Samstag, 14.12.2019

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Liebesdreieck endet vor Bayreuther Amtsgericht

Ex-Freunde hatten sich gegenseitig angezeigt: War es Körperverletzung oder falsche Verdächtigung? - 10.07.2019 11:55 Uhr

Justitia © dpa


"Es gibt eine längere Vorgeschichte", begann der Angeklagte seine Aussage. Bis zum 12. Februar sah er sich in einer Beziehung mit einer Frau, die von ihm schwanger war. An diesem Dienstag sei er gerade mit dem Auto auf dem Weg zu ihr gewesen, weil die beiden einen Termin zur Abtreibungsberatung besuchen wollten. Da habe sie ihm eine Nachricht geschickt: Sie habe keine Zeit.

Auf dem Weg zurück nach Hause habe er dann die Frau rauchend auf dem Lidl-Parkplatz in Pegnitz gesehen – zusammen mit einem seiner Freunde. "Als ich das sah, wollte ich sie natürlich unbedingt zur Rede stellen." Sie habe allerdings nicht mit ihm sprechen wollen. Erst später erfuhr er, dass sie und der andere Mann bereits an diesem Dienstag ein Paar waren.

Sie machte ihrem neuen Freund ein Zeichen, zurück ins Auto zu steigen. Der 27-Jährige soll an die Fenster geschlagen und an den Türen gerüttelt haben, die der Fahrer von innen verriegelt hatte. Als das Auto losfuhr, soll er sich von der Seite auf die Motorhaube geworfen und dabei einen Sachschaden von mehr als 4000 Euro verursacht haben. Anschließend habe er bei der Polizei falsche Angaben gemacht.

Der Angeklagte schilderte die Situation komplett anders: Auf dem Weg zurück zu seinem Auto habe ihn sein damaliger Freund mit Absicht angefahren. "Ich bin noch hochgesprungen um auszuweichen, aber er ist einfach volles Rohr angefahren." Der Aufprall habe ihn über das Auto geschleudert, bei seinem Aufprall hinter dem Kofferraum habe er sich unter anderem eine Rückenprellung und einen Jochbeinbruch zugezogen. Auf den Rat einiger Freunde – er selbst hielt eine Anzeige für "unnötig" – sei er zur Polizei und anschließend ins Krankenhaus gegangen.

Fast identischer Wortlaut

Dem widersprachen in fast identischem Wortlaut der Fahrer des Wagens und die Frau – die beiden sind immer noch ein Paar. Der 27-Jährige habe gegen das Auto geschlagen. Als dieses sich in Bewegung setzte, habe er sich seitlich auf die Motorhaube geschwungen. Gebremst habe der Fahrer deshalb nicht, erst nach rund 50 Metern habe er das Auto zum Stehen gebracht und in den Rückspiegel gesehen. Sowohl Richter Alois Meixner als auch Manfred Vetterl, der Verteidiger des Angeklagten, hatten ihre Probleme mit der Idee, dass der Mann sich von der Tür nach vorne auf die Motorhaube geworfen haben sollte.

Dem schloss sich in ihrem Plädoyer auch Staatsanwältin Kathrin Hecht an. Sie beantragte wie die Verteidigung den Freispruch, auf den Richter Meixner dann auch entschied. "Fragezeichen über Fragezeichen. Das reicht hinten und vorne nicht", sagte er zur Begründung. Abschließend zeigte sich der 27-Jährige erleichtert, aber: Die Abtreibung des Kindes habe die Ex-Freundin wohl ohne sein Wissen durchgeführt, außerdem habe er aufgrund seiner Verletzungen seine Anstellung verloren.

JULIAN SEIFERTH

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