Samstag, 07.12.2019

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Kein Glücksspiel: Antrag für Spielhalle zurückgezogen

Unterschriftensammlung gegen neue Nutzung für bald leerstehendes Intersport-Gebäude - 04.07.2019 10:00 Uhr

Das Gebäude an der Nürnberger Straße wurde in der Vergangenheit vielfältig genutzt. Eine geplante Spielhalle wird dort aber definitiv nicht kommen. © Foto. Ralf Münch


Raab zeigt sich darüber erleichtert: "Bereits vor 30 Jahren bin ich zusammen mit anderen verantwortlichen Akteuren aus der Pegnitzer Bürgerschaft gegen die Errichtung von Spielhallen erfolgreich eingetreten. An dieser Grundüberzeugung hat sich nichts geändert." Sowohl die Pegnitzer Bevölkerung als auch der Stadtrat würden auf Spielhallen mit Unverständnis und Gegenwehr reagieren. Er sehe in ihnen einen Weg in die Spielsucht. Raab bezeichnete Spielhallen als "keine Filetstücke einer mehrwertigen Stadtentwicklung".

Auch die direkten Nachbarn des betroffenen Grundstücks hatten sich gegen die neue Funktion des Gebäudes gewehrt. Einer von ihnen ist Michael Seifert. Die Stadt habe die betroffenen Anwohner angeschrieben und ihre Ansichten einholen wollen, wie er sagt. Alle befragten Anwohner hätten ihre Zustimmung zu den Plänen verweigert.

Seiferts größtes Problem: die Öffnungszeiten, die für die Spielhalle angedacht waren. Niemand hätte ein Problem mit Billard, auch gegen Glücksspielautomaten könne er nicht wirklich etwas ausrichten. "Aber Öffnungszeiten bis drei Uhr am Morgen? Das ist fett." Er wolle gar nicht wissen, wer in welchem Zustand aus der Lokalität komme. Wer die Zeit habe, bis drei Uhr zu spielen, habe "andere Hobbys als der Normalbürger".

Auch die Nähe zur Kinderkrippe wäre für ihn ein Problem. "Die können das gerne irgendwo an der Autobahn bis um sechs Uhr in der Frühe machen, aber nicht hier, wo Kinder sind." Er betont, dass es nicht um das Geschäftsmodell gehe, sondern um den "unüblichen Zeitrahmen". Die Nachbarn seien sich einig, dass eine Spielhalle keine wünschenswerte Nachbarschaft wäre.

Auch seine Mutter Rotraut Seifert, die gegenüber des Gebäudes wohnt, hätte Bedenken gehabt. Deshalb erstellte sie, bevor die Nachricht aus dem Rathaus kam, eine Unterschriftenliste gegen die geplante Spielhalle. "Innerhalb eines Tages haben 20 Anwohner unterschrieben." Sie habe den Anwohnern, die nicht in direkter Nachbarschaft des Grundstückes leben, eine Stimme geben wollen. Die Liste habe sie bereits im Rathaus abgegeben.

Und auch beim Gymnasium in der Nähe hätte eine Spielhalle Bauchschmerzen verursacht, wie der stellvertretende Schulleiter Rudi Mense erklärt: "Natürlich wären wir da nicht begeistert. Noch eine Spielhalle bei der Schule hätte uns nicht gefallen." Es gebe bereits den Kings Pub in der Nähe, nur eine Parallelstraße weiter. Er sehe ein gewisses Verführungspotenzial für bestimmte Schüler. "So etwas ist eine Einrichtung für Erwachsene, nicht für Jugendliche."

Wie es mit dem Gebäude weitergeht, ist laut Bürgermeister Raab noch offen. Aufgrund der konstruktiven und kooperativen Gespräche mit der Eigentümerin und dem Antragsteller habe man vereinbart, gemeinsam auf die Suche nach einer Nachnutzung zu gehen.

JULIAN SEIFERTH

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