16°

Mittwoch, 03.06.2020

|

zum Thema

Jan-Michael Fischer: Gegen das Image kandidieren

27-jähriger Speichersdorfer will für die SPD Landrat im Kreis Bayreuth werden - 15.02.2020 10:32 Uhr

Allzu oft ist Jan-Michael Fischer nicht zu Hause - wenn er zurück nach Speichersdorf kommt, geht er gerne mit seiner Labradorhündin Ennie in die Natur. © Foto: privat


Wie er selbst. Der Speichersdorfer, stellvertretender Ortsvorsitzender seiner Partei und Mitglied des Kreisvorstands, ist gerade einmal 27 Jahre alt. Als er hörte und spürte, dass die SPD verstärkt den politischen Nachwuchs zum Zug kommen lassen will, habe er sich selbst ins Gespräch gebracht. Ein Problem sei das schon, wenn einen kaum jemand kenne. Nach einem vorsichtigen Abtasten mit der Kreisverbandsspitze sei im zweiten Anlauf alles ganz schnell gegangen, "da war rasch Akzeptanz da". Er sei nicht der Typ, der nur im Hintergrund rede und analysiere, er wolle schon auch handeln. Daher seine Doppelbewerbung als Landrat und für den Gemeinderat.

Jan-Michael Fischer bei seinem Job – als Produktmanager für Energiedienstleistungen bei den Stadtwerken Energie Jena-Pößneck. © Foto: privat


Diese Einstellung habe sich bei diversen Praktika ausgeprägt, sagt der Mann, der in München, Bayreuth und Jena Jura, Politikwissenschaft und interkulturelle Wirtschaftskommunikation studiert. So war er beim Bundestagsabgeordneten Ulrich Grötsch, Generalsekretär der Bayern-SPD. Oder bei Kerstin Westphal, Ex-EU-Parlamentarierin. Viel gelernt habe er da, sagt Fischer. Dabei seien auch kommunalpolitische Aspekte nicht zu kurz gekommen. Das habe unter anderem mit dem Wegbrechen des Einzelhandels zu tun, der Schließung von Metzgereien und Bäckereien, dem Wirtshaussterben. "Das löst zunächst Ohnmachtsgefühle aus, aber ich habe da eben auch von Beispielen erfahren, wie es anders geht, da gibt es ganz konkrete Beispiele." Die ließen sich auch als Landrat vermitteln, flächendeckend. Will heißen: Fischer hat exakte Vorstellungen, was er bewirken will. Auch mit Blick auf schwächelnde SPD. Klar, die sei in eine Schieflage geraten und habe im Moment ein schlechtes Image. Aus seiner Sicht vor allem ein Kommunikationsproblem, "da ist einiges falsch gemacht worden".

Das habe er auch bei seiner Unterstützung von Bewerbern aus den Wahlkämpfen der jüngeren Vergangenheit gemerkt: "Du klingelst, die Leute merken, du bist von der SPD, sagen, sie wollen mit dir nichts zu tun haben und schließen die Tür." Das liege schon auch an einer gewissen Überalterung in den Parteistrukturen, damit, "dass wir zu akademisiert aufgetreten sind und das Volk nicht mehr widergespiegelt haben".

Genau das ändere sich gerade. Weil die Jungen mit ins Boot geholt werden. Es sei ja nicht so, dass die SPD nur eine Zuschauerrolle einnehme: "Der flächendeckende Mindestlohn ist uns zu verdanken." Da sei zwar das Ende der Fahnenstange nicht erreicht, "aber damit wird den Menschen wenigstens ein Mindestmaß an Respekt für ihre Leistung gezeigt".

Das habe auch mit Menschenwürde zu tun, die gelte es wieder verstärkt in den Blickpunkt zu rücken, sagt Fischer, der als Produktmanager für Energiedienstleistungen bei den Stadtwerken Energie Jena-Pößneck arbeitet und nebenbei sein Studium beendet.

Ihm gehe es auch um das Thema Gleichberechtigung, "es ist nicht wichtig, wo jemand herstammt, welches Geschlecht, welche Religion er hat." Die SPD sieht er in der Aufgabe, diesen zutiefst demokratischen Grundsatz am Leben zu erhalten. "Es hat mal jemand gesagt, eine gute Zukunft gebe es nur mit einer starken SPD", da sei schon etwas dran, ist Jan-Michael Fischer überzeugt. Umso mehr habe ihn das aktuelle Geschehen in Thüringen entsetzt. Das habe in der Bevölkerung erheblichen Frust ausgelöst, wie er an seinem Arbeitsplatz täglich erlebe: "Die Menschen fühlen sich hintergangen, sprechen von politischem Egoismus, von reinem Opportunismus." Das deckt sich mit seiner Meinung. Politiker dürften sich nicht zum Spielball von Machtinteressen machen lassen.

Der 27-Jährige hat schon eine politische Laufbahn hinter sich, er war Vorsitzender der Jusos Stadt und Land und im Bezirksvorstand aktiv. Abgesehen davon wisse er, was es bedeute, in diesem Landkreis aufgewachsen zu sein und hier zu leben, sagt der gebürtige Eschenbacher, der mit seiner Familie lange in Speichersdorf zuhause ist. Wie meistert er den räumlichen Spagat zwischen Jena und seinem Heimatort, dem er sich eng verbunden fühlt? "Einfach ist das nicht, es bedarf schon einer exakten Terminkoordinierung für die Zeit, in der ich hier bin. Aber es funktioniert, meistens komme ich ja schon am Donnerstag zurück."

Wie fühlt er sich in Zeiten einer allgemeinen SPD-Schwäche? Wie sind die Reaktionen von außen? Fischer lacht. Und sagt: "Na, ich habe zumindest noch keine Anfeindungen wahrgenommen." Mit Kritik an der Politik seiner Partei werde er immer wieder konfrontiert, aber das sei ja auch nicht verwunderlich. Viele sprächen ihm Mut zu, bei einigen sei auch "Mitleid im Spiel, aber noch hat mich keiner als Idiot bezeichnet". Seine Familie, seine Bekannten, seine Freundin hätten sein Antreten von Anfang an befürwortet. Er habe auch mit erfahrenen Genossen geredet – "und das hat auch die letzten Bedenkenträger überzeugt".

Am Ende stand die Erkenntnis: "Ich fühle dem Amt gewachsen und man traut es mir auch zu." Fischer nutzt soziale Netzwerke nicht ganz so intensiv wie manche seiner Mitbewerber, hält sie aber für unverzichtbar. Vor allem auf Instagram ist er fleißig unterwegs.

In seinem Privatleben ist er gerne ein Reisender. Spanien, Portugal, eigentlich ganz Europa", aber auch Südostasien hat er schon erkundet. Oft als Rucksacktourist. Das falle flach in Wahlkampfzeiten, "aber ich bin schon gerne unterwegs". Auch am Wochenende in der Natur, im Wald. Fischer ist kein Couchhocker.

STEFAN BRAND

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Bayreuth