorjahresniveau erreicht und die Tendenz sei weiter fallend. Nach Jahren des Streits und den gerichtlichen Auseinandersetzungen habe man jetzt die Bestätigung, sagt Hümmer. Man müsse zukunftsorientiert weitermachen, dürfe nicht in Nöte geraten und müsse ein zweites Standbein aufbauen, betont der Werksleiter und nennt ein Beispiel.

"Wir haben etliche Notversorgungen aufgebaut. In Langenloh vor 35 Jahren waren die Bürger mit den Mistgabeln im Gemeindeparlament gestanden und haben uns gedroht: ,Wenn ihr beschließt, dass die Juragruppe sich an die Wasserversorgung von Langenloh anschließt, dann verlasst ihr nicht lebend das Rathaus‘", erinnert sich Hümmer. 32 Jahre später versiegte die Quelle der Gemeinde und die Juragruppe musste eine Notversorgung aufbauen. "Da riefen die selbigen dann: ,Gebt uns endlich Wasserʻ."

Aus der Vergangenheit gelernt

Daraus habe man gelernt und plane zukunftsorientiert, sagt Hümmer. Man müsse erkennen, dass hier ein Problem vorliege und nicht darauf warten, bis es aus dem Hahn nur noch "röchelt". Zudem dürfe man nicht alles glauben, was in den sozialen Netzwerken zu lesen ist. Dazu Hümmer: "Das muss man überhören und überlesen. Wegen solchen Dingen sehe ich einen Teil meines Werkleitergehaltes als Schmerzensgeld an." Der Werksleiter hofft nun auf Verständnis und Dankbarkeit. Vor allem im Hinblick auf die Meldung eines großen Flächenbrands in Mecklenburg-Vorpommern, den man nicht unter Kontrolle bekomme, sei eine ausreichende Löschwasserversorgung aller Gemeinden wichtig. "Solche Brände werden ein zentrales Thema der Zukunft sein", sagt Hümmer.

Wenn die Trockenperioden stärker würden und die Quelle nicht mehr genügend Wasser gebe, dann werde die Juragruppe aufgefordert, Wasser zu liefern. "Wir sind in der Verantwortung, wenn ein Notstand ausbricht", ergänzt der Planungsleiter der Juragruppe, Daniel Hofmann. "Man merkt doch selber, wie es aktuell ist. Der Boden ist vollkommen ausgetrocknet." 

MARTIN BURGER

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