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Dienstag, 20.08.2019

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Mammutaufgabe "Joseph" glänzend bewältigt

Beifallssturm für "Lingua Musica", Michael Starke und Rebecca Brinkmann nach der Musical-Aufführung - 01.07.2019 22:54 Uhr

Dieser „Dreamcoat“, den Vater Jakob dem Joseph mitbringt, wird gleich angezogen. Auch die Erzählerin (Rebecca Brinkmann) ist glücklich über dieses Happy End. Sie und Joseph singen jetzt „Any dream will do“ – jenes Lied des Musicals, das zum Hit wurde. © Foto: Thomas Knauber


Hinter diesem Projekt zum 25. Geburtstag des Chors "Lingua Musica" standen zwei Musik-Enthusiasten: Michael Starke und Rebecca Brinkmann. Starke bekam eingangs von Bürgermeister Uwe Raab das Lob, der Stadt 25 Jahre lang "Nahrung und Balsam für die Seele" gegeben zu haben. Der Chorleiter verschwieg aber nicht, dass der Weg von der kleinen Gruppe "Gospeltrain" zur großen "Lingua Musica" manchmal mit Knüppeln beworfen wurde: "Das gibt es auch in den eigenen Reihen, damit muss man umgehen lernen."

Rebecca Brinkmann, in Nürnberg zur Musical-Spezialistin ausgebildet und heuer in Rollen in Coburg (Schloss Ehrenburg) und Stein (Faber-Schloss) zu erleben, inszenierte dieses ganze Webber-Musical "Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat" und sang außerdem noch darin - als Erzählerin jener biblischen Geschichte, in welcher Joseph von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft wird, dort Karriere macht, allen verzeiht und glücklich in die Arme seines alten Vaters fällt.

Der Londoner Andrew Lloyd Webber, dank seiner Erfolge wie "Jesus Christ Superstar", "Evita", "Cats" und "Phantom der Oper" inzwischen Milliardär, schrieb dieses Joseph-Stück 1968 als zweites einer ganzen Serie. Er päppelte es über die Jahre hinweg immer weiter auf, behielt aber zwei Charakteristika bei: "Joseph" parodiert diverse Musikstile, und es ist eine Hommage an große Musiker. So singt zum Beispiel der Pharao, gekleidet als Elvis Presley, in dessen Stil den "Song of the King".

"Lingua Musica" hatte schon 1997 einen fulminanten Erfolg mit diesem Musical. Und als nun Starke vor einem halben Jahr fragte, was sich der Chor zum Jubiläum wünscht, war die Mehrheit dafür, weil hier Bewegung ist und Rausch - kein steifer Kirchenklang. Drei der damaligen Sänger waren jetzt sogar wieder dabei. Sie taten sich leichter mit dem Auswendiglernen. Aber auch alle anderen powerten ohne einen Stop durch diese so schwierigen Songs.

Es war eine Freude, ihre Begeisterung zu sehen, ihre Fähigkeiten, das Tanzen, die Gesamtchoreographie. Keiner hatte irgendeine Scheu, weil ja der halbe Freundeskreis im Publikum saß und zuguckte. Sie boten einen Musical-abend, der einer Profi-Show viel voraus hatte: nämlich Spaß von Herzen und glückliches Spielen.

Es ist nur schade, dass es nur noch eine Aufführung dieses "Joseph" gibt, nämlich am 13. Juli in der Bayreuther Erlöserkirche (20 Uhr). Brinkmann entschuldigte es: Sie musste die Lizenz für den "Joseph" für einen bestimmten Zeitraum kaufen; mehr geht nicht. Wer also dieses Highlight mit den tollen Musikern vom Ensemble "Variabile" und dem feinfühligen Dirigenten Michael Starke (ein Genuss beim Zuschauen) noch einmal sehen will, fährt hin.

Er kann dann auch die jungen Solisten bewundern, nämlich den Schauspieler und Sänger Alexander Krüger aus Nürnberg - sehr sympathisch und stark als Joseph - sowie Christian Haag. Haag scheint unscheinbar zu sein, hat aber Pfiff und Talent. Kleinere Soloparts übernahmen Birgit Starke und Ilka Matthey, beide überzeugend. Und das i-Tüpfelchen der Inszenierung bot Lisa Lottes als eine schmale, sexy Ägypterin. Toll kostümiert zog sie den dörflichen Joseph ins Bett und in sein Unglück. 

THOMAS KNAUBER

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