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Jagdpacht in Weidensees dauert fast 70 Jahre

Heinz Roth hatte das Revier noch von seinem eigenen Vater übernommen und hört jetzt auf - 16.05.2019 14:09 Uhr

Heinz Roth beendet die Tätigkeit als Weidenseeser Jagdpächter aus gesundheitlichen Gründen. Er baute Hochsitze und fütterte Wildtiere im Winter.


Bereits während seiner Kindheit lernte Heinz Roth die Feinheiten des Jagens und die Aufgaben eines Jagdpächters. Sein Vater erhielt die Jagdpacht 1950. Damals wurde einiges noch von den Besatzungsmächten geregelt — so auch der Waffenbesitz in Deutschland. Bis 1952 durften die Jäger keine Waffen tragen. Das erschwerte etwas die Arbeit. Im Alter von acht Jahren stieß Heinz Roth dann dazu. "Mein Vater nahm uns — meine Mutter und mich — jedes Wochenende mit", erzählt Roth, "Ich bin sozusagen in den Waldgebieten auf- und in dieses Hobby hineingewachsen."

Mit gerade mal 16 Jahren machte Roth seinen Jagdschein und zwei Jahre später, 1960, erlegte er seinen ersten Hirsch. Neben dem Hobby hat ein Jäger natürlich einen Hauptberuf. Roth studierte in Nürnberg an der Ohm-Polytechnikum Bauingenieurwesen. Als selbstständiger Diplomingenieur arbeitete er hauptberuflich in seiner eigenen Firma. Stets das Hobby an seiner Seite.

Immer in der Natur

Die komplette Jagdpacht übernahm er dann 1978, als sein Vater verstarb. "Zu den Aufgaben eines Jagdpächters gehört nicht nur die Jagd, wie viele Leute immer denken", sagt er. "Man wächst mit der Natur auf und ist mit ihr verbunden." Es sei eben nicht so, dass man einen Spaziergang durch den Wald mache und dann auf irgendetwas schießen würde, das gerade durch die Bäume huscht.

Es müsse abschusswürdig sein, ein gewisses Alter haben oder vielleicht verletzt sein. Dann müsse der Jäger da eingreifen, erzählt er. "Wenn ein Wildunfall passiert, müssen wir uns darum kümmern", sagt Roth. "Das Wildtier muss ja nicht immer gleich verenden. Das kann ja verletzt sein. Dazu braucht man dann einen Jagdhund, um es zu finden und dann zu erlösen."

Der Jagdpächter kümmert sich um die Fütterung der Wildtiere im Winter, baut Hochsitze auf und kontrolliert diese. Oder stellt die Felder nach einem Wildschaden wieder her. Es stecke also viel mehr dahinter, als einige denken.

"69 Jahre sind wir in Weidensees auf die Jagd gegangen und haben uns um die Gebiete gekümmert", sagt Roth, "Ein Jagdpachtvertrag geht eigentlich nur neun Jahre, aber wenn man sich gut mit den Landwirten versteht – und das haben wir – dann kann so eine lange Jagdpacht durchaus entstehen. Trotzdem ist diese Zeitspanne recht selten."

Die Lust und Freude an diesem Hobby wurde an die nächste Generation weitergeben und das hätte zusätzlich dazu beigetragen, dass die Verträge mit Heinz Roth stets verlängert wurden.

Trotzdem gibt er zu bedenken, dass es ein recht kostspieliges Hobby ist. Denn für Wildtierschäden auf Feldern müssen die Jäger aufkommen. Das könnte recht kostspielig werden, wenn Wildschweine oder anderes Wild, die Felder der Bauern zerstören. Dafür gebe es auch keine Versicherung. Sein Hobby hat ihn aber nicht in den Ruin getrieben. Aber immerhin n den Rollstuhl. Im Jahr 2015 fiel er drei Meter tief von einem Hochsitz. "Ich hatte einen Beckenbruch, das Steißbein angebrochen und eine Rippenprellung", erzählt er.

"Ich saß fünf Monate im Rollstuhl. Die Verletzungen beeinträchtigen mich noch heute beim Gehen, Bücken oder jeglicher Belastung." Nichtsdestotrotz übte er sein Hobby mit Leidenschaft aus und bereue nichts. "Ich habe freilich weitergemacht, aber es fiel mir viel schwerer", sagt er, "deshalb habe ich allmählich nach einem Nachfolger gesucht und jetzt die Jagdpacht an Peter Müller übergeben."

MARTIN BURGER

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