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Sonntag, 22.09.2019

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Im Schongang durchs Püttlacher Erdreich

Teurer aber schneller: Der Breitbandausbau wird mit dem Bohrspülverfahren durchgeführt - 17.08.2019 15:47 Uhr

Der Bohrkopf sendet Magnetstrahlen aus, die von einem Empfängergerät geortet werden. Dem Spülwasser zugesetzt wird Bentonit – eine Mischung von verschiedenen Tonmineralien. © Foto: Klaus Trenz


Es braucht lediglich eine Grube, in der ein Bohrer in das Erdreich eindringt und eine weitere Grube, aus der der Bohrer wieder heraustritt. Anschließend werden im Rückzug die Leerrohre für das Glasfaserkabel eingezogen.

Wenn die Kabel im Erdreich liegen und etwas Gras über die dann wieder aufgefüllten Gruben gewachsen ist, ist davon hinterher kaum mehr etwas zu sehen. Die Effektivität des Verfahrens zeigte am Mittwoch Bürgermeister Stefan Frühbeißer, als es galt, die Püttlach an der Gemeindeverbindungsstraße nach Hedelmühle an der Gemeindegrenze zu unterqueren. Ein Eingriff in die Landschaft, die zudem noch FFH-Gebiet ist (Flora-Fauna-Habitat) ist, ist kaum nötig. Von der Bohrgrube aus, trieb man einen Kanal im Bogen unter dem Bach hindurch. "Das Verfahren ist teurer, aber auch sauberer und schneller", erklärt Frühbeißer. Dazu gebe es keine Beeinträchtigungen der Oberfläche und sei vor allem hier am Bach wichtig, um die Natur zu schützen.

Am Scheitelpunkt der Kurve, die der Kabelkanal nimmt, sei man rund 3,5 Meter tief in der Erde, erklärt der Bohrtruppleiter von der Spezialfirma Bohrtechnik Schütze aus Werningshausen (Thüringen), Nico Schütze-Kühl. Dabei hat man darauf geachtet, dass man unter dem Bach eine "Mindestdeckung" von 1,50 Meter Erdreich einhält, sprich: das Bachbett durch die Horizontalbohrung nicht beeinträchtigt wird.

Man hat im Vorfeld der Arbeiten eine Erkundungsbohrung vorgenommen, um die Bodenbeschaffenheit auf die Spülbohrung abzustimmen. 40 Meter hatte der Bohrtrupp vor sich.

Nico Schütze-Kühl kontrollierte dabei immer wieder die Lage des Bohrkopfs: "Er sendet Magnetstrahlen aus, ich kann immer genau feststellen, ob der Bohrkopf die richtige Tiefe, Richtung und Neigung nimmt, und notfalls korrigieren".

Nach rund einer Stunde schob sich der Bohrkopf aus der Wand der Zielgrube. Dort wurde der Bohrkopf gegen einen so genannten Räumer ausgetauscht. Dieser hat einen größeren Durchmesser als der Bohrkopf, weitet beim Zurückziehen die Bohrung auf und zieht das Leerohr mit durch. "Wir sind sogar in der Lage durch Stein und Fels zu bohren", sagt Schütze-Kühl.

Die längste Bohrung, die sein Trupp bisher gebohrt habe, habe 270 Meter betragen. Am Tag schaffe man rund 300 Meter Kanal für Rohre und Leitungen. Die nächste Bohrung, die der Trupp vornimmt, ist die Unterquerung der Straße beim Golfplatz in Weidenloh. Eine Besonderheit der Spülbohrung ist, dass das Spülwasser, das nach der Bohrung eine Schlammbrühe ist, wieder aufgefangen und recycelt wird.

In diesem Fall heißt dies, dass die enthaltenen Feststoffe herausgenommen und das Wasser wiederverwendet werden kann. Nach einer Beprobung werden die Feststoffe, bei einer Felsbohrung wäre das Steinmaterial, dann zu einer Deponie gebracht.

Dem Spülwasser zugesetzt wurde Bentonit – eine Mischung von verschiedenen Tonmineralien. Bentonit ist nicht nur Schmier- und Kühlmittel, sondern stabilisiert nach dem Bohren den Kabelkanal. Die feinen Tonpartikel dringen in die Bohrwand ein, quellen auf und verfestigen sich schließlich. 

KLAUS TRENZ

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