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Gibt es die ehemalige Meister-Wiese noch?

Landesanstalt für Landwirtschaft und Bund Naturschutz ziehen nach zehn Jahren Zwischenbilanz - 13.06.2019 22:44 Uhr

Betriebsleiter Günter Braun (Mitte, hellblaues Hemd) begeht die damalige Siegerwiese des Wettbewerbs mit den Fachleuten in der Körbeldorfer Flur. © Foto: Rosie Thiem


Ehrfürchtig wanderten die Agrarreferentin Marion Ruppaner vom Bund Naturschutz (BN), Sabine Heinz von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Stephan Neumann von der Höheren Naturschutzbehörde, die Kartiererin Inge Steidl und weitere Fachbesucher mit Landwirt Braun am Rande der hängigen Siegerwiese.

Gibt es die Wiese noch? Diese Frage stellten die Initiatoren der Wiesenmeisterschaft in Bayern, BN und LfL, den jeweils fünf Erstplatzierten der Jahre 2009 bis 2018 — zusammen 50 Betriebe. Insgesamt haben sich im Zeitraum der letzten zehn Jahre 453 Landwirte an dieser Meisterschaft beteiligt. 31 Prozent der Teilnehmer, also fast jeder Dritte, waren Milchviehbetriebe, 15 Prozent Ackermischbetriebe.

So wechselte jährlich das Gebiet. 2009 begann der Wettbewerb im Bayerischen Wald, 2010 war der Oberfränkische Jura das Ziel, vergangenes Jahr wurde das Donau-Isar-Hügelland bewertet. Die Kriterien umfassten neben den Artenzahlen, die Gleichmäßigkeit des Bestandes — auch der Futterertrag, die Verwertung im Betrieb und die zukunftsfähige Nutzung.

Die Wiese mit der großen Artenvielfalt gibt es auch bei Günter Braun noch. Inge Steidl schlüpfte leichtfüßig durch den Bestand und vermerkte auf einer Liste die vorgefundenen Arten. Die Grünliche Waldhyazinthe, die Esparsette, verschiedene Glockenblumen, die bereits abgeblühte Schlüsselblume und viele andere Naturschönheiten schmiegen sich in der Wiese bis hoch an den Waldrand. An der Grenze zum Fichtenwald bestimmen zufällig die eben blühenden Walderdbeeren den Verlauf.

Die besichtigte ein- bis dreischürige, abgestuft genutzte Mähwiese gefiel der Gruppe. Peter Ille, Geschäftsführer des BN Bayreuth: "Die Idee der Wiesenmeisterschaft ist ein toller Baustein. Wir brauchen alle Landwirte für die Kultur- und Artenvielfalt."

Silke Stahlmann von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Bayreuth wies auf die Fördermöglichkeiten hin. Seit 1988 würden Förderungen zur umweltschonenden Grünlandwirtschaft — die Vertragsnaturschutzprogramme (VNP) und Kulturlandschaftsprogramme (KULAP) — angeboten. Darüber hinaus, so Stahlmann, gebe es jetzt zusätzlich eine "ergebnisorientierte Grünlandnutzung", die noch nicht so stark genutzt werde. Oft fehle die Zeit bei den Landwirten, sich mit den Möglichkeiten der einzelnen Förderungen, abgestimmt auf deren Betriebe, auseinander zu setzten.

Günter Braun ging auch auf den Schaden von Wildschweinen in Wiesen und dem Befall mit Jakobskreuzkraut ein. Stahlmann wies auf Lösungen hin, wichtig sei immer die Kommunikation zwischen den Landwirten und den Fachstellen.

Die zweite Station der Wiesenführung bei Körbeldorf zeigte eine mit Wiesen-Salbei reich bestückten Fläche, die, wie Landwirt Braun erklärte, zweimal im Jahr von ihm mit Gülle gedüngt werde. Hier hat der Lippenblütler einen eindeutigen Standortvorteil, dem die Düngergaben nicht schaden.

"Eine Wiese muss man nicht nur sehen, sondern auch hören können", sagte Günter Braun. Er ging dabei auf die Insekten und Lebewesen einer funktionierenden Grünfläche ein.

Beratung für Landwirte

Am 22. Oktober wird, laut BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner, die vollständige Auswertung der Befragungsergebnisse und Datenauswertungen bei einem Fachsymposium in München vorgestellt. Im Abschlussgespräch auf der Wiese forderte BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner aufgrund der bereits vorliegenden Ergebnisse eine bessere Beratung: "Die Wiesenmeisterschaft hat gezeigt, dass Landwirte nicht nur eine attraktive Förderung für die extensive Nutzung ihrer Wiesen und Weiden brauchen, sondern dass die Programme auch aktiv beraten werden müssen." Der BN fordert deshalb neben dem weiteren Ausbau der Förderung extensiver Wiesen auch mehr Fachkräfte an den Unteren Naturschutzbehörden und aktive Programmberatung an den Ämtern für Landwirtschaft. Zum Nutzen der Artenvielfalt der Agrarumweltprogramme sagte Dr. Sabine Heinz vom LfL: "Der Ausstieg aus Agrarumweltmaßnahmen bedeutet einen Artenverlust bei ursprünglich artenreichen Standorten. Wenn öfter gemäht wird, geht auch die Zahl der für Bestäuber attraktiver Blüten zurück.

Sie unterschied zwischen Blühwiesen und Blühstreifen, die manchmal gleichgesetzt würden, aber den Lebensraum der Wiesen mit ihren speziellen Pflanzenzusammensetzungen nicht ersetzen können. "Klatschmohn und Kornblume sind keine Wiesenpflanzen. Die Arten kommen auch nicht alleine zurück. Dort wo die Vielfalt noch ist, sind auch die Tiere."

Die hiesige Region, da waren sich die Fachleute bei ihrem Besuch einig, verfüge über einer noch beachtlich großen Anzahl an verschiedensten Arten, die in Bayern nicht überall mehr vorhanden ist.

ROSI THIEM

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