11°

Dienstag, 23.04.2019

|

Großbrand in Pegnitz: Vom Ärztehaus bleibt nur eine Ruine

Übergreifen des Feuers am Böllgraben auf Nachbarhäuser wäre möglich gewesen - 06.02.2019 19:32 Uhr

Das Ärzte- und Geschäftshaus am Böllgraben — aufgenommen von einer Drohne. Dort wo sich bis Dienstagmorgen noch das Dachgeschoss befand, liegen verkohlte Trümmer der beiden Wohnungen. © Feuerwehr Pegnitz


"Eine Begehung ist nicht mehr möglich gewesen, es bestand Einsturzgefahr", sagt Kreisbrandrat Hermann Schreck. Feuerwehrleute zum Löschen in die oberste Etage des Gebäudes zu schicken, wäre unter diesen Umständen ein Wagnis gewesen. Die Einsatzkräfte wären großer Gefahr ausgesetzt gewesen.

"Dieses hohe Risiko wollten wir nicht eingehen", so Schreck. "Das Feuer ist hinter den Verkleidungen immer wieder aufgefackelt. Die Decke hing durch", pflichtet ihm der Pegnitzer Feuerwehr-Kommandant Roland Zahn bei, der am Dienstag den Einsatz geleitet hatte.

Zahn, dessen Stellvertreter Timo Pohl, Hermann Schreck und Kreisbrandinspektor Stefan Steger beratschlagten das weitere Vorgehen. Dass ein Innenangriff nicht möglich war, war den Verantwortlichen schnell klargeworden. Es sei ein erster Gedanke gewesen, so Zahn, jedoch nicht zu verwirklichen. "Dann hätten wir achtundvierzig Stunden dagestanden, um den Brand zu löschen." Auch für den Kreisbrandrat stand fest, dass ein normaler Löscheinsatz wenig erfolgreich sein würde: "Das Feuer war in vielen Ecken. Wir sind von außen nicht herangekommen."

Bilderstrecke zum Thema

Nächtlicher Großeinsatz: Pegnitzer Ärztehaus in Flammen

Große Aufregung in Pegnitz: Gegen 4 Uhr in der Nacht zum Dienstag musste ein Großaufgebot der Feuerwehr zum Böllgraben ausrücken, weil dort ein Wohn- und Geschäftshaus in Brand geraten war. Insgesamt vier Bewohner, darunter auch ein Säugling, wurden von der Polizei in Sicherheit gebracht. Ein 75-Jähriger kam wegen des Verdachts einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus.


Nach Abwägung aller Argumente Für und Wider und unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit kamen die vier zu dem Schluss, dass es das Beste wäre, das Dach abzureißen." Natürlich haben wir uns mit der Polizei abgesprochen. Auch der Staatsanwaltschaft wurde das Vorhaben mitgeteilt, denn bei einem Abbruch muss in Kauf genommen werden, dass dabei Hinweise auf den Brand vernichtet werden. Erst nach dem O.k. wurde bei der Firma Kornburger (Weidensees) ein Abrissbagger angefordert, der jedoch erst nach über drei Stunden in Pegnitz eintraf, weil er im Raum Bamberg stand", sagt Zahn. 

In der Leitstelle hinterlegt

In der Zwischenzeit waren über 200 Feuerwehrleute aus 16 Wehren am Böllgraben im Einsatz, darunter die Feuerwehren aus Bayreuth und Kirchahorn mit der weitesten Anfahrt. "Alarmiert wird nach Stichworten, die in der Leitstelle hinterlegt sind", erklärt Gerhard Eichenmüller, der Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbands. Nachdem der Disponent in der Leitstelle das Stichwort in den Alarmrechner eingegeben hat, bekommt er einen Vorschlag mit allen zu alarmierenden Rettungsmitteln.

"Dann alarmiert die Leitstelle die Einsatzkräfte", so Eichenmüller. Da für den Brand in Pegnitz die Alarmstufe vier ausgerufen wurde — darunter fallen auch Dachstuhlbrände — rückten viele Feuerwehren aus. Wenn in bestimmten Fällen der Einsatzleiter eine spezielle Wehr benötige, könne diese individuell nachgefordert werden, so Eichenmüller.

Es werde bei der Alarmierung auch darauf geachtet, dass nicht alle Feuerwehren aus einem Gebiet ausrücken, "um den Gebietsschutz zu erhalten", sagt Schreck. Darauf geachtet wurde auch, dass am Böllgraben genügend Atemschutzträger vorhanden waren. In dem Gebäude hielten sich gleichzeitig bis zu 26 Atemschutzträger auf, die jedoch aufgrund der Rauch- und Hitzeentwicklung nicht bis zu Dachstuhl vordringen konnten.

Etwa 20 bis 40 Minuten könne ein Atemschutzträger im Einsatz sein. "Das hängt von der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit ab", betont er. Hinzu kämen die Bedingungen vor Ort: die Temperaturen und die Arbeit, die sie verrichten müssen. Deshalb werden die Atemschutzträger durchgewechselt, damit sie sich wieder erholen können.

Beim Einsatzleiter gebe es keine festen Einsatzzeiten. Er könne seine Aufgabe abgeben, wenn er merkt, dass er körperlich oder geistig in seiner Leistung nachlässt, sagt Schreck. Froh ist er, dass die Feuerwehren durch ihr "schnelles und beherztes Eingreifen" Schlimmeres verhindert hätten. "Ein Übergreifen der Flammen auf Nachbarhäuser wäre möglich gewesen", sagt der Kreisbrandrat. "Scheiben barsten, wir hatten starken Funkenflug." Er hebt die enorme Wirkung der Drehleitern der Feuerwehren Pegnitz, Auerbach und Waischenfeld hervor, mit denen man maximal habe eingreifen können.

Der Brand musste mit Löschschaum bekämpft werden, und zwar mit "einem einheitlichen Löschschaum der Feuerwehr Pegnitz", stellt Roland Zahn klar. Hintergrund: Auerbach und Pegnitz verwenden unterschiedliche Löschschäume. "Doch im Vorfeld haben sie sich darauf geeinigt, den Schaum der Pegnitzer Wehr einzusetzen", sagt Gerhard Eichenmüller.

Dass alle Einsatzkräfte mit heiler Haut nach Hause zurückkehren konnten, hebt Roland Zahn besonders hervor. Denn nicht nur die Bekämpfung des Feuers war mehr als gefährlich, sondern auch der Gang über die spiegelglatten Straßen und Flächen um das Ärztehaus. Nicht selbstverständlich ist für ihn die Unterstützung durch die Familie Kotzbauer, die ihre Ausstellungshalle und Teile des Firmengeländes den Einsatzkräften zur Verfügung gestellt hat. Die sechs Mann, die tagsüber Brandwache hielten, seien "super versorgt" worden. "Um 20 Uhr hat eine Frau sogar Suppe gebracht", freut sich Zahn über die Hilfsbereitschaft. 

Hans-Jochen Schauer

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Pegnitz