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Minister Glauber gehörte zu den ersten Gratulanten

Neuer Bayreuther Landrat Florian Wiedemann geht frohen Mutes an seine Aufgabe heran - 30.03.2020 23:03 Uhr

Florian Wiedemann mit Partnerin Sandra Meister. © Foto: Jurga-Graf


Einer der ersten Gratulanten war Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). "Er war komplett aus dem Häuschen", berichtet Wiedemann im Gespräch mit den Nordbayerischen Nachrichten. Glauber habe ihn im Wahlkampf sehr unterstützt und sogar ein Video für ihn aufgenommen, das auf den Social-Media-Kanälen für Wiedemann warb. Mit seiner Lebensgefährtin habe er sich am Sonntagabend noch lange unterhalten. Um 0.30 Uhr ging es schließlich ins Bett. "Ich habe gut geschlafen, es war eine angenehme Nacht."

Nun richtet er seinen Blick nach vorne. "Ich gehe frohen Mutes an meine neue Aufgabe heran." Aber auch mit Bedacht: "Ich weiß nicht alles und brauche Rat. Den hole ich mir von allen." Wichtig seien erfahrene Leute. Mit den Mitarbeitern des Landratsamtes werde er erst einmal viele Gespräche führen. Landrat Hermann Hübner (CSU) habe ihm gratuliert und eine "saubere Amtsübergabe" versprochen.

Am Wahlabend verfolgte Florian Wiedemann die Stimmenauszählung zu Hause in Muthmannsreuth. Er hielt sich an die Regeln für die Corona-Pandemie. Er stellte der Zeitung das Foto zur Verfügung. © Foto: privat


Dürfen nicht in Schockstarre verfallen

Derzeit überlagere die Corona-Krise alles. Über 90 Prozent der Manpower des Landratsamtes würden momentan in die Bewältigung der Krise gesteckt. Doch wir müssen uns auch mit der Zeit nach Corona auseinandersetzen und dürfen jetzt nicht in Schockstarre verfallen. Die Auswirkungen betreffen alle Bereiche. Es gelte die Folgen abzuschätzen. Wichtig ist Wiedemann bei der Arbeit im Kreistag alle Fraktionen miteinzubeziehen.

Gudrun Brendel-Fischer, die CSU-Kreisvorsitzende, sagte: Es ist schade, dass es für unseren Kandidaten Klaus Bauer nicht gereicht hat. Es ist ein sehr knappes Ergebnis, das vor allem im Süden zustande kam. Da ist es uns nicht ausreichend gelungen, unseren neuen Mann bekanntzumachen. Florian Wiedemann konnte hingegen gut von seiner Landtagskandidatur 2018 profitieren. In Corona-Zeiten war für manchen Wähler die Stichwahl nicht mehr so wichtig, obwohl die Unterlagen ins Haus gebracht wurden.

Brendel-Fischer sagte: "Wir blicken als CSU-Kreisverband nach vorne und werden vor allem mit einer aktiveren Fraktionsarbeit durchstarten, als dies bisher der Fall war."

Hans Hümmer, Kreisvorsitzender der Freien Wähler: "Das ist ein grandioser Erfolg für uns alle. Die Wähler honorieren unser Arbeit." Er freue sich, dass die Bürger die Kritik im Kreistag wahrgenommen haben, so Hümmer. Er bedauert, dass der echte Neuanfang, für den Florian Wiedemann stehe, in die Corona-Krise falle und davon wahrscheinlich noch lange überlagert werde.

Hümmer: "Wir werden jahrelang an den Folgen von Corona arbeiten müssen." Klar sei aber eines: Der Landkreis werde sein Verhältnis zu den Gemeinden neu definieren. Ein Miteinander sei das Ziel. Im Kreistag gebe es für eine bessere Zusammenarbeit bereits Signale. So von der CSU-Kreisvorsitzenden Brendel-Fischer. "Wir können miteinander", so Hümmer wörtlich. Gemeinsam mit der CSU hätte die FWG zwar noch nicht die Mehrheit. Aber: "Wir werden andere mit ins Boot holen."

"Klasse Wahlkampf geführt"

Neu in den Kreistag zieht der Pegnitzer FWG-Fraktionssprecher Thomas Schmidt ein. Er rückt für Wiedemann nach. Dessen Triumph bewertet er als "tollen Erfolg" für die Freien Wähler. "Der Florian hat einen klasse Wahlkampf geführt. Er ist ein Mann, der für einen echten Neuanfang im Landkreis steht." Schmidt nennt zwei große Themen, die aus Pegnitzer Sicht im Kreistag angepackt werden müssen. Erstens den Ausbau der Kreisstraße BT 41, die von der B 470 über Elbersberg und Willenreuth nach Pegnitz führt. Seit Jahren werde über den Ausbau geredet, doch passiert sei wenig. Dabei müsse die schmale Straße verbreitert werden, damit die Rettungsdienste schneller vorankommen.

Der Radweg, der neben der Straße verläuft und Pottenstein mit Pegnitz verbinden soll, endet in Geusmanns. "Er muss auf Pegnitzer Seite fortgesetzt werden."

Zweiter Schwerpunkt ist das Cabriosol. An dem Ganzjahresbad müsse sich der Landkreis beteiligen. Für Schmidt käme ein Zweckverband in Frage, und wenn der aus rechtlichen Gründen nicht möglich sei eine andere Form – etwa eine "Betreibergenossenschaft". Es müsse nun geprüft werden, was möglich sei. "Wir müssen die Kosten senken." Die Besucherzahlen zu erhöhen sei schwierig, weil das Cabriosol für "Jugendliche nur eingeschränkt nutzbar ist".

Verbessert werden müssten auch die ÖPNV-Verbindungen. Oft gebe es nur eine Verbindung in eine Richtung. "Wir müssen Testphasen machen und schauen, ob bessere Busverbindungen von der Bevölkerung angenommen werden."

Sitze im Kreistag: Die CSU ist mit 17 Mandaten die stärkste Fraktion. Die Freien Wähler kommen auf elf, die SPD auf acht. Die Grüne haben acht Sitze, die Wahlgemeinschaft sechs, die Junge Liste sechs. FDP und AfD haben jeweils zwei Mandate im neuen Kreistag. Wann die erste Sitzung stattfindet, ist noch offen.

Blick in die Gemeinden

Auffällig ist, dass Florian Wiedemann in den Gemeinden im südlichen und westlichen Teil des Landkreises deutlich besser abschnitt als im Rest des Landkreises. In seiner Heimatgemeinde Hummeltal errang der in Muthmannsreuth wohnende Diplom-Kaufmann und Wirtschaftspädagoge mit 83,4 Prozent die meisten Stimmen. Auch im Ahorntal siegte er mit 80,07 Prozent deutlich. In Kirchenpingarten (19,51 Prozent) und Bischofsgrün (21,71) bekam er den geringsten Zuspruch. Ein Überblick: Pegnitz: Bauer: 45,00 Prozent/Wiedemann 55,00 Prozent; Pottenstein: Bauer 29,81/Wiedemann 70,19; Plech: Bauer 39,14/Wiedemann 60,86; Betzenstein: Bauer 41,77/Wiedemann 58,23; Schnabelwaid: Bauer 43,58/Wiedemann 56,42; Creußen: Bauer 41,03/Wiedemann 58,97; Waischenfeld: Bauer 36,60/Wiedemann 63,40; Hollfeld: Bauer 43,14/Wiedemann 56,86.

HANS-JOCHEN SCHAUER UND UDO BARTSCH

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