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Freitag, 19.07.2019

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Kühe blickten in Neuhof in leeren Trog

Landwirte vermissten Wasser für ihre Tiere - Doch laut Juragruppe hat es keinen Ausfall gegeben - 14.06.2019 07:00 Uhr

Aufregung herrschte am Dienstag in den Kuhställen von Neuhof. Das Wasser kam nach Angaben einer Bewohnerin nicht wie gewohnt aus der Leitung. „Die Kühe standen vor der Tränke und klopften mit dem Kopf dagegen, weil sie nicht wussten, was los ist“, so die Frau gegenüber den Nordbayerischen Nachrichten. © Klaus Trenz


Zwischen 17 und 18 Uhr sei auf einmal kein Wasser mehr da gewesen. "Keiner der Bewohner der 15 Häuser wusste, warum kein Wasser mehr aus den Leitungen kam", schildert eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Keiner hätte damit gerechnet. "Wir haben uns umgehend beim Nachbarn erkundigt, ob der auch vom Wasser abgeschnitten ist. Anrufe bei anderen Neuhofern haben das Gleiche ergeben."

Ein Nachbar habe schließlich beim Wasserzweckverband zur Versorgung der Juragruppe angerufen und wollte wissen, was los sei. Er habe erfahren, dass die Wasserleitung wegen Erschließungsarbeiten in einem Baugebiet in Troschenreuth gekappt worden sei – für vier Tage. Ein Schock für die Neuhofer, denn in dem Ort gibt es vier große Bauernhöfe mit Rinderställen. Insgesamt sind das rund 1000 Kühe, die alle dringend jeden Tag Wasser benötigen. "Die Kühe standen vor der Tränke und klopften mit dem Kopf dagegen, weil sie nicht wussten, was los ist", so die Frau gegenüber unserer Zeitung.

Rund 100 bis 120 Liter saufe eine Kuh am Tag. "Da kommen an vier Tagen allein bei den Kühen rund 400 000 Liter Wasser zusammen." Und auch manche Melkmaschinen funktionieren nur mit Wasser. "Dann müsst ihr halt mit der Hand melken", soll ein Mitarbeiter der Juragruppe dem Anrufer aus Neuhof geraten haben. Dann hätten die betroffenen Landwirte Stunden im Stall verbringen müssen, so die Frau.

Besonders ist sie verärgert über die "Arroganz, die uns da entgegenschlägt". Kritik übt sie vor allem daran, dass die Juragruppe die Bewohner von Neuhof nicht über das Abstellen des Wassers informiert habe. Die Juragruppe hätte sich ihrer Ansicht nach zum Beispiel erkundigen müssen, wie viele Bauern es in Neuhof gibt.

Rettung habe es schließlich in Form eines Sanitärinstallateurs gegeben, der Kontakt mit der Juragruppe aufgenommen und einen Schacht geöffnet habe. Daraufhin hätten die Bewohner von Neuhof wieder Wasser gehabt.

Wertschätzung vermisst

Hans Hümmer, Leiter der Juragruppe in Pegnitz, widerspricht der Darstellung der Anwohnerin: "Es gab keine Ausfälle. In Troschenreuth hatten wir eine unabdingbare Maßnahme zu erledigen, für die wir aber vorher eine Notleitung aufgebaut hatten." Diese habe ohne Unterbrechung funktioniert.

Einzig die Melkroboter seien am frühen Abend betroffen gewesen – allerdings nicht im Rahmen eines Wasserausfalls. "Zu den Hauptabnahmezeiten – zum Beispiel am Abend, wenn viele Leute duschen – ist der Wasserdruck unter zwei bar gesunken. Damit ist es zwar nicht ausgefallen, hat aber für die Melkmaschinen nicht mehr ausgereicht." Diese seien somit ausgefallen. "Das hätte sich aber innerhalb der nächsten Stunde von selbst erledigt, als das System wieder entlastet war."

Die Versorgung der Tiere sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen, so Hümmer. "Das Wasser kam ja aus der Leitung. Niemand in Neuhof war ohne Wasser." Er empfindet die Anschuldigungen als unverschämt. "Wir bemühen uns Tag und Nacht, damit alles läuft. Wenn es ein Problem gibt, haben wir auf unserer Website eine Notrufnummer." Die Frau aus Neuhof habe stattdessen die Nummer eines Mitarbeiters gewählt, die sie aus einem früheren Fall schon im Handy gespeichert hatte – der allerdings im Urlaub in Italien sei. Selbstverständlich habe der ihr da nicht helfen können. Dass einer der Mitarbeiter von einer Unterbrechung von vier Tagen gesprochen haben soll, kann er sich überhaupt nicht erklären: "Das ist einfach ein Quatsch."

Generell vermisst Hümmer die Wertschätzung für die Arbeit der Juragruppe. "Wenn irgendwo mal für eine halbe Stunde das Wasser nicht läuft wie gewohnt, dann kriegen die Leute schnell Panik. Wenn man dann mal fragt, wo denn ihr Wasser herkommt, dann sagen sie halt, das käme aus dem Hahn." Vielen sei nicht klar, was da für eine Arbeit dahinter stehe. 

HANS-JOCHEN SCHAUER UND JULIAN SEIFERTH

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