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Sonntag, 20.10.2019

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Im Auerbacher Bürgerwald entsteht ein Waldkindergarten

Firma "Learning Campus" stellt ambitioniertes Projekt vor - Danach einstimmiger Stadtratsbeschluss - 23.05.2019 22:02 Uhr

Zwei Waldkindergärten — hier die Eröffnung in Weiden — betreibt die Firma „Learning Campus“ bereits. Eine dritte soll es ab 1. September im Bürgerwald geben. © Foto: Learning Campus


Die Frist zur Umsetzung sei "zeitlich sehr sportlich", drückte sich Dr. Benjamin Zeitler, einer der Geschäftsführer des Unternehmens, aus. Erst am 27. März habe die erste Besprechung stattgefunden, Waldbesichtigung und Treffen mit Jugendamt, Waldarbeitern und Förster folgten. Inzwischen wurde bereits der Bauantrag für einen mobilen Bauwagen erarbeitet. Dieser dient als Lagerraum, Platz für kreatives Arbeiten und Ökotoilette. Nur bei Unwetterwarnungen – etwa Sturm, Schneebruch oder anhaltenden zweistelligen Minusgraden – brauche die Gruppe ein festes Gebäude.

Das Dorfzentrum Welluck wird in diesen Fällen der Anlaufpunkt sein. "Das kommt erfahrungsgemäß etwa zehn bis 15 Mal im Jahr vor", meinte Zeitler. Dennoch muss womöglich zusätzlich eine Nutzungsänderung für das Dorfzentrum beantragt werden.

Für den Auerbacher Waldkindergarten wurden mehrere mögliche Standorte besichtigt. Gegen die "Ruh" sprach die lange Zufahrt, erklärte Bürgermeister Joachim Neuß. Gegen Ranna bei der Magdalenenkapelle sprach die unfallträchtige Staatsstraße, so der Rathauschef. Die Ideallösung wurde im Bürgerwald gefunden. Treffpunkt mit den Eltern wäre am Parkplatz der Hohen Tanne. Der eigentliche Betreuungsplatz liegt etwa 700 Meter weiter auf einer Lichtung im Wald. Für das Abgeben und Abholen der Kinder wird ein verhältnismäßig enger Zeitkorridor vorgegeben. "Wir erziehen nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern", sagte Zeitler. Wer zu spät kommt, verpasst den Morgenkreis und die gemeinsame Wanderung zum eigentlichen Waldkindergarten.

Erlaubnis erster Schritt

In einem nächsten Schritt muss der Träger die Betriebserlaubnis vom Jugendamt Amberg-Sulzbach einholen. Mitarbeiter müssen eingestellt werden; eine Fachkraft wurde bereits unter Vertrag genommen und wird in Eschenbach eingearbeitet. Anfang Juli ist ein Elterninformationsabend geplant. Im August wird der Waldplatz vorbereitet. Für den Start rechnet "Learning Campus" mit fünf bis sechs Mädchen und Jungen. Drei Kinder aus Auerbach besuchen aktuell schon den Waldkindergarten in Eschenbach. Zeitler nannte mehrere Vorteile einer solchen Einrichtung in der freien Natur. Unter anderem seien die Kinder gesundheitlich stabiler. Auch lernen sie, mit Naturmaterialien zu spielen und mit Gefahren umzugehen. Das Erleben der Stille im Wald sei ein zusätzliches positives Erlebnis.

Herbert Appl (CSU) sagte, dass er gerne bereits im Vorfeld mehr über den Waldkindergarten gewusst hätte um sich intensiver vorzubereiten. Konkrete Fragen an Benjamin Zeitler brachte er allerdings nicht vor. Der Geschäftsführer indes betonte, dass "Learning Campus" mit Erfahrung punkten könne. In Eschenbach werden aktuell 24 Kinder, in Weiden 44 Kinder im Wald betreut. Eine Elternbewertung der Einrichtung ergab jeweils eine Eins vor dem Komma.

Der Waldkindergarten verstehe sich als ergänzendes pädagogisches Angebot. Ein gutes Miteinander mit den anderen Betreuungseinrichtungen am Ort werde gewünscht. Auch gemeinsame Projekte seien denkbar. Zeitler versprach, dass Kinder aus Auerbach bei der Anmeldung Vorrang haben. Wie bei allen Kindergärten müsste die Stadt ein mögliches Defizit ausgleichen, erklärte Zeitler. Unterstützt würde das Projekt auch vom Freistaat Bayern. Die Elternbeiträge liegen bei voraussichtlich 100 bis 150 Euro pro Monat.

Begeistert vom Projekt "Waldkindergarten" zeigte sich Bernd Scheller (Grüne). Die Umwelterziehung für Kinder sei sehr zu begrüßen. Alle Fraktionen waren sich einig, dass diese zusätzliche Alternative der Betreuung Sinn mache und gewünscht werde. Freie Plätze gebe es aktuell nur im St. Otto-Kindergarten Michelfeld, erklärte der Bürgermeister.

BRIGITTE GRÜNER

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