Mittwoch, 20.11.2019

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"Motivation sind die Kunden und Mitarbeiter"

Wolfgang Göbner und Marcel Dielesen führen den Dorfladen in Kirchahorn. Beide sind ehrenamtlich rund 40 Stunden in der Woche dort tätig. - 13.06.2019 17:00 Uhr

Die beiden Geschäftsführer des Dorfladens Marcel Dielesen (li.) und Wolfgang Gröbner (re.) mit Marktleiterin Marion Decker (Mi.). © Foto: Martin Burger


Der Weg zum Ahorntaler Einkaufsmarkt war nicht einfach; nur durch die uneigennützige Hilfe einer Menge Unterstützer konnte der Laden geöffnet werden. "Vor ziemlich genau sechs Jahren hat der vorherige Markt in Ahorntal geschlossen", erzählt Geschäftsführer Wolfgang Göbner. "Damit dieser Laden entstehen konnte, mussten alle mit anpacken."

Es fehlte an Geld, und allein mit Krediten konnte die Idee einer neuen Einkaufsmöglichkeit nicht umgesetzt werden. Damals wurde beschlossen, dass die Gemeinde sich einbringen kann, wenn sie wieder einen Dorfladen in Ahorntal haben möchte. Den Bürgern wurde angeboten, Anteile zu zeichnen und damit ein Teil von etwas Größerem zu werden.

"So kamen schnell um die 70 000 Euro zusammen, und aus der Idee wurde der Einkaufsmarkt. Auf dem Papier waren wir bereits in den ersten Monaten pleite. Das sei aber normal, sagte man uns", sagt Göbner. Unterstützung erhält Göbner von Marcel Dielesen. Beide Geschäftsführer arbeiten ehrenamtlich im Einkaufsmarkt. "Unsere Motivation sind die Kunden und unsere Mitarbeiter. Denen gegenüber haben wir eine Verantwortung", sagt Dielesen.

Beide sind um die 40 Stunden pro Woche im Laden tätig und erhalten dafür kein Geld. Wolfgang Göbner befindet sich bereits in der Rente und Marcel Dielesen in der passiven Altersteilzeit. "Das ist wie ein Vollzeitjob. Ich habe hier mehr Arbeitsstunden als damals bei KSB", witzelt Dielesen. "Die Mitarbeiter verdienen aber unsere Unterstützung – die gesamte Gemeinde verdient das."

Der Laden befinde sich auf einem guten Weg. Das würde man daran erkennen, dass die Kunden dem Einkaufsmarkt treu blieben und der Umsatz steige. "Wir sind auf einer sauberen schwarzen Null angekommen. Wir schlängeln uns nicht nur durch. Die Leute sind froh, dass wir hier sind", erklärt Göbner.

Bereits vor ein paar Monaten startete der Einkaufsmarkt eine anonyme Umfrage bei der Kundschaft. Auf die Frage, ob man es wichtig findet, dass es einen Einkaufsladen in der Region gibt, antworteten über 90 Prozent mit: "Auf jeden Fall". Gerade die regionalen Produkte kämen sehr gut an. So gehe man gerne auf die Wünsche der Kunden ein. "Wir werden von drei regionalen Bäckereien beliefert. Gerade das Bier möchte unsere Kundschaft eher aus der Umgebung", sagt Göbner.

Mit über 300 Quadratmetern – inklusive Getränkemarkt – biete der Einkaufsmarkt eine überdurchschnittliche Einkaufsfläche. "Damit sind wir der größte Dorfladen der Welt", witzelt Göbner. Der nächste Supermarkt ist in Waischenfeld, also fünf Kilometer entfernt.

Angst vor der Konkurrenz haben die beiden Geschäftsführer aber keine. Dielesen: "Der Supermarkt hat sogar gerade erst erweitert. Aber wir sind mehr als nur ein Dorfladen – wir sind ein Treffpunkt." Man habe extra eine Kaffeeecke eingerichtet, die gut besucht sei. "Am Morgen kommen viele Mütter, die gerade erst die Kinder zur Schule oder in den Kindergarten gebracht haben. Am Mittag treffen sich die Senioren zum Kaffeeklatsch. Es ist einfach der Treffpunkt hier im Dorf. Das war uns auch ein Anliegen", berichtet Dielesen.

Die gesamte Arbeit sei nicht alleine zu stemmen. Die zwei Geschäftsführer sind auf viele Unterstützer angewiesen. So gebe es zwei Austräger, die für den Einkaufsmarkt das Ladenblättchen verteilen. Auch bei kleineren Reparaturen oder bei der Inventur sei man auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen. "Wenn etwas schnell gerichtet werden muss, hilft jeder mit", sagt Dielesen.

Gewinn gebe es keinen. Und selbst wenn, hätten die beiden nichts davon.

"Wenn unterm Strich irgendwann mehr als nur eine schwarze Null auf dem Papier steht, dann wird das an die Anteilseigner ausgeschüttet", erklärt Göbner. Diese würden dann Einkaufsgutscheine oder Waren erhalten. Bis jetzt gab es jedoch noch keine Ausschüttung. Auf die Frage, wie lange die beiden das Ehrenamt noch ausführen möchten und wer danach kommt, antwortete Göbner: "Wir wissen es nicht. Wir sind beide um die 60 Jahre alt und machen weiter, solange wir können."

MARTIN BURGER

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