Freitag, 20.09.2019

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Kurios und bewegend: Was ein Polizist in 40 Jahren erlebt hat

Uwe Färber legt die Uniform ab – und erzählt über seine prägendsten Erlebnisse - 17.08.2019 10:00 Uhr

Das Rad wird ihn auch im Ruhestand weiter begleiten: Um einen Ausgleich neben seinem oft stressigen Beruf zu haben, nimmt Uwe Färber seit 20 Jahren an Triathlon-Wettkämpfen teil. © Foto: Ralf Münch


Ende des Monats geht der 60-Jährige in den Ruhestand. Er hat viel erlebt in seiner Polizeiarbeit. Und er war ein sportliches Aushängeschild der Polizeiinspektion Pegnitz, hat mehrfach die bayerischen Polizeimeisterschaften im Triathlon gewonnen.

"Polizist war eigentlich nicht mein Wunschberuf in der Schule", erzählt er. 1978 hat er sich auch nach Ausbildungsstellen als Zahntechniker und Industriekaufmann umgeschaut, aber nichts gefunden. Sein Vater hat ihn schließlich drauf gebracht, sich bei der Polizei zu bewerben. "Und es war die absolut richtige Entscheidung", sagt Färber. Der Kontakt zu den Leuten, die Kollegialität in der Dienststelle, der Außendienst, dass jeder Fall anders ist, die Herausforderungen, die bei jedem Einsatz bestehen – das ist es, was den Beruf für ihn so attraktiv macht.

Kind räumt Spülmaschine nicht aus

Als Färber als Polizist anfing, war der Bedarf in Oberfranken nicht so groß und darum war er in Königsbrunn, Dachau und München eingesetzt, hat im Flughafen Riem und auf dem Olympiagelände Einsatz gehabt. "Wir waren sehr junge Kollegen im Streifendienst", erzählt er über seine Zeit in der zivilen Einsatzgruppe, "da hat jeder alles gemacht." Es habe keine älteren Beamten gegeben, die auf Streife ein Auge auf die Jüngeren gehabt haben.

Das sei in Pegnitz anders. Hier haben sie sehr mit Personalmangel zu tun, sagt Färber. Auf der Dienststelle gibt es 25 Kollegen, zwei Streifen mit jeweils zwei Leuten haben ein relativ großes Gebiet zu betreuen – von Kamerun bis Hormersdorf und nach Breitenlesau. Zwei Kollegen sind auf der Wache eingesetzt, kümmern sich um Berichte und Publikumsverkehr. Und da gibt es alles, von Nachbarschaftsstreitigkeiten über verschwundene Grenzsteine bis zu wuchernden Hecken. Manchmal sind auch ganz kuriose Dinge dabei, erinnert er sich. "Einmal hat mich ein verzweifelter Vater angerufen, weil seine Tochter die Spülmaschine nicht ausräumen wollte", erzählt er lachend. Mit viel Geduld hat er den Mann beruhigt, ihm gesagt, dass seine Kinder das auch manchmal nicht wollen.

Wie geht man mit schlimmen Einsätzen um?

"Wir sind für so ziemlich jeden Einsatz zuständig", sagt Färber. Unfälle, Todesfälle – die Pegnitzer Polizei ist als Erstes da. Bei Bedarf verständigen sie dann Gutachter und Staatsanwaltschaft, machen Skizzen. Sie kommen bei Autodiebstählen und Betriebsunfällen, bei Suiziden und Einbrüchen. Hier fordern sie dann meist die Spurensicherung an.

Auch bei Körperverletzungen oder häuslicher Gewalt rücken Färber und seine Kollegen an. Nimmt er besonders schlimme Einsätze mit heim, belasten sie ihn? "Es gibt die Möglichkeit der psychologischen Betreuung", sagt er. Die nimmt er aber nicht in Anspruch. Färber spricht mit Kollegen, der Familie oder Freunden. "Sicher gehen einem manche Einsätze nach, positive wie negative", sagt er. Zum Beispiel, wenn sie eine Todesnachricht überbringen müssen. Wie man das macht, hat er in der Ausbildung nicht gelernt. "Das macht man aus dem Gefühl, aus der Situation heraus."

Hat er manchmal noch Kontakt mit den Leuten, mit denen er bei einem Einsatz zu tun hat? "Ja", sagt Färber und erzählt von der Frau, die sich am Schlossberg vom Turm stürzen wollte. "Hat sie dann aber nicht", ist er heute noch erleichtert. Die Frau bedankt sich heute noch bei ihm, dass er sie damals vom Selbstmord abgehalten hat.

Bald kein Gemeinderat mehr 

Ein wichtiger Ausgleich für Färber ist der Sport. Gelaufen ist er schon immer. Irgendwann kamen das Fahrradfahren und das Schwimmen dazu.

Und so macht er seit 20 Jahren Triathlon, nimmt im Umkreis an Wettkämpfen teil. Und auch bei der Bayerischen Polizeimeisterschaft hat er schon mitgemacht, war zweimal Erster und dreimal Zweiter in seiner Altersklasse. In Pegnitz ist Färber außerdem zusammen mit dem stellvertretenden Dienststellenleiter Harald Düplois Sportleiter, bietet für die Kollegen Schwimmen und Laufen an. "Das wird aber nur mäßig angenommen", bedauert er.

Und dann ist Uwe Färber noch in Schnabelwaid Gemeinderat für die Freien Wähler. "Man bekommt da mehr Einblick in manches und hat die Möglichkeit, seine Anregungen einzubringen", erklärt er. Aber es war auch nicht immer einfach, sagt er diplomatisch. Darum hat er für sich entschieden, dass eine Amtszeit genug ist und wird nächstes Jahr nicht mehr kandidieren. 

FRAUKE ENGELBRECHT

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