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Dienstag, 22.10.2019

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Historisches Pegnitzer Rathaus in die neue Zeit geführt

Tag der offenen Tür zum Abschluss der zweijährigen Renovierungsarbeiten - 1,44 Millionen Euro Gesamtkosten - 11.05.2019 12:24 Uhr

Schlicht gehalten ist der Sitzungssaal des Stadtrates. Zwei Aussparungen in der Decke wahren mit vier historischen Balken den Status des Denkmals. © Reinl


Die frisch in leuchtendem Weiß getünchte Außenfassade harmoniert prächtig mit dem typisch fränkischen Fachwerkgebälk in dunklem Rot. In neuem, modernem Glanz erstrahlt das markant gelegene, denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1544 inmitten der Innenstadt. Uwe Raab, der Erste Bürgermeister der Stadt Pegnitz, ist sichtlich froh über die Fertigstellung des umfangreichen Bauprojekts mit seiner energetischen Sanierung und dem barrierefreien Umbau.

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Vier Balken wahren die Tradition des Pegnitzer Alten Rathauses

Von Anerkennung für einen nüchternen, mit allen technischen Raffinessen ausgestatteten Funktionsbau bis hin zum Ausruf "Oh Gott, ist das hässlich" reichten die Kommentare beim "Tag der offenen Tür" im Alten Rathaus der Stadt Pegnitz. Entstanden sind moderne Büroräume für das Einwohnermeldeamt und das Standesamt sowie eine öffentliche Toilette und ein schmuckloser Sitzungssaal, in dem vier historische Balken die Tradition eines der ältesten Pegnitzer Denkmale wahren, allerdings zum Großteil verdeckt durch riesige runde LED-Leuchten. Die Sanierung und barrierefreie Umgestaltung hat genau zwei Jahre in Anspruch genommen und knapp 1,5 Millionen Euro gekostet.


Aus dem kommunalen Investitionsprogramm (KIP) mit seinem Fördersatz in Höhe von 90 Prozent der förderfähigen Investitionen ergab sich eine finanzielle Unterstützung: Bei 890.000 Euro an Fördergeldern verblieben bei der Stadt Pegnitz noch 550.000 Euro als Eigenanteil der Gesamtkosten in Höhe von 1.440.000 Euro für Sanierung inklusive Außenanlagen sowie Einrichtung und Baunebenkosten. Der Startschuss für das Bauvorhaben fiel im Sommer 2017 am 19. Juni.

Barrierefreier Zugang

Von den Parkplätzen an der „Ratsstube“ ermöglicht eine Rampe die barrierefreie Zufahrt mit dem Rollstuhl zum Rathauseingang an der Längsseite und dann weiter zum historischen Haupteingang am westlichen Giebel. In diesem Bereich wurde das Gelände zugunsten des notwendigen Zugangs zur WC-Anlage um ganze 60 Zentimeter angehoben und mit Natursteinquadern aus Muschelkalk abgefangen.

Sie gewährleisten nicht nur den barrierefreien Zugang zum Erdgeschoss mit den jederzeit erreichbaren öffentlichen Toiletten, sondern bieten auch eine bequeme Sitzgelegenheit neben der Treppe, die vom Rathausportal zur Brunnenanlage hinabführt. Diese wurde bereits vor rund 15 Jahren im Zuge einer Baumaßnahme mit Mitteln der Städtebauförderung neu gestaltet.

Standesamt im Dachgeschoss

Das Erdgeschoss beheimatet wie schon vor den Bauarbeiten das Einwohnermeldeamt und weitere Büroräume. Im ersten Obergeschoss liegen ein Sitzungssaal, das Trauzimmer und Büroarbeitsplätze und im Dachgeschoss befindet sich neben weiteren Büros das Standesamt. Vom Eingangsbereich aus zieht sich durch alle Stockwerke konsequent das zentrale Gestaltungselement Eiche.

In der Umbauphase gab es für Architekt Markus Geppert die eine oder andere Überraschung: „Nach Freilegung der Spitzbogendecke mussten wir feststellen, dass das Auflagekreuz des Glockenturms komplett verfault war.“ Auch die Holzkonstruktion des Turms wies massive Schäden auf.

So war der komplette Neubau des Turms die kostengünstigere Variante, auch wenn dadurch Mehrkosten entstanden und der Bauablauf nicht wie geplant umgesetzt werden konnte. Es ergab sich eine etwa viermonatige Bauverzögerung. Der neue Glockenturm für das Alte Rathaus wurde im September des vergangenen Jahres angeliefert und aufgebaut. Dann erst konnte die Dacheindeckung fertiggestellt werden.

Firmen aus der Region

Erfreulich war das trockene und in gutem Zustand befindliche gemauerte Kellergewölbe. Allerdings war die Tragfähigkeit zu gering für das Gewicht der neuen Liftanlage. So wurde die Last des Aufzugs auf tragende Wände nach außen verteilt. Mit ihm sind alle Geschosse im Haus barrierefrei erreichbar und aufgrund der energetischen Sanierung dauerhaft nutzbar.

Im Keller des Rathauses befinden sich Elektrik, Heizung und der EDV-Server. Zufrieden stellt Architekt Geppert weiter fest: „Trotz der Ausschreibung aller Gewerke erhielten viele Firmen aus Pegnitz und seiner nahen Umgebung die Aufträge für die Sanierungsarbeiten.“ Und er betont: „Die beteiligten Betriebe haben Hand in Hand zum Gelingen des Bauprojekts beigetragen.“

Bürgermeister Uwe Raab freut sich über das tolle Ergebnis: „Alt und neu sind kreativ miteinander verbunden. Es ist dem Architekten Markus Geppert gelungen, das historische Gebäude in eine neue Zeit zu führen. Angereichert mit Hightech entspricht das Gebäude mit seiner fast 500-jährigen Geschichte den Anforderungen von heute und morgen.“ Das Stadtoberhaupt lädt ein zum Tag der offenen Tür, bei dem auch eine kleine Ausstellung die einzelnen Bauabschnitte näher beleuchten und die umgesetzten Baumaßnahmen detailliert ausweisen wird. 

 

Karl Schwemmer

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