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Geschafft: Auerbacherin lebte 46 Tage (fast) ohne Plastik

Lisa Sattlers ungewöhnliches Fasten: Von Fasching bis Ostern wollte die Studentin ohne den umweltschädlichen Kunststoff auskommen - 20.04.2019 13:04 Uhr

In Heidelberg ist es einfacher auf Plastik zu verzichten, weil es entsprechende Einkaufsmöglichkeiten gibt, sagt die Auerbacherin Lisa Sattler. Doch egal ob am Studien- oder am Heimatort oder im Urlaub: Bis auf wenige Sünden, die sie in einem Glas gesammelt hat, kam sie ohne den Kunststoff aus.


Hinter der 25-Jährigen liegen 46 Tage, an denen sie sich mit aufschäumenden Tabletten die Zähne geputzt und Kernseife als Spülmittel verwendet hat, auch wenn letzteres "echt fürchterlich zum Abspülen war", wie sie sagt. Lisa Sattler bekochte die Eltern in Auerbach anstatt sich bekochen zu lassen und blieb standhaft, auch wenn es noch so lecker in ihrer Heidelberger Studenten-WG roch. Gut gemeinte Schlupflöcher der Mitbewohner ließ sie aus: "Sie sagten mir, ich soll doch mitessen, weil ja sie die Plastikverpackungen fürs Gemüse aufgerissen haben und nicht ich. Aber damit hätte ich mich selbst belogen."

Sünden im Glas

Auf dem Weg in den Snowboardurlaub ins österreichische Stübingtal machte Sattler in Innsbruck Station, um sich mit Lebensmittel einzudecken. Wohl wissend, dass sie im Urlaubsort keinen "Unverpackt-Laden" finden wird. Unter anderem dort musste sie einsehen, dass es trotz aller guten Vorsätze eben doch nicht ganz ohne Plastik geht. Beim Snowboarden verletzte sie sich am Fuß. Um ihre Schnittwunde zu behandeln, strich Sattler eine Salbe auf - die aus einer Plastiktube kam. "Und wenn ich krank geworden wäre, hätte ich die Medikamente auch nicht ohne Plastikverpackung bekommen. Unsere Welt funktioniert eben mit Plastik."

In einem Glas hat Lisa Sattler die Sünden gesammelt, die sich einfach nicht vermeiden ließen. Neben der Creme liegen hier die Dosierhilfe für eine Ölflasche, die Ummantelung einer Glaskonserve, die Aufreißhilfe einer Waschmittelverpackung, Preisaufkleber aus einem Supermarkt und ein Strohhalm. "Den habe ich beim Cocktailtrinken vergessen abzustellen", sagt Sattler, "aber wenn ich ihn dem Kellner beim Servieren zurückgegeben hätte, wäre der Strohhalm auch nicht wiederverwertet worden."

Bis auf diese kleinen Fehltritte hat Sattler es geschafft. 46 Tage (fast) ohne Plastik, "es war leichter als ich es mir vorgestellt habe", sagte sie. Und erkenntnisreich. "Ich will in Zukunft mehr selber machen. Sahne, Brot oder Pizzateig zum Beispiel, die Zutaten bekommt man leicht ohne Plastikverpackung." Auch die Tabletten zum Zähneputzen bleiben. "Sie schäumen weniger als Zahnpasta, aber schmecken ganz gut."

Sattler ist froh, es durchgezogen zu haben. In ihrem Umfeld wurde aufgrund ihres Fastens viel über Umweltschutz diskutiert, "da musste ich mich in die Gespräche gar nicht mehr einklinken". Über Facebook meldeten sich fremde Menschen bei Sattler, die ihrem Beispiel folgen wollten.

Zuvor hatte Sattler eher klassisch gefastet, auf Süßigkeiten oder Alkohol verzichtet. Sie hat schon eine Idee, was als nächstes kommt: "Ein Freund hat mich animiert, auf Flugreisen zu verzichten." Aber dann nicht nur von Fasching bis Ostern, sondern das ganze Jahr über.

VON MARCEL STAUDT

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